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Das Pflanzenwissen bildet die Essenz des Voodoo. - Foto: Alamode


Voodoo, oder Die Kraft des Heilens

Voodoo, oder Die Kraft des Heilens

Im Gespräch mit dem Ethnologen und Dokumentarfi lmer Henning Christoph

Fällt der Begriff Voodoo, denkt der mediengeschulte Europäer an Stichworte wie schwarze Magie, Zombies, wilde Trommeln und Puppen, in die Nadeln gestochen werden. Der Ethnologe Henning Christoph beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Voodoo und setzt sich unermüdlich dafür ein, dass unser Bild des afrikanischen Kults und Glaubenssystems der Realität näher kommt als Hollywood-Fantasien. In Essen-Rüttenscheid betreibt er ein einzigartiges Voodoo-Museum. Mitte Juli startete außerdem sein Dokumentarfilm Voodoo – die Kraft des Heilens. Grund genug, mit Henning Christoph über sein Lebensprojekt zu plaudern.

Trance und Tanz sind wichtige Bestandteile einer Voodoo-Zeremonie. - Foto: Alamode

Bei all den Vorurteilen, die mit dem Begriff verbunden sind, sollten wir vielleicht kurz definieren, was genau Voodoo eigentlich ist.

Der Begriff „Voodoo“ stammt aus der Sprache der Fon, der Hauptethnie Benins, die Voodoo lebt. Er bedeutet zunächst nichts anderes als „Götter, Geister“, oder manche sagen auch „das, was man nicht verstehen kann“. Es ist nicht nur eine Religion, sondern eine Lebensart, in der alles enthalten ist. Es ist ein Moral- und ein Heilsystem, es ist ein Schutz-, aber auch ein Strafsystem. Die Zentralphilosophie des Voodoo ist, alles ist gut und böse. Das Böse kann auch angewendet werden, wenn es gerechtfertigt ist. Daraus entsteht das Missverständnis, dass Voodoo nur schwarze Magie wäre. Doch mit Schadensmagie geht man sehr sparsam und vorsichtig um. Wenn jemand einem anderen Schaden zufügen möchte, muss er vorab ein Orakel befragen, ob das gerechtfertigt ist. Erst dann darf er aktiv werden und selbst dann muss das, was er vorhat, nicht zwangsläufig böse sein.

In manchen Anrufungen wird Allah genannt und einige Rituale erinnern an christliche Elemente, wie etwa die Taufe. Wie weltoffen ist Voodoo?

Voodoo überlebt im Gegensatz zu sehr vielen anderen Naturglaubenssystemen in Afrika, weil es andere Glaubensansätze assimiliert. Gerade im Kult der Mami Wata sind der Katholizismus, der Islam und der Hinduismus integriert. Durch die Aufnahme von Elementen aus anderen Glaubensrichtungen hat man sich natürlich geschützt. Voodoo ist sehr flexibel und passt sich immer an die Gegebenheiten an. Das betrifft auch die Technologie. Ich habe vor einiger Zeit für mein Museum einen Ritualgegenstand bekommen, an dem ein Telefon montiert wurde. Als ich den Priester fragte, warum ein Telefon, meinte er, wenn man etwas sehr Eiliges hat, nimmt man heute das Telefon. Das ist das Wunderbare am Voodoo, er ist wahnsinnig kreativ und geht mit der Zeit.

Man kann Voodoo nicht nach Europa importieren. Es ist kein System, das wir hier umsetzen könnten.

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