Von MTV nach Mekka
ein Leben als westliche Muslima
Foto: Horst Friedrichs
Was macht für Sie die Faszination des Islam aus?
Ich fühlte mich auf verschiedenen Ebenen angesprochen. Die Botschaft des Islam ist logisch und klar. Wer den Koran liest, hat das Gefühl, dass Gott direkt zu einem spricht. Meine existenziellen Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist der Sinn des Lebens? habe ich im Islam beantwortet bekommen. Wissen und Glauben sind unzertrennlich im Islam. So etwas wie blinder Glaube gibt es nicht.
Die spirituelle Ebene, die Verbindung zu Gott, zur höheren Kraft, ist durch das fünfmalige Gebet am Tag sehr eng. Im Ramadan fastet man einen Monat lang für Gott. Das baut nicht nur eine enge Verbindung auf, sondern erzieht auch die Seele und den Körper. Das Fasten hat eine unglaubliche Wirkung auf den Menschen; sich einen Monat zurück zu nehmen für Gott stärkt den Willen und hilft einem später, sich von Dingen, die verboten sind, fernzuhalten. So ist der Ramadan durchaus auch eine Charaktererziehung.
Mir gefällt es, dass der Islam eine wirklich ganzheitliche Religion ist, die dynamisch und aktiv gelebt wird. Man betet mit Leib und Seele – verbeugt sich im rituellen Gebet, geht auf die Knie, legt die Stirn auf den Boden. In dieser Position ist man übrigens Gott am nächsten. Wenn Sie mal in der muslimischen Welt reisen, werden Sie sehen, dass die Moscheen voll sind. Alle Altersgruppen können Sie dort antreffen.
Ich könnte mir ein Leben ohne den Weg zu Gott, den ich gewählt habe, überhaupt nicht mehr vorstellen.
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