Editorial Ausgabe Mai 2010
Liebe Leserinnen und Leser,
„Mitgefühl auf die Straße bringen“ ist eines der Themen der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift. Mitgefühl zeigen und im praktischen Leben zur Anwendung bringen ist nicht nur im Christentum ein tief verankerter Wert, sondern auch alle anderen Religionen betonen die Notwendigkeit selbstlosen Dienens.
Selbstloser Dienst und Spiritualität sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder, der sich auf die innere Suche begibt, wird an einen Punkt kommen, wo die persönliche Entwicklung einen Stillstand erfährt und erst durch die praktische Umsetzung der Nächstenliebe wieder neuen Aufwind bekommt. In jedem Menschen, in der gesamten Schöpfung Gott zu sehen ist das ABC eines jeden spirituell interessierten Menschen. Franz von Assisi und viel andere Heilige der Vergangenheit haben Zeugnis dafür abgelegt, dass praktizierte Nächstenliebe einen Aspiranten zu den höchsten inneren Stufen führen kann.
„Denn wer da hingibt, der empfängt, wer sich selbst vergisst, der findet, wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.“
So weit, so gut, aber wie sage ich es „meinem Kind"?Da wächst eine „Null-Bock“- Generation heran, die in keiner Weise auch nur das leiseste Interesse am Anderen zeigt. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass die Generationen zuvor nicht allzu viele Vorbilder in dieser Hinsicht hervorgebracht haben. Da wir in einer Zeit leben, in der alles ergebnisorientiert ist und das Ziel die Mittel heiligt, kann man Menschen für selbstloses Dienen nur dann begeistern, wenn sie sehen, dass daraus für sie ein Vorteil erwachsen könnte. Allerdings zeitnah. Damit tun sich aber alle Institutionen oder Projekte schwer, denn von „null Bock“ bis hin zur inneren Zufriedenheit des Gebens liegt ein langer Weg.
Wichtig sind daher Vorbilder, Menschen, die authentisch leben und praktizieren, was sie im Inneren erfahren und spüren. Für sie hat selbstloses Dienen nichts mit Selbstaufgabe oder Unterwürfigkeit zu tun, sondern für sie ist es eine Art Gottesdienst. Das Dienen dient der eigenen Gotteserfahrung im Innern und ruft ungeahnte, tiefe Zufriedenheit, Demut und Glück hervor. So erfährt ein praktizierender „Diener“ selbst so viel eigenes Glück, dass er seinen Dienst noch hingebungsvoller ausführt und bereit ist, jedem Lebewesen Gottes zu dienen. Solche Menschen verändern die Welt, allerdings nur solche!
Ihre

