Teil 2: Die anthroposophisch inspirierte Kunst von Jasminka Bogdanovic
Wie sind Sie zur Malerei und dann zur Anthroposophie gekommen?
Jede entscheidende Wendung meines Lebens trägt den Stempel des Rätselhaft- Märchenhaften mit sich. Malerei und Anthroposophie scheinen wie zwei tragende Säulen meiner Biographie. Eines der einprägsamsten Erlebnisse meiner frühesten Kindheit war, als ich den Rest eines Bleistiftes fand und entdeckte, dass er Spuren hinterlässt: Spuren – durch meine eigene Hand gezogen. Ich bin also diejenige, welche diese Bewegungen erzeugt und die Spuren sichtbar macht: Ich entdeckte einen magischen Raum der freien Entfaltung. Diese Faszination des Kindes hat mich nie mehr verlassen. Mit der Zeit steigerte sie sich zum bewussten Bedürfnis nach Gestaltung, entschied mein Leben und meine Berufung. Sie ist meine Art, die Welt zu sehen und zu sein.
Diese Entdeckung kann ich als punktartig bezeichnen, sie fand im stillen Kämmerlein der kindlichen Seele satt. Die Begegnung mit der Anthroposophie hatte eine Umkreisqualität. Zwei religiöse Ausrichtungen färbten das kulturelle Umfeld meiner Kindheit und Jugend: zum Einen die atheistisch-kommunistischen Ansichten, die das öffentliche Leben bestimmten und mit religiöser Inbrunst im ehemaligen Jugoslawien vertreten wurden – zum Anderen die Innigkeit der in aller Stille getragenen Christlichkeit, die in Serbien zu dieser Zeit besonderes stark unterdrückt wurde: also ein spirituelles Leben, das sich nicht nach Außen, aber desto intensiver nach Innen gestaltete.
Ich fühlte mich zum Leben im Geiste immer hingezogen. Mein Bedürfnis, das Christus-Ereignis nicht nur zu glauben und zu fühlen, sondern auch verstehen und denken zu können, fand seine Antwort in der Anthroposophie Rudolf Steiners. Diese Begegnung ermöglichte mir eine orthodoxe Nonne, als ich 21 Jahre alt wurde.
„Der Künstler richtet sein Künstlerbewusstsein auf den darzustellenden Weltinhalt und öffnet sich ihm in wacher Hingabe.“ Jasminka Bogdanovic
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