Rituale des Abschieds
„Wenn es früher ans Sterben ging, wurde der Priester geholt, um den Sterbenden in eine andere Welt zu geleiten. Wenn es heute ans Sterben geht, wird eine gewaltige Maschinerie in Gang gesetzt, die den Sterbenden partout zwingen will, hier zu bleiben“, kritisiert der Psychologe Heribert Fischedick. Die Apparatemedizin macht es möglich, Patienten am Leben zu erhalten. Die Krankenhausatmosphäre erschwert es jedoch für den Sterbenden und dessen Angehörige, das Unvermeidliche anzunehmen und sich auf den Abschied vorzubereiten. Zwar ermöglichen die Palliativmedizin und die Hospizbewegung immer öfter einen humaneren Umgang mit dem Sterbeprozess, doch die Praxis zeigt, dass diese Möglichkeiten nicht jedem rechtzeitig offen stehen.
Festhalten und loslassen
Heribert Fischedick spricht einen weiteren Aspekt an: Unserer modernen Gesellschaft fehle es „an allgemein geteilten und durch Erfahrungen gefestigten Überzeugungen, die eine gemeinsame Haltung dem Tod und dem Sterben gegenüber ermöglichen würden“. Mit anderen Worten, wer nicht durch einen gelebten und gefestigten Glauben mit christlichen, jüdischen oder muslimischen Ritualen vertraut ist und dadurch in Familie und Gemeinde aufgefangen wird, steht dem Tod eines geliebten Menschen oft hilflos gegenüber. Das Unvermeidliche ist nicht aufzuhalten, aber es anzunehmen und seinen Frieden damit zu schließen, fällt ihnen schwer. Dabei verstreichen kostbare Momente, die es allen Beteiligten leichter machen könnten loszulassen.
Besonders dann, wenn sich der Tod schon lange durch eine schwere Krankheit ankündigt, ist es hilfreich, offen darüber zu sprechen, wie sich der Sterbende seinen Abschied wünscht.
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