Die philosophische Praxis Sprechstunde bei Dr. Phil
Spirituelle Suche und Geldverdienen vereinbaren
Herr H. B. aus Köln schreibt:
Mit großem Interesse habe ich die beiden ersten „Sprechstunden von Dr. Phil“ verfolgt und traue mich nun, Ihnen eine Frage zu stellen. Seit ich 18 war, habe ich mich intensiv mit philosophischen Fragen beschäftigt. Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Seit einigen Jahren praktiziere ich auch Zen und meditiere bis zu 4 Stunden täglich, in den Sesshins entsprechend länger. Leider habe ich ein Problem damit, die spirituelle Praxis mit den alltäglichen Anforderungen in dieser Gesellschaft (Job, Geldverdienen) zusammenzubringen. Meine Freundin macht mir Druck. Ich könnte mit meinen 26 Jahren mehr für meine Karriere tun. Sie hat wohl Recht. Ich hangele mich mit Gelegenheitsjobs durch. Aber irgendwie sehe ich keinen Sinn darin, meine Energie für diese weltlichen Dinge einzusetzen, sie erscheinen mir belanglos im Vergleich zur Selbsterforschung? Was raten Sie mir?
Lieber Herr H. B.
Die spirituellen Traditionen scheinen darauf hinzuweisen, dass sich der Mensch entscheiden muss zwischen einem weltlichen und einem geistlichen Leben. Wer den inneren Drang verspürt, sich ganz der Selbsterforschung oder der Liebe zu Gott zu widmen, der wird Mönch oder Nonne. In einem Kloster – sei es buddhistisch oder christlich – findet er bis an sein Lebensende jede spirituelle Unterstützung und meist die gewünschte Abschirmung von der Welt und den üblichen Sorgen. Das ist auch heute noch möglich. Allerdings müssten Sie dann Ihre Partnerin aufgeben und viele äußere Freiheiten, die Ihnen womöglich lieber sind, als Sie wissen. Ein radikaler Schritt. Wollen Sie den wirklich tun? Zudem ist auch ein Kloster oder Ashram nicht wirklich immun gegen all die menschlichen Schwächen, die einem in der Welt begegnen: Gier, Neid, hierarchisches Denken, Intrigen usw.
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