Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

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Achtsame Gedanken

Jeder von uns trägt eine beobachtende Instanz in sich und kann jederzeit auf sie zugreifen. Dazu braucht man nur „wache Sinne“ und etwas Achtsamkeit.

Der gute Gedanke - VISIONEN-Essay von Stefanie Ochs

Ich sitze draußen. Atme ein und aus. Fühle die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht. Es ist etwas laut, eine Straße führt direkt hier am Grundstück vorbei. Doch das Singen und Zwitschern der Vögel durchdringt mich. Kinder spielen in der Nähe, eine frische Brise lässt die Wärme der Sonne auf meinen Körper für kurze Zeit verblassen. Ein Motorrad dröhnt vorbei. Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Eine kleine Stimme flüstert in mir: ich wäre jetzt lieber auf meinem eigenen Grundstück. Ich sollte nicht hier sein. Dort ist mein Heim. Ich blinzle in die Sonne. Atme ein und aus und schließe meine Augen.

Frieden kehrt zurück. Ich bin jetzt hier – In mir – zu Hause. Ich spüre meinen Körper. Alle meine Sinne sind wach, meine Antennen sind an und stehen auf Empfang. Für die Umwelt und – für mich! Voller Ruhe in mir und Achtsamkeit für all die Gefühle in mir. Ich begegne mir selbst Mit-Gefühl. Achtsam. Innerhalb der letzten Monate drehte sich vieles um das älter werden und Krankheit unserer Eltern. Der Schlaganfall meines Vaters, gefolgt von einer schwerwiegenden Diagnose meiner Schwiegermutter. Viel Unruhe, Chaos und Angst liegen immer wieder wellenartig in der Luft. Die ersten Bienen ernten die Pollen der Krokusse, die ihre Köpfe der Sonne entgegenstrecken.

Die Erde erwacht aus ihrem Wintertraum. Ich sauge die frische Frühlingsluft förmlich auf und stelle mir vor, wie sie jede meiner Zellen erreicht und erneuert. Vergehen und Werden. Sterben und Leben. Alles ist intensiv. Ich lebe. Kraniche fliegen über mir. Der Klang ihrer Rufe löst immer noch ein Gefühl von Sehnen und Aufbruch in mir aus. Sie rufen mich. Einen kurzen Moment fliege ich mit ihnen und kehre mit einen Lächeln zu mir zurück. Ich habe den Ruf in mir schon lange gehört und wahrgenommen. Ich bin bereits aufgebrochen und genieße die Erinnerung daran, auf meinem Weg zu sein und würdige, wo ich heute stehe. All das Vergessen, das Verlassen sein, die Trennung – all die damit verbundenen Emotionen und Ängste werden mehr und mehr zu alten Erinnerungen einesWesens, dass ich einst gewesen war.

Falls du bis hierhin gelesen hast. Wo warst du beim Lesen? Was hast du gespürt, gefühlt, gesehen, gehört? Hast du vielleicht sogar den Frühlingsduft gerochen? Bist du ganz eingetaucht oder hast du meine Zeilen eher überflogen? Was hast du beim Lesen gedacht? Hast du dich selbst dabei betrachtet? – Mal angenommen du bist eingetaucht. Dann warst du ganz im Jetzt, in diesen Moment. Verbunden mit mir. Gleichzeitig bist du jedoch Teil meiner Zukunft, während mein Erleben, wenn du dies liest, schon wieder Vergangenheit ist. Ist das nicht unglaublich und kurios?

Gesellschaftlich glauben wir ja immer noch, dass Zeit etwas Lineares ist, das wir getrennt voneinander existieren und nichts miteinander zu tun haben. In alten und mittlerweile auch immer mehr neuen Weisheitslehren und Wissenschaften steht auf verschiedene Weisen geschrieben: „Es gibt nur das Jetzt“. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren gleichzeitig. Alles ist verbunden miteinander. Aber was bedeutet das? Warum ist es so wichtig für das Leben und überhaupt: welche Rolle spielt Achtsamkeit dabei?

Je mehr wir durchs Leben hetzen, je mehr wir funktionieren und versuchen dem „äußeren“ Leben gerecht zu werden, desto linearer, vorherbestimmter wird unser Leben sein und wir unterliegen „dem Zahn der Zeit“. Komische Redewendung, oder? Wir sind dann wenig achtsam und „bewusst“ für das, was um uns und vor allem IN UNS geschieht und lassen uns unbewusst davon lenken. Wir sind wie ein Boot auf hoher See ohne Steuermann. Doch wer oder was ist dieser Steuermann?

Es gibt eine beobachtende Instanz in jedem Einzelnen von uns. Diese Instanz ist vielleicht der wichtigste Schlüssel und das größte Geschenk für inneres Wachstum und Entwicklung eines Menschen. Jeder von uns trägt diese Instanz und Fähigkeit in sich und kann jederzeit auf sie zugreifen. Indem wir beginnen unsere Gedanken und Gefühle achtsam und liebevoll zu beobachten, erschließen wir uns quasi gleichzeitig einen neuen Raum im Bewusstsein jenseits der Zeit.

In diesem Raum lösen sich Stück für Stück die Schleier der Identifikationen unserer lang antrainierten Bewertungsmuster „wie etwas zu sein hat“ und wir sehen die Dinge, mehr und mehr, so wie sie sind, jenseits von richtig und falsch. Das pure Erleben bleibt übrig, in diesem Augenblick. Und hier sind wir wieder angekommen im Jetzt. Deine Gedanken und Gefühle existieren jenseits der Zeit. Doch wie du mit ihnen umgehst, wie du sie bewertest und was du aus ihnen machst, dass kannst du sehr wohl beeinflussen und verändern. Dazu brauchst du nur „wache Sinne“ und etwas Achtsamkeit.

Über unsere Essayistin

joomla stefanie ochsStefanie Ochs leitet Frauen seit vielen Jahren in eigener Heilpraxis an, ihre Ängste zu transformieren, ihre weibliche Weisheit zu entdecken und ureigene Kraft zu aktivieren, sodass sie ein neues Lebensgefühl und Wohlbefinden etablieren. Durch ihre feinfühlige, energetische und wertschätzende Arbeit gelingt ihr das Auflösen hindernder Blockaden für volle  Klarheit und Zuversicht für den zukünftigen Weg. www.zarameh.de

Stefanie Ochs

FOTO: THINKSTOCK

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