Gelebte Spiritualität
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – die spirituelle Praxis ist keine Weltflucht, sondern wird im Alltag erprobt und bestätigt. Erfahrene geistige Lehrer und Praktizierende schreiben über bewährte Wege und Methoden zur Klärung und Entfaltung des Bewusstseins.
Früher oder später kommt jeder aufrichtige Wahrheitssucher an einen Punkt, an dem er sich sorgfältig mit der Frage nach der Notwendigkeit eines spirituellen Mentors oder auch Meisters auseinandersetzen muss. Doch hierzu braucht man zunächst grundlegende Kenntnisse über die Gesetze der spirituellen Entfaltung sowie Unterscheidungsvermögen.
So genannte „große Träume“ gewähren uns tiefe visionäre Einsichten in die grundlegenden Geheimnisse unserer Existenz. Sie treten gewöhnlich in Übergangsphasen der persönlichen Entwicklung in Erscheinung und prägen sich der Seele unauslöschlich ein.
Nahezu alle naturreligiösen und neuheidnischen Glaubensrichtungen kennen die Initiation als Ritus des Eintritts in die Gemeinschaft oder Tradition und als Übergang vom Adepten zum Priester. In jedem Fall markiert die Weihe einen entscheidenden Wendepunkt im Leben des Novizen. Dabei hat jede Tradition ihre eigenen Zeremonien und Regeln. Neben der Initiation durch eine Gruppe oder eine Priesterin und einen Priester gibt es heute auch die Selbstweihe, die immer mehr ins Blick...
Erwägt ein Schüler, den Pfad zu verlassen, fehlt ihm vor allem die Bereitschaft, vertrauensvoll an seiner Befreiung mitzuwirken. Damit bringt er sich selbst um die Erfahrung, sich bei jedem Schritt auf dem Weg sicher geführt zu wissen.
Auf dem spirituellen Pfad können wir Einblicke in vergangene, gegenwärtige und zukünftige Faktoren gewinnen, die unser Leben bestimmen. Dies geschieht jedoch immer nur so weit, wie es unserem spirituellen Fortschritt dienlich ist.
Lächeln ist weit mehr als ein Ausdruck von spontaner Freude oder Wohlgefühl, weiß Yoga-Lehrerin und Buchautorin Ursula Rücker. Als Lebenshaltung kultiviert, wirkt sich das bewusste Lächeln positiv auf die körperliche Verfassung und Leistungsfähigkeit aus, fördert die zwischenmenschliche Harmonie und kommt auch der spirituellen Entwicklung zugute.
Es ist heute kaum noch bekannt, dass die frühen Christen sich selbst als eine Mysteriengemeinschaft verstanden. Sie suchten Gotterkenntnis, die nichts anderes ist als Gotteinung.
„Mit was für einem Leib werden die Toten erweckt?“ Mit dem physischen oder einem geistigen? „Auferweckt wird ein geistiger Leib“ (Vgl. 1 Kor 15,35; 44)– jedoch kein irgendwie verklärter „Ätherleib“, sondern die der Seele eigene Bewusstheit.
„Manche Schüler stellen sich vor, der Meister könne für sie vollbringen, wozu sie allein nicht fähig sind. Doch alles, was er machen kann, ist, ihnen den Weg zu weisen und die Erfahrung zu vermitteln – dann muss jeder seine eigene Arbeit tun.“
Märchen waren auch die Krimis von einst. Und so wie im „Tatort“ mitunter erst Kommissar Zufall den Ermittlern auf die Sprünge hilft, muss im Märchen notfalls Kommissar Gott eingreifen, um einen lange unentdeckten Mordfall aufzuklären.
Wer zu ihm kommt, braucht Mut und Vertrauen, denn seine Bewusstseinsarbeit ist radikal offen und geht ans Eingemachte. Im Visionen-Interview erläutert Klaus Konstantin seinen Ansatz.
„Als Wort Gottes dient die Bibel der Unterweisung in die geistige Gottesverehrung (vgl. Jh 4,24). Die zentralen Ereignisse des Evangeliums beschreiben daher spirituelle Erfahrungen. Das gilt auch für Christi so genannte Himmelfahrt.“
Um für die lebendige, kreative Weisheit Gottes offen und empfänglich zu sein, ist es notwendig, die Prägungen aus der Vergangenheit beiseite zu lassen und sich unschuldig-rein dem Geist Gottes zur lassen Verfügung zu stellen. Bruder Martin Schajananda entschüsselt in diesem Sinne die christich-mystische Symbolik der jungfrauengeburg.
Alle großen Meister lehrten: „Widerstehe nicht dem Übel.“ Bis man dieses höchste Ideal erreicht, ist es jedoch geboten, dem Übel Widerstand zu leisten. Erst wenn man die Kraft zum Widerstand in sich hat, wird Nichtwiderstreben zur Tugend.“
Wenn es bloß so einfach wäre, das Leben zu vereinfachen! Seit der Antike preisen die Weisen, Heiligen und Philosophen die Vorzüge des einfachen Lebens, haben Dichter und Literaten das Lob der Einfachheit gesungen. Und obwohl wir an dem Zuviel an Dingen, Aufgaben und Aktivitäten zu ersticken drohen, obwohl wir uns von der Komplexität des modernen Lebens überfordert fühlen, trachten die Menschen weiterhin nach dem prallen, übervollen Leben.
„Die Bibel kennt nur eine Auferstehung der Seele, bedient sich jedoch häufig materieller Begriffe, um diesen Sachverhalt zu schildern. Auch dort, wo von ‚Fleisch und Bein‘ die Rede ist, geht es letztlich um spirituelle Vorgänge.“
Mystische Erfahrungen des Göttlichen lassen sich nicht erzwingen, aber man kann den geistigen Boden für sie bereiten. Wie das geht, erklärt Sarah McLean, eine erfahrene und bekannte Meditationslehrerin aus Arizona.
Wir sind nicht immer nur gut und liebevoll. Jeder Mensch birgt einen Schatten, der jederzeit aktiv werden kann. Die Therapeutin Mariananda hat sich intensiv mit diesem Thema befasst. Im VISIONEN
-Interview gibt sie uns erfrischende Antworten.
„Wer sündigt, in den ist der Geist der Narrheit gefahren. Was aber tut der Weise, wenn ein Narr zu ihm kommt? Er lacht über all seine Narrheiten, und dabei schmilzt die Strenge, und was schwer wog, wird leicht!“
Die Medizinvölker, mit denen Alberto Villoldo studierte, glauben, dass wir Unsterblichkeit durch die Wahrnehmung unseres leuchtenden, unveränderlichen Selbst erfahren. Diese Erfahrung ist zugleich eine Heil-Erfahrung. Die heiligen Stätten von Moray. - Foto: L. Obermaier