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Visionen

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Potential richtig leben

Von allen Lebensformen hat der Mensch als vernunftbegabtes Wesen das größte Potenzial. In ihm liegen ungeahnte Möglichkeiten und Fähigkeiten verborgen.

In jedem Menschen schlummert ein gewaltiges Potenzial vor allem geistiger Natur. Dazu gehören Fähigkeiten wie die Wahrnehmung, die Verarbeitung des Wahrgenommenen durch die Intelligenz und die Reflexion darüber durch den Verstand, die Merkfähigkeit bzw. das Gedächtnis, Konzentration, Intuition, Wille u.v.a. Unser Verstand ist dabei im Wesentlichen von unserer Intelligenz abhängig, und die Intelligenz hängt wiederum von den Sinnen ab: Was auch immer an Information durch die Augen, die Ohren und die anderen Sinne aufgenommen und deutend verarbeitet wird, vermehrt unsere Intelligenz und erweitert unser Wissen über die Welt. Doch dabei nutzen wir, wie Psychologen und Hirnforscher festgestellt haben, lediglich 11 Prozent unseres Potenzials. Das bedeutet, 89 Prozent unserer Anlagen bleiben ungenutzt, unsere Fähigkeiten liegen zum größten Teil brach, und wir bleiben weit unter unseren Möglichkeiten. Angesichts dieser Erkenntnis ist die Frage naheliegend: Wie kann ich meine geistigen Fähigkeiten ausbauen und den besten Gebrauch von meinem Potenzial machen?

Als Antwort auf diese Frage wird rasch auf die vielen Techniken, Übungsprogramme und Mittelchen zur Steigerung der Intelligenz verwiesen: Gedächtnistraining, Speed-Reading, Schnellrechnen, Logik übungen, Brain Food, Nahrungsergänzungsmittel usw. Aber was ist der Sinn und Zweck dieser Optimierungsmaßnahmen? Hinter der anfänglichen Frage, wie man sein menschliches Potenzial am besten nutzt, liegt nämlich eine weitere Frage: Warum und wozu sollten wir unsere Fähigkeiten entwickeln und ausbauen?

Ein langes Leben

Wir wollen unsere menschlichen Fähigkeiten ausbauen, um lang und glücklich leben zu können. Alle Menschen wollen leben. Der Überlebensinstinkt ist uns allen gemein, Menschen wie Tieren. Niemand hat wirklich den Wunsch zu sterben. Zwar geben manche vor, sich nicht vor dem Tod zu fürchten und nicht lange in dieser Welt leben zu wollen; aber im Grunde haben wir ein sehr tiefes instinktives Verlangen danach, so lang wie möglich in dieser Welt zu leben. Dieser Instinkt lässt einen in Notsituationen sogar alle Prinzipien und Ideale vergessen und stellt das eigene Überleben vor das der anderen. Das wird durch folgende Geschichte illustriert:

Eine Frau mittleren Alters hatte ein Kind, das eines Tages sehr krank wurde. Über den Zustand ihres Kindes war sie tief besorgt, die Krankheit hatte sich zusehends verschlimmert und sie wusste nicht mehr ein noch aus. Eines Nachts hielt sie ihr Kind in den Armen und nahm Zuflucht zum Gebet: „Gott, wenn hier irgendjemand sterben muss, dann lass es mich sein und verschone mein Kind!“ Dann löschte sie das Licht und schlief ein. Unbemerkt im Dunkeln schlich sich eine Wildkatze auf der Suche nach Essbarem in ihre Wohnung. Sie fand ein Gefäß mit einem Rest Eintopf und steckte ihren Kopf hinein, um an das Essen heranzukommen. Die Öffnung des Gefäßes war jedoch so eng, dass die Katze ihren Kopf nicht mehr herausziehen konnte. Das Tier geriet in Panik und flitzte jaulend in der Wohnung umher und versuchte ihren Kopf aus dem Topf zu befreien. Wegen des schrecklichen Lärms wachte die Frau auf und sah ein seltsames Tier vor sich.

„Das muss der Todesengel sein“, vermutete sie. „Gott wird mein Gebet gehört haben und hat den Todesengel geschickt, um mich jetzt abzuholen.“ Da nahm sie ihr Kind und warf es vor den vermeintlichen Todesengel mit den Worten: „Bitte, nimm doch das Kind und lass mich hier. Ich will nicht mit dir gehen, ich bin nicht bereit zu sterben.“

Positive kreative Energie

Zum einen also wollen wir nicht sterben, sondern am Leben bleiben – und zwar möglichst lange. Aber unter der Bedingung, dass wir dabei nicht unglücklich sind. Wir wollen ein glückliches langes Leben. Um nicht nur lange, sondern glücklich lange leben zu können, dafür brauchen wir all unsere menschlichen Fähigkeiten. Das ist der eigentliche Sinn und Zweck der Entfaltung unseres menschlichen Potenzials. Wir wollen und brauchen also zweierlei: zum einen ein langes Leben und zum anderen die kreative Energie, um unser Leben glücklich zu gestalten.

Glücklichsein ist vor allem das Ergebnis von gutem, angemessenem Handeln (wozu auch unser Denken und Sprechen gehören). Tun wir etwas Verkehrtes, Unrechtes, können wir nicht dauerhaft glücklich sein. Denn unrechte Handlungen ziehen immer schmerzhafte Konsequenzen nach sich. Um in jeder Situation gut und angemessen handeln zu können (auch gegen widrige Umstände und gegen den negativen Druck des Umfelds), brauchen wir entsprechend positive, kreative Energie.

Auch wenn wir unsere menschlichen Fähigkeiten und Ressourcen optimieren, sie aber nicht klug einsetzen und nicht angemessen handeln, werden wir kein glückliches Leben führen. Es wird uns nicht dauerhaft glücklich machen, wenn wir unsere Intelligenz, Willenskraft und den Verstand entwickeln und trotzdem das Falsche tun.

