Die vier Charaktertypen
Teil 5: Der cholerische Charakter
„Der ermordete Marat“, Gemälde von Jacques Louis David, 1793
Manche Menschen reagieren zunächst aufgebracht, wenn ich ihnen nach meiner Untersuchung mitteile, dass ich sie für einen cholerischen Charakter halte. „Aber ich bin doch gar nicht cholerisch!“ Wenn ich ihnen erkläre, dass „cholerisch“ vom Wortsinn her überhaupt nichts mit Jähzorn zu tun hat, beruhigt sie das. Ich erkläre ihnen, dass der Begriff für einen aggressionsgehemmten Mensch steht. Solche Menschen können meistens nicht Nein sagen, wenn sie Nein meinen. An diesem Punkt erhalte ich endlich Zustimmung: „Sie haben völlig recht! Um des lieben Friedens willen sage ich viel zu selten meine Meinung, vor allem, wenn ich Angst habe, mir dafür Ärger einzuhandeln.“ Für Choleriker ist so ein Satz typisch (siehe Tabelle).
Choleriker (von griechisch chol, Galle) sind Menschen, die nicht nur Probleme damit haben, ihren Ärger offen auszudrücken. Der Wunsch, von den Mitmenschen gemocht und sogar geliebt zu werden, ist bei ihnen so übermächtig, dass sie lieber persönliche Nachteile in Kauf nehmen, als das Risiko einzugehen, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen oder es sich dauerhaft mit jemandem zu verderben. Der Mitmensch nimmt für den cholerischen Charakter eine so dominante Rolle ein, dass er viel öfter um dessen Wohlergehen bedacht ist und dabei die eigenen Interessen übersieht. Choleriker ziehen viel persönliche Zufriedenheit aus ihrer übergroßen Freundlichkeit und Anpassungsbereitschaft. Es überrascht daher nicht, dass man unter Sozialberufen, Selbsthilfegruppen, Mitgliedern von Wohltätigkeitsorganisationen und dergleichen überdurchschnittlich viele Menschen dieses Typs findet.
Choleriker sind emotionale, idealistische und manchmal geradezu aufopferungsbereite Menschen.
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