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Leonardo da Vinci achtete auf Perspektive

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Jean Gebser
Jean Gebser Gesamtausgabe: in Kasette 8 Bände und Registerband: 9 Bände.
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Teil 11: Jean Gebser

Teil 11: Jean Gebser

Ursprung und Gegenwart

Entwickelt sich das Bewusstsein immer weiter und höher? VISIONEN stellt in einer dreiteiligen Serie bedeutende Philosophen unserer Zeit vor, die davon überzeugt sind: Nach Sri Aurobindo geht es in dieser Folge um Jean Gebser.

ZEIT

Wer die Entwicklung des Bewusstseins erforschen will, muss sich mit dem Begriff und dem Phänomen der Zeit auseinandersetzen. Schon Kirchenvater Augustinus meinte in seinen „Bekenntnissen“: „Was ist also Zeit? Wenn mich niemand darnach fragt, weiß ich es, wenn ich es aber einem, der mich fragt, erklären sollte, weiß ich es nicht…“ Seitdem gilt sie als eines der ganz großen Rätsel und Herausforderungen für Philosophen und Wissenschaftler. Bis ins 19. Jahrhundert galt die Zeit den Physikern als dem Raum untergeordnet. Was im Raum geschah, wurde mit der Uhr gemessen, der Raum also als unabhängig von der Zeit vorausgesetzt. Und so nehmen wir auch die Dinge und jedes Geschehen wahr. Ich muss um 9 Uhr im Büro sein. Das Büro ist der Fixpunkt, die Zeit läuft. Warum ist es nicht umgekehrt: Die Zeit steht still und die Orte laufen wie auf einem Bildschirm in meiner Vorstellung ab, ich drücke auf Halt, und da ist das Büro?

Es erfordert ein radikales, mutiges Denken, überhaupt in Erwägung zu ziehen, dass die Zeit auch auf den Raum wirken könnte. Für die Physik hat Einstein mit seiner Relativitätstheorie eine untrennbare Wechselbeziehung zwischen Raum und Zeit nachgewiesen, sodass heute wie selbstverständlich vom Raum-Zeit- Kontinuum gesprochen wird. Die Philosophie bezieht meist die menschliche Erfahrung ein, unterscheidet zwischen subjektiver und objektiver Zeit und fragt – wie Immanuel Kant in seiner Kritik der Reinen Vernunft: Wie ist unser Bewusstsein strukturiert, dass es alles in Raum und Zeit wahrnimmt? Ohne Bewusstsein gäbe es keine Erfahrung in Raum und Zeit.

Der Ursprung, der vom Ganzen und vom Geistigen geprägt ist und vor Raum und Zeit „liegt“, wird zeitfreie Gegenwart. Jean Gebser

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