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Yogananda

Paramahansa Yogananda über die Gottesliebe

Die Self-Realization Fellowship (SRF) ist eine gemeinnützige Organisation, die von Paramahansa Yogananda gegründet wurde. Paramahansa Yogananda, am besten bekannt durch seine „Autobiographie eines Yogi“ (weiterhin ein Bestseller seit der Erstveröffentlichung im Jahre 1946), hat Millionen von Menschen an die indische Spiritualität und die Yoga-Meditation herangeführt.

Die SRF hat unlängst den zweiten Band der dreibändigen deutschen Ausgabe von Sri Yoganandas Auslegung der vier Evangelien veröentlicht: „Die Wiederkunft Christi: Die Auferstehung des Christus im eigenen Inneren“, Band II (Self-Realizati- on Fellowship, 2017). Dieses Werk wurde
erstmals 2004 in englischer Sprache veröffentlicht.

In den 75 Diskursen des dreibändigen Werkes erlebt der Leser eine beeindruckende Reise durch die vier Evangelien, die ihn mit der tieferen Bedeutung der Lehren Christi vertraut macht. Diese Bände sind das Ergebnis von mehr als 30 Jahren Lehrtätigkeit Yoganandas im Westen und zusammen mit seiner Auslegung der Bhagavad-Gita,„Gott spricht mit Arjuna“ – Meilensteine seiner Mission, die grundlegende Übereinstimmung zwischen allen wahren Religionen darzulegen. Nachfolgend ein Auszug aus Diskurs 53.

Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, wollte Jesus auf die Probe stellen und sprach:
Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? Er aber sprach zu ihm: Wie steht es im Gesetz geschrieben? Was liest du dort? Er antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzer Kraft und mit all deinen Gedanken, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Und er sprach zu ihm: Du hast richtig geantwortet; tu das, und du wirst leben. (Lukas 10, 25–28)

In den beiden höchsten Geboten, die Jesus in diesen Versen zitiert, wird der ganze Zweck der Religion und letztendlich des Lebens selbst zusammengefasst.Sie bergen die Essenz der ewigen Wahrheit, die alle echten geistigen Wege auszeichnet: das unerlässliche Gebot, das der Mensch erfüllen muss, wenn er sich – als individualisierte, von Gott getrennte Seele – auf die Erkenntnis zurückbesinnen will, dass er eins ist mit seinem Schöpfer...

Dass Gott den Menschen gebietet, Ihn mehr als alles andere zu lieben, mag uns unpassend für ein allmächtiges Wesen erscheinen. Alle Avatare und Heiligen haben jedoch tief innerlich gewusst, dass dieses Gebot keine überspannte Laune Gottes befriedigen soll, sondern dass es vielmehr eine Notwendigkeit ist, die es der individualisierten Seele ermöglicht, sich bewusst mit ihrem göttlichen Ursprung zu verbinden. Gott kann ohne die Liebe des Menschen leben. Aber wie die Welle nicht ohne den Ozean existieren kann, so vermag auch der Menschnicht,ohne die Liebe zu Gott zuleben. Weil der Mensch als Ebenbild göttlicher Liebe erschaen worden ist, dürstet jedes menschliche Herz nach Liebe. Deshalb legen Avatare und Heilige der Menschheit nahe,Gott zu lieben nicht aus Zwang oder aufgrund eines Gebotes, sondern weil in jedem Herzen unmittelbar hinter der kleinen Welle menschlicher Liebe der Ozean Seiner Liebe wogt...

Die systematische spirituelle Schulung, die den Menschen lehrt, „Gott von ganzem Herzen zu lieben“, wird in Indien Bhakti Yogagenannt–Vereinigung mit Gott durch bedingungslose Liebe und Hingabe. Der Bhakta hat erkannt, dass die Aufmerksamkeit eines Menschen immer auf jene Personen und Dinge gerichtet ist, die er liebt und an denen sein Herz hängt...

