Tochter der Traumzeit

Tochter der Traumzeit

Die Ethnologin Verena von Funcke hat Aborigine-Frauen im roten Herzen Australiens besucht und durfte an den geheimen Ritualen der Töchter der Traumzeit teilhaben. Sie wurde als Eule initiiert, als Vermittlerin zwischen den Welten, was nur sehr wenigen Weißen ermöglicht wird. Eindringlich beschreibt sie in einem Buch die tiefe Spiritualität der Ureinwohner Australiens, schildert humorvoll ihre eigenen Erfahrungen und bezieht politisch Stellung zur Lage der Aborigines heute.

In Ihrem Buch erwähnen Sie, dass die Aborigines Sie gewarnt haben, nichts über das so genannte Dreaming zu erzählen. Warum haben Sie sich trotzdem entschieden, etwas über Ihre Erfahrungen mit der spirituellen Welt der Aborigines zu schreiben?

Es hängt damit zusammen, dass ich so lange gewartet habe, überhaupt darüber zu schreiben. Ich hatte schon etwas Angst. Denn die Warnung war sehr klar. Ich hatte meine Erfahrungen gemacht und wusste, dass ist nicht nur Hokuspokus. Diese Menschen haben Zugang zu Kräften, die bei vielen von uns leider verschüttet wurden. Ich habe einen großen Respekt davor. Deshalb habe ich mir die Erlaubnis eingeholt, was ich schreiben darf. Sonst hätte ich nicht damit angefangen. Durch die vielen Gespräche und meine bereits gemachten Erfahrungen bei den Aborigines wusste ich dann auch, wie weit ich gehen darf. Es lag mir nicht daran, so wie Marlo Morgan eine Märchenstunde zu geben. Andererseits lag mir auch nicht daran, wie Bruce Chatwin zu weit zu gehen. Den gesamten Schreibprozess hindurch war es für mich eine Gratwanderung, nicht zu viel, aber das, was wirklich passiert ist, zu erzählen und mich gleichzeitig zurückzuhalten.

Hat es Sie nie gereizt, ganz nach Australien zu gehen oder zumindest länger dort zu leben?

Ja. Insgesamt war ich elfmal dort. Ich wollte eigentlich auswandern. Nur, so einfach wandert man nicht nach Australien aus. Man muss entweder sehr viel Geld im Gepäck haben oder ein Jobangebot. In Deutschland hatte ich einen Neuseeländer kennen gelernt. Ihm bin ich nach Neuseeland gefolgt. Die Beziehung ging zwar schief, aber ich bin statt nach Australien in Neuseeland eingewandert, weil man von dort jederzeit nach Australien kann. Ich hatte auch Kontakt mit den Maori, was sehr spannend war. Ich habe einiges gelernt, auch wenn es nicht so intensiv wie mit den Aborigines war.

Der Walkabout ist für die Aborigines essenziell, um in Verbindung mit ihrer Kultur, der Natur, ihrer Spiritualität und mit ihrem Sein zu bleiben.

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