SERIE Spiele: Teil 1: Denken und Lernen

SERIE Spiele: Teil 1: Denken und Lernen

Erkenne dich selbst im Spiel

Die hohen Besucherzahlen auf Spielemessen beweisen es: Trotz Hightech und Computer ist das Interesse an Brett- und Kartenspielen ungebrochen. Eine kleine Nische haben sich die Spiele erobert, deren Ziel über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht. Sie haben einen spirituellen Ansatz, vermitteln Philosophie, Mythen und Werte oder führen zur Selbsterkenntnis. VISIONEN-Redakteurin Claudia Hötzendorfer hat einige der Angebote getestet und stellt sie in dieser und der Juni-Ausgabe vor.

Spiele können weit mehr als unterhalten und sinnvoll die Zeit vertreiben. Vor allem kleine Verlage haben sich auf spirituell ausgerichtete Angebote spezialisiert und veröffentlichen Spiele, die wie ein Initiationsweg oder zur Meditation verwendet werden können. Andere sollen die Aufmerksamkeit auf Wesentliches richten, Werte vermitteln oder das Bewusstsein erweitern. Eine dritte Gruppe konzentriert sich auf die Beschäftigung der Spieler mit sich selbst und soll den Weg zu Selbsterkenntnis ebnen. Solche Angebote werden auch gern von Therapeuten genutzt. Große Hersteller – wie beispielsweise der Kosmos-Verlag – greifen die Ideen wegweisender Bücher auf und verwandeln diese Inhalte in aufwändig gestaltete Lernspiele. Zwar ist das heutige Spieleangebot kaum mehr überschaubar, neu sind die Grundideen vieler Spiele jedoch nicht.

Pharaonisches Erbe

Archäologische Funde beweisen, schon die alten Ägypter kannten Brettspiele. Damit vertrieben sie sich nicht nur die Zeit, sondern nutzten sie offenbar auch, um ihre Mythen spielerisch an den Nachwuchs weiterzugeben. Pharao-Brettspiele, ein kleiner Spielehersteller in München, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ägyptische Spiele nach Originalvorlagen in Handarbeit herzustellen.

So wurde das spannende Strategiespiel Isis einer altägyptischen Grabmalerei aus dem Jahr 1250 v. Chr. entnommen, die den Grabherrn Kenro beim Spielen zeigt. Als Grundidee stand der Mythos um die ägyptische Göttin Isis und ihren Geliebten Osiris Pate, der von seinem Bruder Seth in Stücke geschlagen und in alle Himmelsrichtungen verteilt wurde. Isis setzte Osiris Körper mit Zaubersprüchen und der Macht ihrer Liebe wieder zusammen, um ihn erneut zum Leben zu erwecken.

Zwei bis vier Spieler müssen auf dem hölzernen Spielbrett diesen Weg bis zur Auferstehung nachvollziehen, indem sie aus der Unterwelt emporsteigen und die irdische Welt durchqueren, um einen der beiden Isis-Throne in den himmlischen Gefilden zu erreichen. Die Zugmöglichkeiten der ebenfalls aus Holz gefertigten und mit Hieroglyphen verzierten Spielsteine sind einfach und doch so clever, dass die Köpfe der Teilnehmer ganz schön angestrengt werden.

Eine wunderbare Möglichkeit, das Gedächtnis auf Trab zu halten und gleichzeitig Kindern spannende Geschichten zu erzählen, sind Memory-Spiele.

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