Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

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innerer Frieden

Wenn die Lebensfreude aus dem Gleichgewicht kommt, ist sie nicht für immer verloren. Im Mangel müssen andere Gefühle zwangsläufig das Steuer des Lebens übernehmen. Das ist für Betroffene nicht immer angenehm.

Der gute Gedanke - VISIONEN-Essay von Katja Niedermeier

Mein Mann und ich wollten mit unserer Tochter an einem regnerischen Tag ins Kino gehen. Wir hatten beide große Lust auf den animierten Film „Alles steht Kopf “, der auf smarte Weise die Gefühlswelten Wut, Ekel, Angst aber auch Freude beleuchtet und dessen Trailer uns sehr angesprochen hatte. Unsere Tochter fand die Idee kindisch und doof und plädierte für „Fack ju Göhte 2“. Große Diskussion vorm Kino. Zähneknirschend ließ sie sich auf das Experiment ein. Der Film lief noch keine 10 Minuten, da flüsterte sie mir zu: „Mami… der Film ist ja über mich! Hast du das etwa gewußt?!“

Der Film erzählt die Geschichte von uns allen: Wir öffnen als Neugeborene an irgendeinem Tag die Augen und sofort wird der Samen der Freude in uns gesät.  Dieses Fräulein Freude ist sehr fürsorglich und besteht darauf, die Kontrolle über den kindlichen Alltag zu haben. Gefühlskollegen wie Kummer, Zorn, Angst und Anti-Haltung (Ekel) empfindet sie als höchst schädlich und möchte diese so selten wie möglich ins Cockpit lassen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, so viele freudige Erinnerungen wie möglich zu sammeln und behütet diese wie einen kostbaren Schatz.

Die kleine pummelige Madame Kummer ist derweil ein wenig verpeilt und verträumt und würde auch gerne mal die eine oder andere Erinnerung anfassen oder ein paar Knöpfe drücken. Doch Freude weiss dies geschickt zu verhindern, damit es gar nicht erst zu unschönen Erlebnissen kommt. Perfekt könnte man meinen. Im Laufe des Films wird allerdings deutlich, dass diese ominpräsente Freude so ganz langsam ein kleines bißchen anfängt zu nerven. Immerhin muss sie sich auch sehr anstrengen,allzeit am Start zu sein und alle anderen Gefühle in Schach zu halten. Sie wirkt – zumindest auf Erwachsenene – fast schon  hysterisch.

Also passiert etwas in der Geschichte, bei dem sowohl Fräulein Freude als auch Madame Kummer aus der Kommandozentrale des Bewusstseins  herauskatapultiert werden, so dass nur noch Angst, Zorn und Anti-Haltung zurückbleiben. Dadurch gerät einiges aus dem Gleichgewicht und es gelangen jede Menge Erlebniserinnerungen voller Mißstimmung ins System. Alle Werte, die das Gehirn des Mädchens, um das es hier geht, bisher hat aufbauen können („Familie“, „Freundschaft“, „Hobby“ und „Spaß-Haben“) bekommen nun aufgrund von Streitereien, Mißverständnissen, Trotz und mieser Laune bedrohliche
Risse, geraten ins Wanken und fangen an zu Bröckeln. Ein richtig großes Drama bricht los.

Während dessen sitzen Freude und Kummer in den Untiefen des Unterbewusstseins fest. Von hier versuchen sie verzweifelt, ihren Weg zurück ins Bewusstsein zu finden, was sich höchst abenteuerlich gestaltet. Ein längst in Vergessenheit geratenes Kindheitsphänomen (der für andere Leute unsichtbare, imaginäre Freund) kreuzt dabei ihren Weg und bietet seine Hilfe an. Missliche Umstände betrüben nach einer Weile diesen alten Freund und Freude versucht ihr Bestes, den ollen Kameraden von früher aus seinem Stimmungstief wieder heraus zu holen – vergeblich. Da setzt sich Madame Kummer zu ihm, was Fräulein Freude panisch werden läßt. Doch Kummer lässt sich diesmal nicht beirren und leistet still Beistand, hört zu, erklärt Verständnis und siehe da – für den in  Vergessenheit geratenen imaginären Freund ist auf einmal alles nur noch halb so wild. Freude ist etwas irritiert, aber auch verblüfft. Muss sie etwa doch nicht alles alleine schaffen?

Während sie und Kummer nun so durch das Labyrinth der Erinnerungen irren, um ins Bewusstsein zurück zu gelangen, fasst Letztere verbotenerweise eine  ganze Reihe freudiger Erinnerungen an, wodurch diese einen Hauch Wehmut bekommen, offenbar die notwendige, unausweichliche 2. Seite jeder Medaille.
Der Film endet damit, dass für einen kurzen Moment Kollege Angst ans Steuer darf und das Ruder im Gehirn des Mädchens herum reißt, welches zuvor von Wut und Abneigung gelenkt wurde. Durch diese abrupte Bewegung (intuitive Eingabe) öffnet sich eine zuvor nicht sichtbar gewesene Möglichkeit für Freude und Kummer, in die Schaltzentrale zurück zu kehren.

Mit vereinter Kraft und gegenseitigem Vertrauen gelingt es den unterschiedlichen Gefühlen, sämtliche zerstörte Werte des Mädchens wieder aufzubauen und diese sogar noch strahlender und mannigfaltiger zu gestalten als sie es vorher waren. Neue Werte kommen außerdem hinzu: u. a. Erfolgserlebnisse und…  Jungs.

Die Film-Protagonistin ist inzwischen in der Pubertät, und ihr Cockpit bekommt ein zusätzliches, vorübergehendesSchalterpult, welches ausschließlich von der schnippischen Frau Anti-Haltung bedient werden darf. Ich kann gut verstehen, warum unsere 12jährige Tochter zunächst gegen diesen Film war und warum  gerade viele Dinge erst einmal lang und breit diskutiert werden müssen: es liegt einfach in der Natur der Dinge!

Wenn wir sämtliche unserer Gefühle liebevoll ernst nehmen, sie aufmerksam beobachten und ihnen gestatten, ihre jeweilige Aufgabe wahrzunehmen ohne sie dafür zu verurteilen oder gleich wieder in die hinterste Ecke zu schieben, dann bleiben wir in der Balance und die Freude wird immer einen Weg zurück in die Kommandozentrale finden, um uns von dort aus inneren Frieden zu schenken.

Über unsere Essayistin

essay Katja niedermeierKatja Niedermeier ist gebürtige Sauerländerin und arbeitete im In- und Ausland beim TV und in der Musikindustrie. Seit 2001 unterstützt sie Menschen im Rampenlicht sowie Unternehmer/innen intuitiv, energetisch und strategisch. Sie entwickelte das Workshop- und Fern-Mentoring-Programm „Karma Business“ basierend auf buddhis-tisch inspirierten Erfolgsstrategien und ist die Autorin der beiden Ratgeber „Gelassenheit im Job“ und „Gut gelaunt erfolgreich“ (Beck-Verlag). www.k-acht.com

Katja Niedermeier

 

FOTO: Thinkstock

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