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Visionen

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Meditieren

Warum meditieren? Meditation tut einfach gut – in jeder Hinsicht. Sie eröffnet der Seele den Zugang zum Göttlichen und ist Basis für die spirituelle Entwicklung.

Meditation ist die Essenz, der Kernbestandteil, des spirituellen Lebens. Meditation besteht nicht im Nachdenken über die geistige Welt, sondern im Aufstieg der Seele über die sinnlich erfahrbare materielle Welt zu ihrem göttlichen Schöpfer. In der Meditation vollzieht sich die Rückkehr der Seele zu ihrer göttlich-geistigen Quelle. Sie bedeutet Begegnung mit Gott, Verweilen bei Gott. Und das ist der Sinn und Zweck einer jeglichen Religion.

Begegnung mit Gott

Äußerlich kann keiner uns ansehen, was während der Meditation in uns vorgeht. Wir setzen uns still hin, lösen unsere Aufmerksamkeit von allen Dingen und Gedanken, erheben unser Bewusstsein über das Körperliche und werden empfänglich für Gott, der sich uns dann auf viele verschiedene Arten und Weisen zu erkennen gibt – sich manifestiert. Nach außen hat es den Anschein, als würden wir nichtsnutzig und müßig herumsitzen, während im Verborgenen, in der Seele, Großes geschieht.

Manch einer denkt sich, es würde viel größeren Nutzen bringen, wenn man, statt zu meditieren, sich dem karitativen Dienst am Mitmenschen widmen würde. Ohne Zweifel gehört auch das uneigennützige Engagement für Hilfsbedürftige und Notleidende zum spirituellen Leben, aber die regelmäßige Rückbindung an Gott in der Meditation ist die eigentliche Voraussetzung für die spirituelle Entwicklung.

Andere unterschätzen die Bedeutung der Meditation, weil sie die Bedeutung und den Wert von Gottes Botschaften bzw. Offenbarungen an die Seele nicht begreifen. Dabei erfüllt jede göttliche Offenbarung, die wir im Innern empfangen, eine spezifische Funktion für unser Fortkommen auf dem spirituellen Pfad.

Der feurige Engel

Nehmen wir zum Beispiel die Gottesmanifestation in Form von feurigflammendem Licht. Die heiligen Schriften der Welt erwähnen diese machtvolle Manifestation des Göttlichen immer wieder. Die Veden beschreiben vielfach die Wirkung von „agni“, dem feurigen Licht, auf das Bewusstsein der Seele: Es beseitigt allerlei schlechte Gedanken und Neigungen in uns, es löst unsere Bindungen an die Dinge dieser Welt, es vereint uns mit Gott, es erfüllt uns mit Glück, es überwacht unseren spirituellen Fortschritt u.v.m. In der Bibel lesen wir z.B. von Engeln, die mit dem Flammenschwert den Zugang zum Baum des Lebens im Garten Eden bewachen (Genesis 3,24).

Auch Christen haben vom feurigen Licht Gottes gehört, auch wenn sie es heute vielfach ins Reich des Fabelhaften verweisen. Nehmen wir zum Beispiel das Pfingst-Ereignis: Die Jünger Jesu hörten „vom Himmel her“ ein gewaltiges Windrauschen und dann „erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und es ließ sich auf jeden von ihnen nieder. Und alle wurden mit Heiligem Geist erfüllt“. (Apg. 2,1-4).

In Matthäus 3,11 sagt Johannes der Täufer: „Ich taufe euch mit Wasser, der aber nach mir kommt, wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ Diese Aussage ist nun leicht zu verstehen: Es bedeutet, dass der eine spirituelle Meister zu seiner Zeit seine Schüler mit „Wasser“, d.h. mit dem Heiligen Geist in Form vom Klang des Wasserrauschens, taufte und der Nachfolger (d.i. Jesus) seine Schüler mit dem göttlichen Licht feuriger Flammen taufen würde. Diese göttlichen Formen haben wie gesagt eine jeweils spezifische Funktion: Das feurige Licht kappt (wie ein Schwert) unsere Bindungen an die Dinge in der materiellen Welt, worauf die Gottesmanifestation des Wasserrauschens die Seele in die geistigen Bereiche emporzieht. Dies sind die ersten Schritte hin zum Verweilen bei Gott.

Der helle Stern

Eine weitere wichtige Art von Gottesmanifestation ist jene des funkelnden Sterns, ähnlich dem Morgenstern. Wenn die Menschen nicht wissen, was sie tun oder lassen sollen, kann sich Gott ihnen in Form des Morgensterns manifestieren, um ihnen klare Führung angedeihen zu lassen.

Aus der Bibel kennen wir den Bericht von den drei „Weisen“ aus dem Morgenland, die im Osten den Stern Jesu sahen und sich auf den Weg machten, um das Jesuskind zu finden. Sie werden wohl einige Wochen oder gar Monate unterwegs gewesen sein, um Bethlehem zu erreichen. Wir lesen: „Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Orte stillstand, wo das Kind war.“ (Matth. 2,9). Sie hatten also täglich die Vision des Sterns und eines bestimmten Hauses, und als sie Bethlehem erreichten, erkannten sie, dass sie den richtigen Ort gefunden hatten. Der helle Stern ist eine sehr wichtige Führung für spirituelle Schüler im Alltag.

