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Richtszene aus „Der scharlachrote Buchstabe“ - Foto: Constantin.

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Katherine Howe
Das Hexenbuch von Salem
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WENN AUS FAMILIENGESCHICHTE EIN ROMAN WIRD

WENN AUS FAMILIENGESCHICHTE EIN ROMAN WIRD

Autorin Katherine Howe verarbeitet die Hexenprozesse von Salem

Salem 1692. Eine beispiellose religiöse Hysterie forderte zwanzig Todesopfer. Teenager behaupteten, vom Teufel besessen zu sein. Sie machten dafür Außenseiter aus dem Dorf verantwortlich – verarmte Frauen, eine Sklavin, am Ende selbst einen angesehnen Geistlichen. Vierzehn Frauen und sechs Männer wurden in monatelangen Prozessen als Hexen angeklagt und schließlich hingerichtet. Die Hexenprozesse von Salem erlangten traurige Berühmtheit, nicht zuletzt durch die literarische Verarbeitung von Arthur Miller und Nathaniel Hawthorne. Zwei der Frauen, die gehängt wurden, waren Elisabeth Howe und Elisabeth Proctor, Vorfahrinnen der Autorin Katherine Howe. Die Historikerin hat ihre Familiengeschichte zum Anlass genommen, einen lesenswerten Debütroman vorzulegen, in dem es um Glaubensfragen geht und darum, eine Erklärung zu finden, warum tiefgläubige Menschen Gemeindemitglieder als Hexen anklagten und hängen ließen.

Foto: Brian Pellinen

Bei der familiären Vorgeschichte hätten Sie auch ein Sachbuch schreiben können. Was hat Sie gereizt, daraus einen Roman zu machen?

Es ist nicht ungewöhnlich, eine fiktionale Geschichte, in der reale Personen auftauchen, zu schreiben. Wenn Leute das erste Mal von Salem und den Hexenprozessen hören, dann in der Regel durch Arthur Millers Stück Hexenjagd. Als Vorlage dafür dienten ihm reale Personen, die damals gelebt haben. Nathaniel Hawthorne ging bei seinem Roman Der scharlachrote Buchstabe ebenso vor. Ich habe mich für die Romanform entschieden, weil es sehr viele gute Sachbücher gibt, die sich mit der Kolonialzeit und den Hexenprozessen von Salem beschäftigen. Ich finde, die Fiktion gibt uns die Möglichkeit, die persönliche Ebene einer Geschichte zu erzählen. Denn ich kann sie dann so schreiben, dass der Leser sich mit den Figuren identifiziert. Die Ereignisse liegen so lange zurück, und damals hatten die Menschen eine ganz andere Sicht auf die Ereignisse. Es fällt uns heute oft schwer, diese Sichtweise nachzuvollziehen. Deshalb habe ich zwei Erzählebenen gewählt: Ein Handlungsstrang spielt in der Vergangenheit, und der andere sehr nahe in der Gegenwart. Denn ich denke, wir brauchen die Hauptfigur Conny als Mittlerin zwischen uns und der Vergangenheit. Einige unserer heutigen Ansichten sind – auch wenn uns das nicht bewusst ist – in dieser Historie verankert.

In der Kolonialzeit war das Klischee vorherrschend, Frauen wären schwächer als Männer. Das war auch ein Grund dafür, warum mehr Frauen als Männer der Hexerei angeklagt wurden. Man nahm an, dass sie empfänglicher für böse Einflüsse seien. Aus heutiger Sicht mutet das schon etwas seltsam an. Ich finde, gerade solche Ansichten lassen sich einfach besser durch eine fiktionale Geschichte beschreiben.

Im 17. Jahrhundert war es völlig normal, an die Existenz von Hexerei zu glauben.

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