Editorial Ausgabe Juni 2010

Liebe Leserinnen und Leser,
kaum neigt sich ein Schuljahr dem Ende entgegen, so werden wieder viele junge Menschen vor die Frage gestellt, in welche berufliche Richtung sie ihre Schritte lenken wollen. Viele streben eine Ausbildung an, in der sie nach zwei oder drei Jahren eine Prüfung zum Gesellen ablegen und eventuell anschließend die Meisterschule besuchen können. Dieses Ausbildungssystem hat sich über viele Jahrzehnte in unserem Land bewährt. Für den Auszubildenden ist es jedoch wichtig, die richtige Ausbildungsstelle zu wählen. Begehrt sind solche Betriebe, die über eine gute Ausbildungsabteilung verfügen, damit nach drei Jahren die Prüfung leicht fällt.

Diese Art des Lemens kennen wir nicht nur von der Berufsausbildung. Vom Kindergarten bis zum Universitätsstudium begleitet uns immer das Prinzip des Lehrenden und des Lernenden. In all diesen Bereichen hängt die Qualität der Ausbildung von der Qualität des Lehrenden ab. Und so wie wir dies in den vielen Bereichen des Alltags als Selbstverständlichkeit empfinden, gilt es genauso auch für den Bereich der Religion. Der Lehrende, der Erfahrene, gibt sein Wissen an den Lernenden (Unerfahrenen) weiter. Auch hier gilt: Je mehr Wissen und Erfahrung der Lehrende hat, desto besser für den Lernenden.

Da es im religiösen Bereich un inneres wissen geht, ist es nicht einfach, Kriterien für die Qualität eines Lehrers zu finden. Helfen können hier zum einen die Erfahrungen früherer Sucher, die sie in den heiligen Schriften niedergelegt haben, und zum anderen der Lehrer selbst. Wer Wasser predigt und selbst Wein trinkt, entlarvt sich als unglaubwürdig. Aber selbst mit diesem Filter bleibt noch viel Unsicherheit. Äußere Kriterien, ein liebevoller Blick, weise Worte etc. mögen mein Herz vielleicht erfreuen, sagen aber nichts über das innere Wissen und die Erfahrung eines Lehrers aus. 100 % Sicherheit gibt es nur, wenn ich selbst erlernen kann, was der Lehrer als Ziel vorgibt.

Dieses Ziel darf nicht erst im Paradies des Jenseits sein – wie könnte ich es da überprüfen? –, sondern muss eine eigene innere Erfahrung des vom Lehrer gelehrten Wissens im Diesseits sein. Nur dann kann man von einem authentischen Wissen sprechen und nur dann lohnt es sich, seine Suche, sein Leben und seine Liebe einem Lehrer anzuvertrauen. Wer seine innere Reise allein und ohne einen Lehrer beginnen möchte, dem fehlt das „Navigationssystem“, das ihn sicher um den Stau oder die Baustelle herumleitet. Allein fehlt ihm der Sachverstand von den Dingen, die er nicht kennt.

Mit lieben Grüßen aus dem sonnigen Schwarzwald
Ihre

Gerlinde Glöckner
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