Gott „mit all deinen Gedanken“ zu lieben, bedeutet, dass man sich ausschließlich auf Ihn konzentriert. Indien hat eine spezielle Wissenschaft entwickelt, mit deren Hilfe sich der Geist durch bestimmte Techniken auf eine einzige Sache konzentrieren lässt, sodass es dem Gottsucher während seiner Andacht gelingt, die Aufmerksamkeit ganz auf Gott zu richten. Wer sich bemüht, hingebungsvoll zu beten, dabei jedoch seine Gedanken abschweifen lässtzur Arbeit, zum Essen, zu körperlichen Empfndungen oder zu anderen Ablenkungen –, kann Gott nicht mit all seinen Gedanken lieben... Indiens Wissenschaft des Yoga hat genaue Methoden entwickelt, wie man mit voll konzentriertem Geist zu Gott beten kann.

Gott„von ganzer Seele“zulieben,bedeutet,den Zustand der überbewussten Ekstase zu erreichen – die Seele und ihre Einheit mit Gott direkt wahrzunehmen... Gott „von ganzer Seele“ zu lieben,erfordert die völlige Ruhe transzendenter Verinnerlichung. Diesen Zustand kann man nicht erreichen, wenn man laut betet, gestikuliert, singt oder irgendetwas tut, was die sensomotorischen Funktionen des Körpers anregt. So wie der Körper und die Sinne im tiefen Schlaf inaktiv werden, ist dieser Rückzug ins Innere auch ein Kennzeichen für die überbewusste Ekstase – nur ist diese viel tiefer als der Schlaf... Es ist der Zustand, in dem der Mensch die Seele erkennt und in welchem er mit diesem wahren Selbst Gott innig lieben kann Ihn, der die Liebe selbst ist.

Die Herrschaft über die Lebensenergie, die es einem ermöglicht, Gott mit ganzer Kraft zu lieben, beginnt mit der richtigen Körperhaltung – d. h. mit Asana, der Schulung des Körpers, damit eine bequeme, ruhige Haltung das reglose Verweilen in der Meditation ermöglicht – und mit Atem- übungen zur Kontrolle der Lebensenergie, d.h.mit Pranayama, einer Reihe von Techniken, durch die man Atem und Herz beruhigen kann. Das Üben von Asana und Pranayama beruhigt das Herz, indem es die Lebensenergie wirkungsvoll von den Sinnen abzieht und den rastlosen Atem ruhig stellt, der das Bewusstsein des Menschen an den Körper bindet. Somit vermag sich der Yogi auf Gott zu konzentrieren, ohne vom Körper störend beeinusst werden zu können.

Der Geist – wenn er getrennt ist von den Empfindungen versenkt sich in einen Zustand transzendenter Verinnerlichung (Pratyahara). Der Gottsucher kann nun diesen befreiten Geist dazu nutzen, sich liebevoll mit Gott zu verbinden. Wenn es ihm gelingt,Gott mit konzentriertem, verinnerlichtem Bewusstsein zu lieben, spürt er allmählich diese Liebe zu Gott in seinem Herzen – wie sie auch die feinsten Regungen seiner Gefühle mit der Gegenwart Gottes durchdringt. Das von Gott erfüllte Herz fühlt dann den Geliebten Herrn im tiefsten Innern der Seele, wo die kleine Liebe der Großen Liebe begegnet und von ihr umfangen wird. Gott in der Seele zu empfinden, erweitert sich dann zum Erkennen Gottes in Seiner Allgegenwart (zum Samyama des Yoga:Dharana,Dhyana,Samadhi).

Mit freundlicher Genehmigung aus: Paramahansa Yogananda
Die Wiederkunft Christi, Band II. Self-Realization Fellowship, Los Angeles, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weitere Informationen über Paramahansa Yogananda und die Lehren der Self-Realization Fellowship finden Sie unter: www.yogananda-srf.org

FOTO: THINKSTOCK

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