DAS GRÖSSTE WUNDER PASSIERT VON SELBST
Daniel Herbst führt aus der Selbstbespiegelung heraus
Wer reflektiert, lebt nicht im Jetzt. Er überblickt seine Handlungen und Taten. Reflektion findet zwar in der Gegenwart statt und doch schließt sie die Gegenwart aus! Was gerade jetzt stattfindet, ist unbekannt. Daher kann es erst reflektiert werden, wenn es sich gezeigt und damit bereits stattgefunden hat. Das ist es, was wir für gewöhnlich Bewusstsein nennen: Eine nacherlebende Instanz. Diese Instanz möchte über alles, was sie nacherlebt, die Kontrolle ergreifen. Nur allzu oft glaubt sie sogar das, was sie nacherlebt, selbst hervorgebracht zu haben: „Das war meine Idee!“ Dem folgt regelmäßig ein: „Darauf kann ich stolz sein!“ oder aber auch „Das ist mir peinlich!“ – Solcher Art sind die Äußerungen, die wir auf der Ebene des Bewusstseins von uns geben, wenn das Bewusstsein selbst unreflektiert bleibt.
Um keine Verwirrung zu stiften: Es gibt kein zweites Bewusstsein, dass das erste kontrolliert. Nein, aber das Bewusstsein kann sich dessen bewusst werden, dass es die Autorschaft völlig unzutreffender Weise für sich in Anspruch nimmt. Wenn sich das Bewusstsein nicht selbst reflektiert, haben wir es mit selbstbewussten Personen zu tun, oder mit Personen, die an sich zweifeln. Das Bewusstsein kann sich selbst gegenüber äußerst unbewusst sein. Das heißt allerdings nicht, dass wir dann selbstständig ablaufende Automaten gleichen, sondern dass uns die sich ständig wiederholenden, automatisch ablaufenden Prozesse so vertraut sind, dass wir uns mit ihnen verwechseln. Darum stellt sich irgendwann die Sehnsucht ein, etwas anderes zu erleben. Etwas weniger Automatisches, weniger Enges – etwas Freieres! Die Sehnsucht die auf den Namen „Freiheit“ hört, sehnt sich tatsächlich nach neuen Erfahrungen.
Vollkommen von etwas absorbiert zu sein ist dasselbe, wie erleuchtet zu sein. Daniel Herbst
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