Die Gutmensch-Falle vermeiden
Klare Grenzen setzen
Keine „“Vampire“ einladen
Es kommt mir so vor, als wären spirituelle Schüler noch gedankenloser als der gewöhnliche Durchschnittsmensch. Solange sie Rücksicht nehmen, ist es leicht, sie zu lieben, aber wenn man in der (Gemeinschafts-)Küche beim Kochen ist, kommen sie an und machen große Augen: „Oh, was ist denn das? Kann ich mal probieren?“ Dabei hat man gerade soviel, wie man für sich selber braucht. Ich bin wirklich gerne bereit zu teilen, aber ich möchte nicht, dass andauernd einer alles von mir verlangt, was ich habe. Wenn ich darum gebeten werde, gebe ich ja, aber nicht aus freien Stücken und nicht aus ganzem Herzen. Ich hätte gern die Freiheit, mehr Liebe für sie zu empfinden, aber ich weiß nicht, wie ich das fertig bringen soll
Das lässt sich vermeiden, indem die Küche richtig geführt wird. Am besten wird das Essen nur von ein oder zwei Personen zubereitet. Dann bekommt jeder seine Portion und isst, was auf den Tisch kommt. Außerdem ist es besser, mit dem Herumprobieren aufzuhören und sich beim Kochen nicht auf Unterhaltungen einzulassen.
Bei sich bleiben
Immer diese Gedankenlosigkeit! Und dann kommt mein Gemüt auf Touren. Morgens zum Beispiel wird der Haferbrei gebracht, und wenn man sich dann nicht ‘ran hält, kriegt man keinen mehr ab, weil irgend jemand anders sehr viel mehr gegessen hat, als für ihn vorgesehen war. Und wenn ich das sehe, werde ich sauer. Ich weiß zwar: Das ist nur das Gemüt und die negative Kraft... Aber sollte ich nicht mit Liebe reagieren, anstatt böse zu sein, wenn so etwas passiert? Andersherum gesagt: Wenn sie sich nicht ändern, muss ich es wohl tun?
Ein Sprichwort sagt: „Vorbeugen ist besser als heilen.“ Wenn man sich eine Krankheit einmal zugezogen hat, muss man sie erst wieder heilen. Darum ist es besser, sie von vornherein zu verhüten und schon dort geeignete Maßnahmen zu treffen, wo das Problem über haupt erst entsteht.
Erstens: Keiner sollte beim Essen auf den Teller des an deren schielen. Wer mehr will, kann gerne mehr bekommen – jeder so viel, wie er mag.
Zweitens: Tut immer nur eine Sache auf einmal. Jeder soll während der Mahlzeiten ganz beim Essen sein, seine Portion bewusst genießen und Gott von Herzen dafür danken. Dann gibt euch das Essen noch einmal soviel Kraft. Wenn ihr mit den Gedanken wo anders seid, schlingt ihr alles nur hinunter. Und wenn ihr beim Essen durch die Gegend strahlt und mal mit diesem, mal mit jenem schwatzt, macht ihr natürlich allerhand Gemütsregungen Luft. Manchmal sitzen die Leute nach dem Essen auch noch stundenlang her um, schwingen endlose Reden und lassen ihr ganzes Schmutz geschirr stehen. Sie sollten diese Arbeit nicht auf andere abwälzen, sondern ihr Geschirr selber abwaschen.
Im Übrigen kann es nicht für alles feste Regeln geben – gebraucht euren gesunden Menschenverstand. Das wird einen Großteil der Schwierigkeiten beseitigen.
Nicht allen gefallen wollen
Mein Problem ist aber gerade, dass ich nicht versuche vorzubeugen, sondern zu heilen. Ich verstehe dich vollkommen, und das ist ja auch gut. Aber was ist mit anderen Situationen? Ein Beispiel: Ich habe ein großes Haus in Florida und bin schon von vielen Schülern gefragt worden: „Kann ich nicht bei dir wohnen?“ Ich möchte aber nicht, dass jemand bei mir wohnt. Ich möchte aber auch nicht nein sagen, wenn sie einen Platz zum Wohnen brauchen. Ist es da nicht besser, nichts zu geben, wenn man es doch nur widerwillig tut?
