Von Pilgern und Templern

Von Pilgern und Templern

Ulrike Schweikerts historische Romane überzeugen durch detaillierte Recherche. Ihr neuestes Werk „Das Siegel des Templers“ macht da keine Ausnahme. Im Gespräch verrät die Autorin, was sie auf die Idee für ihre Geschichte brachte.

Stimmt es, dass Sie während einer Reise nach Santiago de Compostela die Idee zu Ihrem neuen Buch hatten?

Ja. Wir haben in den Pyrenäen angefangen. Das erste Kloster, das wir erreichten, war Roncesuailles. Ich habe mich in diese Kirche zurückgezogen. Ich konnte mich in diese Pilger von damals hineinfühlen, wie es für sie war, als sie über die Pyrenäen diesen Ort erreichten. Darüber wollte ich einen historischen Roman schreiben. Im Laufe der Reise begann ich mich mit dem Weg und dem Pilgerleben zu beschäftigen. Im vergangenen Jahr bin ich zwei Wochen mit einem Guide dort unterwegs gewesen. Er hat mich immer irgendwo auf dem Weg ausgesetzt und ich bin strammen Schrittes mehrere Stunden gewandert. In der Zeit war er meist in irgendwelchen Archiven und hat Informationen für mich besorgt. Wir haben die ganzen Gebäude, Kirchen, Stadtmauern und Klöster angeschaut. Er konnte mir sagen, ob es die damals schon gab und wie es zu der Zeit aussah.

Im Herbst bin ich noch einmal alleine runter geflogen. Denn ich wollte natürlich auch das Pilgerleben ausprobieren. Ich möchte möglichst nahe an die Geschichten, die ich erzähle, herankommen. Deshalb habe ich mir die erste Strecke rüber durch Navarra ausgesucht. Ich hatte keine Zeit, die ganzen 800 km zu gehen. Also habe ich mit einer Etappe von 200 km angefangen und mir dafür eine Woche Zeit genommen. Das ging sehr gut, wobei ich meinen schweren Rucksack oft verflucht habe (lacht). Ein wenig Leiden gehört wohl auch dazu.

Sie haben das Schicksal Ihrer Protagonistin mit dem der Templer verwoben. Was hat Sie an der Thematik angesprochen?

Ich bin erst auf der Reise auf die Templer gestoßen. Mir hat Ponferrada, die alte Templerfestung, gut gefallen, wobei sie heute sehr viel eindrucksvoller ist als früher, als sie noch von den Templern genutzt wurde. Daraufhin habe ich angefangen, mir Bücher über die Geschichte der Templer zu besorgen. Dieser Stichtag, an dem der Orden vernichtet wurde, und die damit verbundenen Intrigen, haben mich derart fasziniert, dass ich dachte, dann verbinde ich diese beiden Geschichten in meinem Roman.

Es ist so unglaublich, was historisch mit dem Orden passiert ist, dass ich es wert fand, dazu noch mal genau zu recherchieren und es darzustellen. Es gibt ja Spekulationen, zum Thema Geheimbünde, die in vielen anderen Romanen auftauchen. Das ist ganz nett, aber nicht das, was mich wirklich gereizt hat. Ich wollte mich vielmehr dem geschichtlichen Orden und seinem fulminanten Ende nähern. Das hat mich mehr gereizt. Parallel war zu diesem Zeitpunkt die Hochzeit der Pilgerreisen der einfachen Leute. Früher waren es vor allem die wohlhabenden Leute und Ritter, die nach Santiago gepilgert sind. Zur Massenbewegung für das einfache Volk wurde das Pilgern erst zwischen dem Hochmittelalter und dem Spätmittelalter.

Der Glaube spielt in Ihren Büchern immer eine wichtige Rolle. Ist das für Sie privat ebenfalls wichtig?

Man kommt im Mittelalter und der frühen Neuzeit wirklich nicht an der Glaubensthematik vorbei, wenn man darüber schreiben will. Weil der Glaube den Alltag bestimmt hat, ebenso wie die Magie. Glaube heißt in dem Fall nicht der reine christliche Glaube, den gab es zu dieser Zeit nicht. Es war alles verwoben und vermischt mit den alten traditionellen Glaubensformen, die später als magische Praktiken verdammt wurden. Das Mittelalter war eine Übergangszeit. Die alten germanischen Traditionen waren da noch sehr lebendig. Wir wissen ja, dass die Mehrzahl unserer kirchlichen Feste in der Nähe der alten Feste liegt. Das hat die Kirche ganz bewusst gewählt, um den Übergang von den alten Traditionen zum christlichen Glauben zu erleichtern. Deshalb vermischt sich das alles etwas.

Ein weiterer Punkt ist, dass ich mich sehr mit der Entwicklung der Kirche und des Glaubens beschäftige. Klar, bin ich dabei nicht unkritisch. Ich bin keine, die alles unreflektiert annimmt und einfach so leben kann. Sondern ich muss mich damit auseinandersetzen. Ich sehe natürlich klar, wie viele schlimme, böse und falsche Dinge im Namen des Glaubens passiert sind. Das fließt immer mit in meine Bücher ein.

In Ihrem Roman Die Hexe und die Heilige beschreiben Sie den Umstand, dass eine Gabe einmal als göttliches Geschenk und ein anderes Mal als Teufelswerk gesehen wird. Waren diese Zeiten wirklich so extrem?

Um es so drastisch darzustellen, habe ich als Beispiel ein Zwillingspaar gewählt. Ich bin aber auf die Idee durch ein Sachbuch von Peter Dinzelbacher gestoßen, das Heilige oder Hexen? heißt und sich genau um dieses Thema dreht. Er hatte überlieferte Äußerungen über Frauen wissenschaftlich untersucht, die entweder als Hexe verdammt oder als Heilige verehrt wurden. Er kam zu dem Ergebnis, dass es überhaupt nicht wichtig war, was die Frauen gesagt, getan, gesehen oder gefühlt hatten. Ob sie als Heilige verehrt oder als Hexe verdammt wurden, hing allein vom Ort und vom Zeitpunkt ab.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Claudia Hötzendorfer

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