Der Raum über der religiösen Zimmerdecke
Über einen interreligiösen Dialog zu einer neuen, globalen Spiritualität
Mystik ist der Kern in allen Dingen
Die großen Religionsstifter haben die zeitlose Weisheit in die Welt getragen. Doch Menschen tendieren dazu, die zeitlose Weisheit zu interpretieren und zu etwas zu machen. Die Essenz ist zwar energetisch vorhanden, aber je mehr Menschen etwas daraus machen, desto mehr wird die Religion zu einem „Etwas“, zu einem Konzept, zu einem Set von Regeln, an die man sich hält.
Wenn Religion zu einer Institution wird, zu einer geronnenen Einheit, der es an Flüssigkeit und Flexibilität mangelt, besteht die Gefahr, dass sie sich nicht mehr zeitgemäß aktualisiert. Im Kern der Tradition jedoch kann das nicht passieren, denn Mystik bedeutet, die Radikalität des Erwachungsprozesses in der Praxis zu pflegen. Mystik ist jener Teil der Religion, der wach ist und wach macht, der Teil, in dem zeitlose Weisheit wirklich praktiziert wird. Viele Menschen, die sich zu einer Religion bekennen, praktizieren in einer Weise, die eher an der Oberfläche der Form bleibt. Obwohl oft eine gute Intention und ein gutes Herz dabei sind – die Radikalität dessen, was Mystik ist, finden wir nur selten.
Wenn wir von Religion sprechen, sprechen wir oft von religiösen Identitäten. Und diese Identitäten werden in das Persönlichkeitsverständnis eingebaut: „Ich bin Christ!“ „Ich bin Moslem!“ „Ich bin Jude!“ Da ist sehr viel Personifiziertes und wenig Gott. Hier können wir erkennen, wie jede Stufe in der Bewusstseinsevolution eine ihr entsprechende Interpretation des wahren mystischen Kerns erstellt. Und so prallen Identitäten aufeinander und glauben, dass sie Recht haben.
Ein interreligiöser Dialog ist nicht fruchtbar, solange er im Prinzip eine politische Diskussion ist und nicht ein tiefer mystischer Austausch.
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