Jedermanns Freund ist niemandes Freund. Unser karmisches Geben und Nehmen erstreckt sich nur auf einige wenige Menschen.
Sieh mal, wie viele Freunde kannst du haben? Einen, zwei, drei, vier, zehn? Oder gar hundert? Jedermanns Freund ist niemandes Freund. Unser karmisches Geben und Nehmen erstreckt sich nur auf einige wenige Menschen. Und es sollte auch nicht betrieben werden wie ein Geschäft. Wie soll man sich also als Gebender verhalten? Nichts wiederhaben wollen, das ist der richtige Weg. Wenn man Gefälligkeiten abwickelt wie ein Geschäft, gibt es nur ein großes Durcheinander: „Erst bin ich bei dir zu Besuch, dann kommst du zu mir, dann bin ich wieder dran, und dann wieder du.“
Dieses oberflächliche Gerede ist doch bloß Zeitverschwendung. Es gibt viele Möglichkeiten, mit der lei Nichtigkeiten seine Zeit zu verplempern. Nur ein Beispiel: Du bist ein fleißiger Mensch und möchtest lernen. Da kommt einer vorbei und sagt: „Was machst du denn Schönes? Wozu das alles? Wie wäre es mit folgender Idee?“ Und so weiter. Kümmert euch um eure eigenen Angelegenheiten!
Wenn jemand kommt und aus berechtigtem Anlass bei dir wohnen will, dann lass ihn bei dir wohnen. Aber er sollte sein eigenes Zimmer haben, nach dem Motto: „Störst du mich nicht, stör ich dich auch nicht.“ Dann brauchst du dich praktisch gar nicht um ihn zu kümmern, und er nimmt nicht die ganze Zeit, die er da ist, deine Gedanken in Beschlag. Zusammen zu leben bedeutet nicht herumzusitzen, miteinander zu „quatschen“, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und sich gegenseitig die Zeit zu stehlen.
Sich keine Probleme aufladen lassen
Tut mir leid, dass mein Gemüt so beschränkt ist. Bei den Leuten, die ich zu den Meditationstreffen fahre, sind auch ein paar ganz schwierige dabei. Eine Dame verlangt von mir, als erste nach Hause gebracht zu werden. Mit dem und jenem Schüler will sie nicht zusammen im Auto fahren, und lauter solche Sachen. Das macht mir eine Menge Schwierigkeiten. Sieh mal, der Heilige Kabir sagt: „Wenn du zu einem Heiligen gehst, dann geh allein und nimm niemanden mit.“ Das ist das richtige Kriterium. Jeder sollte versuchen, die Meditationszusammenkünfte allein zu erreichen. Wenn es dir passt, kannst du ja eine oder zwei Personen mitnehmen. Klar?
Ich dachte nur: Ich habe ein Auto, und sie nicht, also sollten wir es gemeinsam benutzen. Das ist wieder eine Frage des Gebens und Nehmens. Wenn jemand krank ist, dann ist es in Ordnung, wenn du ihm hilfst. Das ist etwas anderes und versteht sich von selbst. Ansonsten – wenn du glaubst, andere mitnehmen zu sollen – verschwendest du vor lauter Warten nur deine Zeit. Normalerweise machen die Leute zwar einen Termin aus, aber dann schaffen sie es meistens nicht, rechtzeitig fertig zu sein. „Ist ja gut, ich komm’ ja schon! Ich mach nur noch schnell das hier fertig, das dauert bloß eine Minute. Tut mir leid, dass ich so spät dran bin.“ Ist das etwa keine Zeitverschwendung? Was hilft es da, wenn es ihnen hinterher Leid tut und sie sich entschuldigen? Wer mit dir fahren will, sollte also zur rechten Zeit abfahrbereit vor der Haustür stehen.