Lückenhaftes Wissen

Der Mensch lässt sich in seinem Handeln zumeist von seinem Wissen leiten, von seiner Kenntnis einer Sache. Gutes und angemessenes Handeln ist immer die Frucht eines entsprechenden, umfassenden Wissens. Tagtäglich stellen wir jedoch fest, dass unser menschliches Wissen äußerst begrenzt ist. Zeit und Raum setzen unserer Wahrnehmung engste Grenzen, und deshalb können wir eine Situation nicht vollständig erfassen und korrekt einschätzen. Wir können nicht durch die Wände sehen und können nicht wirklich wissen, was auf der anderen Seite liegt, sondern können es nur vermuten oder annehmen. Auch hinsichtlich der Zeit sind wir blind: Wir können nicht in die Zukunft schauen, ebenso wenig können wir die Ereignisse der Vergangenheit sehen. Unsere Kenntnisse von vergangenen und zukünftigen Entwicklungen sind nicht vollständig. Da wir Menschen nur über sehr beschränktes, bruchstückhaftes Wissen verfügen, sind wir generell nicht in der Lage, wirklich angemessen und recht zu handeln. Selbst der Klügste unter uns kann sich aufgrund unvollständigen Wissens irren und Fehler machen.

Wirklich vollkommenes Wissen gibt es nur bei Gott. Allbewusstheit, Allwissenheit ist eine Eigenschaft Gottes. Gott ist die Quelle aller Weisheit. Damit wir Menschen wirklich angemessen handeln und glücklich leben können, brauchen wir zweifellos Zugang zu dieser göttlichen Quelle der Weisheit, statt uns allein auf den eigenen Verstand zu verlassen.

Quelle allen Wissens Der Zugang zu Gott und seiner Weisheit liegt in der Meditation. Wenn wir mit der Unterstützung eines gottverwirklichten spirituellen Lehrers den Kontakt mit Gott in der Meditation erhalten haben, können wir diese Verbindung durch regelmäßige Übung festigen und vertiefen, sodass sie bei Bedarf im Alltag schnell und leicht hergestellt werden und göttliche Inspiration für die jeweilige Situation ermöglichen kann. Hierin liegt der Schlüssel für den besten, sinnvollsten Gebrauch unserer menschlichen Fähigkeiten. Schon Jesus Christus erklärte, wie dies gerade in Notsituationen funktioniert: „Wenn sie euch (den Gerichten) ausliefern, so sorgt euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures himmlischen Vaters, der durch euch redet.“ (Matthäus 10,19–20). Jesus sicherte seinen Jüngern zu, dass sie immer und überall zur rechten Zeit von Gottes Weisheit inspiriert und geleitet würden. Auch wir können uns heute darauf verlassen, dass wir für jede Situation göttliche Weisheit und Führung erhalten werden, sofern wir gelernt haben, innerlich in Verbindung mit Gott zu treten und für seine Mitteilungen empfangsbereit zu sein.

Visionen und Inspiration

An diesem Punkt stellt sich natürlich die Frage, wie eigentlich solche Mitteilungen göttlichen Wissens geschehen. Woran erkennt man sie? Und auf welche Weise „sieht“ man zukünftige Dinge?

Göttliches Wissen wird auf verschiedene Weise mitgeteilt, zum einen in Form einer Vision: Im Zustand der Meditation wird einem im Innern der Seele gezeigt, was geschehen soll oder was man tun soll. Eine Vision kann wie ein Traum aussehen, aber wir sind in einem höheren Be- Weisheit wusstseinszustand und wissen genau, dass wir gerade nicht schlafen und träumen. Visionen haben eine durchschlagendere Wirkung auf uns als bloße Träume. Sie hinterlassen eine 100-prozentige Gewissheit und Klarheit: „Das kam eindeutig aus der göttlichen Quelle und nicht von mir!“ Sie überzeugen uns restlos: „Ja, das ist es!“ Wir akzeptieren sie vorbehaltlos und setzen sie wie selbstverständlich um: „Ja, das muss ich machen!“

Das göttliche Wissen, das wir für eine bestimmte Situation oder Entscheidung brauchen, wird auf eine zweite Art gegeben: Man zieht die Aufmerksamkeit von den Sinnen ab, sammelt sie im Dritten Auge und bringt alles Denken und Spekulieren zum Schweigen, so wie es der spirituelle Lehrer bei der Initiation gezeigt hat – und plötzlich wird einem die Lösung in der Seele eingegeben. Man erkennt sofort, dass diese Lösung nicht das Ergebnis von eigenem Nachdenken ist, sondern von Gott mitgeteilt wurde. Wenn eine Entscheidung oder Lösung auf dem Weg göttlicher Inspiration gegeben wird, ist sie so überzeugend und inspirierend, dass wir nicht anders können, als sie zu akzeptieren und mit all unseren Fähigkeiten und Kräften umzusetzen. Göttliche Inspiration ist nicht bloß Wissen, sondern gleichzeitig ein kraftvoller Handlungsimpuls.

Auf diese Weise wird man jederzeit göttliche Inspiration und die dazugehörige Klarheit, Entschlossenheit und Willensstärke empfangen können. Um also wirklich den besten Gebrauch von seinen menschlichen Fähigkeiten zu machen, ist es ratsam, sich von Gottes Mitteilungen leiten zu lassen. So lebt es sich leichter und glücklicher. Und wir gebrauchen nicht bloß besagte elf Prozent unseres Potenzials, sondern das ganze, und zwar mit absolut richtigem Ergebnis.

Soami Divyanand

FOTO: Thinkstock

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