Was ist Freiheit?
Serie: Werte und Tugenden (Teil 7)
Was würde ich antworten, wenn mich jemand unvermittelt fragte: Bist du frei? Käme ein spontanes „Ja“ oder ein zögerliches „Einerseits – andererseits“ oder eher eine Gegenfrage wie: „Worauf bezogen?“ Jeder wird wohl anders reagieren. Einer mag gerade auf einer Glückswelle von Erfolg und Liebe schwimmen und sich frei fühlen. Zugleich ist sein Land vielleicht aber von feindlichen Truppen besetzt, die den Menschen eine Diktatur aufzwingen. Freiheit im üblichen Verständnis ist ein relativer Begriff. Kann ich mich frei bewegen, oder bin ich eingekerkert? Kann ich frei reden, oder werde ich von einer Geheimpolizei abgehört und für bestimmte Äußerungen bestraft? Kann ich lieben und heiraten, wen ich möchte, oder gibt es da äußere und innere Zwänge, die ein Zusammensein mit dem geliebten Menschen verbieten? Wie frei bin ich in der Gestaltung meines Lebens? Was darf ich, was nicht? Welche Grenzen werden von außen gesetzt, welche durch meine eigenen Vorstellungen bzw. Ängste?
„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen Was keiner sagt, das sagt heraus Was keiner denkt, sollt ihr befragen Was keiner anfängt, das führt aus. Wenn keiner ja sagt, sollt ihr‘s sagen Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben Wenn alle mittun, steht allein! Wo alle loben, habt Bedenken Wo alle spotten, spottet nicht Wo alle geizen, wagt zu schenken Wo alles dunkel ist, macht Licht!“ Walter Flex, deutscher Schriftsteller und Lyriker, 1887-1917
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