Und wenn nicht?
Dann lass ihn. Die anderen sollten pünktlich sein. Du erweist ihnen schließlich einen Liebesdienst, aber wenn du immer wieder aufgehalten wirst, werden die anderen am Zielort auf dich warten und sich Sorgen machen: „Jetzt ist er immer noch nicht da; wo er nur bleibt?“ Das Ganze schlägt dann dir aufs Gemüt. Und ist es nicht ein Jammer, wenn du mit dieser Belastung zur Meditation kommst?
Eindeutige Regeln aufstellen
Es ist richtig, anderen zu helfen. Aber wenn sie dir wie Mühl steine am Halse hängen, ist es besser, es bleiben zu lassen. Ich glaube, damit vermeidest du dieses Problem. Jeder sollte für sich selbst sorgen. Eine oder zwei Personen kannst du ja mitnehmen, zum Beispiel wenn sie behindert sind; das ist etwas anderes.
Im Übrigen kann es schon einmal vorkommen, dass du nicht auf der Höhe und des halb nicht gerade liebevoll gestimmt bist. Vielleicht wirst du so gar ärgerlich: du bist eben noch kein Heiliger. Dabei sind das doch eigentlich nur Kleinigkeiten, oder etwa nicht?
Doch, schon, aber die läppern sich zusammen. Ja, ja, da kommt einiges zusammen: ein Gramm Gift hier, ein Gramm Gift da – genug, um einen Menschen umzubringen. Anderen zu helfen ist eine gute Sache. Aber sie sollten sich an die gemeinsamen Absprachen halten und immer zum verabredeten Zeitpunkt fertig sein; du hast schließlich auch keine Zeit zu verschwenden.
Und noch etwas: ihr solltet unterwegs keine Alltagsprobleme bereden.
Genau da liegt das Problem.
Das ist auch gar nicht nötig. Wenn es Schwierigkeiten gibt, könnt ihr sie ruhig be sprechen, nur nicht ausgerechnet auf dem Weg zur Meditation.
Ich muss also energischer sein
Nein, nein – die anderen sollten ebenfalls spüren, worum es geht, und sich genauso bessern. Wenn du ihnen nur „ordentlich Bescheid gibst“, sagen sie bloß: „Du sitzt ja plötzlich ganz schön auf dem hohen Ross“, und lassen alles beim Alten.Nein, nein – die anderen sollten ebenfalls spüren, worum es geht, und sich genauso bessern. Wenn du ihnen nur „ordentlich Bescheid gibst“, sagen sie bloß: „Du sitzt ja plötzlich ganz schön auf dem hohen Ross“, und lassen alles beim Alten.
Das stimmt.
Sich nicht ausnutzen lassen
Weißt du, das Gemüt ist so schlau, dass es jeden so beherrscht, dass er es gar nicht merkt. Bei dir hat es mit der noblen Absicht angefangen, andere Schüler im Wagen mitzunehmen. Darum sagte Kabir: „Wenn du zu einem Heiligen gehst, dann geh allein.“ Seht zu, dass ihr auf eurem eigenen Weg voran kommt und nicht zurück fallt. Geht immer geradeaus und lasst euch von niemandem aufhalten – komme, was mag. Die Meister sprechen aus Erfahrung; sie haben schon so vieles erprobt. Was ist jemand, der immer wieder probiert, was hundert andere schon vor ihm versucht haben?
Ein Dummkopf.
Siehst du, das brauche ich dir also gar nicht zu sagen. Du selbst solltest guten Willens sein, und die anderen sollten sich dementsprechend verhalten. Wenn du die Möglichkeit und die Bereitschaft hast, anderen zu helfen, dann hilf nur solchen, die dir nicht lästig fallen.

