Serie: Die Weltreligionen Teil 3
Hinduismus
Zum heutigen Hinduismus werden fast eine Milliarde Menschen gerechnet. Sie leben zu 99 Prozent in Indien, einige Enklaven finden sich in Indonesien, in der Karibik – natürlich zählen auch die meisten Inder dazu, die in Nordamerika, Europa und anderswo leben. Wer Indien bereist, bekommt einen unvergesslichen Eindruck von der lebendigen Vielfalt des Hinduismus. An jeder Straßenecke, in jeder Ortschaft, auch in der Natur unter Bäumen, werden an kleinen Altären Gottheiten verehrt; der Duft von Räucherkerzen und geopferten Blumen mischt sich mit Dieselgestank, nahe den ghats (den heiligen Badestellen der Hindus) auch mit dem verbrannter Körper; Menschenmassen drängen sich an gemächlich kauenden Kühen und hupenden Rikshas vorbei. Scheinbar ein totales Chaos, offensichtliche und erschreckende Gegensätze zwischen reich und unvorstellbar arm, und doch kann einen diese unaufhaltsame Sinfonie in einer Weise mitreißen, dass die persönliche Vergangenheit zurückbleibt und nur noch dieser Moment existiert.
Der Hinduismus ist ein derart vielschichtiges Phänomen, das lässt sich kaum auf einen Nenner bringen. Wenn es da etwas halbwegs Greifbares gibt, auf das sich fast alle Hindus berufen, dann sind es die Heiligen Schriften, vor allem die Veden und Upanishaden, auf die ich im Folgenden eingehe. Sie entstammen übrigens einer Zeit, als es den Begriff „Hindu“ oder „Hinduismus“ noch gar nicht gab – der erhielt erst im 19. Jahrhundert im Rahmen der nationalen Unabhängigkeitsbewegung seine Bedeutung. Die erste Phase der spirituellen indischen Tradition wird als „Brahmanismus“ bezeichnet.
WER, RUHIG SELBST, IM SELBST FESTSTEHT, ERLANGT GLÜCK, UNVERGÄNGLICHES (Maitrayana-Upanishad 6, 34)
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