Der Mensch im Hund

Der Mensch im Hund

Im nächsten Leben will Enzo als Mensch wiedergeboren werden. Deshalb beobachtet der kluge Hund, der davon überzeugt ist, dass seine Seele nur im falschen Körper gelandet ist, seine Umgebung ganz genau. Seine Ein- und Ansichten sind so philosophisch wie einfach. Autor Garth Stein hat sich bewusst für seinen tierischen Protagonisten entschieden, denn nur ein Hund kann Dinge sagen, die ein Mensch nie aussprechen würde.

Was hat Sie auf die Idee gebracht, ein Buch aus Sicht eines Hundes zu schreiben?

Vor ein paar Jahren stieß ich auf eine Dokumentation mit dem Titel State of Dogs, die in der Mongolei aufgenommen worden war. Der Film drehte sich um die Vorstellung der Mongolen, dass ein Hund in seinem nächsten Leben als Mensch wiedergeboren wird. Sie führen bestimmte Rituale durch, wenn ein Vierbeiner stirbt. Beispielsweise schneiden sie ihm den Schwanz ab und legen ihn in sein Maul, weil der Hund in seinem nächsten Leben keinen Schwanz mehr brauchen wird. Wenn er dann nach einem festen Ritus begraben wird, flüstern seine Besitzer ihm ins Ohr, dass es sein größter Wunsch ist, als Mensch wiederzukehren. Es war ein wunderbarer Film und die Vorstellung, ein Hund kehrt auf diese Wiese auf die Erde zurück, blieb mir über viele Jahre im Kopf. Ich dachte, eines Tages werde ich eine Geschichte über den Wunsch einer Wiedergeburt schreiben und ich werde sie aus Sicht eines Hundes erzählen.

Wenn die Mongolen glauben, ihre tierischen Begleiter würden als Menschen wiedergeboren, müssen sie eine ganz besondere Beziehung zu ihnen haben.

Oh ja. Die Mongolen behandeln ihre Hunde so, als seien sie etwas ganz Besonderes. Sie sind Begleiter, Familienmitglied und sie haben eine Aufgabe. Sie sind in der Regel sehr groß. Es heißt, die ersten Entdeckungsreisenden hätten sich gegenseitig geraten, nie vom Pferd abzusteigen, bevor der Jurtenbesitzer seinen Hund heran gerufen hätte, denn wenn man zu schnell absteigt, würden die Hunde einen zerfleischen. Na ja – sicher ist, diese Hunde haben die Aufgabe, auf das Vieh aufzupassen. Sie wandern mit den Nomaden, um den Stamm vor Wölfen und Räubern zu schützen. Die Hunde schlafen auch bei den Babys und sind so ein Mitglied der Familie, das genauso behütet und geschätzt wird wie ein Mensch. Wenn ein Mensch vor seinem Hund stirbt, wird er mit dem Wunsch begraben, dass er im nächsten Leben wieder mit seinem vierbeinigen Freund vereint sein wird.

Es geht allein darum zu erkennen, wo man gerade ist und wie man sein Ziel erreichen kann. Solange man nur damit beschäftigt ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen und ihnen die Schuld zuzuweisen, wird man dieses Ziel nie erreichen können.

Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
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