Visione eines Heiligen

Sodann kann es geschehen, dass wir im Innern die Vision eines Menschen sehen. Man fragt sich vielleicht: Wenn ich meine Augen schließe und mir ein bestimmter Mensch in der Vision erscheint – wie soll das wichtig sein? Aber eine solche Vision entspringt nicht unseren eigenen Gedanken, sondern ist eine Offenbarung, eine Botschaft von Gott. Die Vision eines Heiligen oder Gottmenschen dient ebenfalls der spirituellen Führung. In manchen Fällen erteilt der Heilige in der Vision eine Anweisung an den Betreffenden.

Diese Offenbarungen finden nicht zu unserer Unterhaltung statt, sondern haben immer eine wichtige Funktion, z.B. bei Entscheidungen oder zu unserem Schutz. Im Neuen Testament spricht der „Bote Gottes“, der Engel, zu Josef: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten…“ (Matth. 2,13). Das war für Jesu Überleben eine sehr wichtige Botschaft.

Rauschendes Wasser

Weiter oben wurde erwähnt, dass die Gottesmanifestation, die sich wie rauschendes Wasser anhört, unsere Seele über das Körperbewusstsein in die geistige Welt emporzieht. Das ist eine unermessliche Hilfe sowohl für die Meditation als auch beim Handeln im Alltag.

In der Bibel lesen wir über die Taufe Jesu: „Als Jesus getauft worden war, stieg er alsbald aus dem Wasser.“ (Matth. 3,16). Die meisten Leute verstehen dies so, dass Jesus aus dem Fluss auftauchte und ans Ufer ging. Aber tatsächlich wird hier beschrieben, wie seine Seele bei der Taufe aus dem physischen Bereich ins rein Geistige hinaufstieg; sein Bewusstsein wurde durch den göttlichen Klang des Wasserrauschens über das Körperbewusstsein emporgezogen.

Stellt sich der göttliche Klang des Wasserrauschens spontan im Alltag ein, zieht er die Aufmerksamkeit in dem Grad von den Sinnen ab, wie es notwendig ist, um in dieser Welt noch sprechen und handeln zu können, aber unser Sprechen und Handeln hinterlassen keine bindenden Spuren in unserem Bewusstsein. So bewahrt er uns vor dem Ansammeln neuer karmischer Eindrücke.

Nahrung für die Seele

Darüber hinaus nähren die verschiedenen Gottesmanifestationen unsere Seele. Denn in der Meditation, in der Verbindung mit Gott, fließt Er in die Seele ein. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht“, erklärte Jesus (Matth. 4,4). Welches ist nun dieses Wort, das aus Gottes Mund kommt? Die Selbstmitteilungen Gottes sind die „Worte“, die Gott zu uns spricht, und sie sind die Nahrung für unsere Seele. Gespeist mit dieser göttlichen Nahrung wird unsere Seele glücklich, zufrieden und satt und jagt daher nicht mehr dem Konsum und der Befriedigung weltlicher Wünsche hinterher.

Bedarfsgerechte Führung

Haben wir uns die Meditationspraxis angeeignet, so dass wir leicht und zügig in den Meditationszustand gelangen, werden wir immer empfänglicher für die Mitteilungen Gottes. Sie geben uns die rechte Führung zum richtigen Zeitpunkt, wenn wir sie brauchen, und ohne dass wir darum bitten. So erklärte Jesus seinen Jüngern: „Wenn sie euch vor Gericht bringen, sorgt euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. … der Geist eures Vaters ist’s, der in euch redet.“ (Matth. 10,19). Das ist der große Vorteil, wenn man die Begegnung mit Gott zu einem festen Bestandteil seines Lebens macht: Man muss nicht erst um Hilfe bitten, sondern die Hilfe ist bereits da, wenn man sie braucht.

Anhaftung beenden

Bestimmte Offenbarungsformen Gottes, die wir in der Meditation erfahren können, befreien die Seele von Anhaftung an die Menschen und Dinge, die uns lieb und teuer sind und deshalb unser Denken, Fühlen und Handeln weitreichend bestimmen. Zu den befreienden Gottesmanifestationen zählt u.a. das oben erwähnte feurig-flammende Licht Gottes.

Über seine Aufgabe als befreiender „Schwertträger“ sagte Jesus: „Meinet nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“ (Matth. 10, 34-35). Da fragen wir uns doch manchmal, warum Jesus nicht gekommen ist, um auf Erden Frieden zu schaffen, und warum er die Menschen, ja die nächsten Angehörigen auseinanderbringen will. Er tut dies, weil er unsere Bindungen kappen will, unsere Verbundenheit mit Menschen, so dass wir ungehindert zu Gott zurückkehren können.

Wir ziehen also auf Schritt und Tritt vollen Nutzen aus diesen Mitteilungen und Manifestationen Gottes, die auf solch vielfältige Weise wirken. Sie beseitigen das Verdorbene in uns, sie geben uns Führung zu rechten Zeit, vermitteln uns Gottes Botschaft, ziehen die Seele über das Körperbewusstsein empor, sie offenbaren sich selbst, sie sind Nahrung für die Seele und – das Wichtigste – sie vereinigen uns mit Gott.

Soami Divyanand

FOTO: Thinkstock

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