„Die ganze Welt ist gut und schön“
Gott in allen Dingen schauen
Gott ist schön
Der erste Grundsatz spiritueller Hingabe – der eigentliche und wahrscheinlich großartigste von allen – ist zu erkennen, dass Gott überall ist. Wir leben in ihm und er in uns. Wir leben und haben unser Sein in ihm, wie Fische im Fluss. Der Fisch lebt im Wasser, sein ganzes Leben hängt davon ab. Er lebt im Wasser und er lebt vom Wasser, das ihn ernährt.
Als Gott beschloss: „Ich bin einer und will viele sein“, ging das ganze Universum von ihm hervor und kam ins Sein. Die ganze Welt ist also ein Ausdruck, eine Offen barung Gottes. Wo ist der Ort, an dem er nicht ist? Wir sind in ihm, er ist die Kraft in uns, die uns am Leben erhält. Alle verkörperten Seelen sind Tropfen aus dem Meer der Allbewusstheit.
Wenn wir das erkennen, ist alles schön. Gott ist schön und jede von ihm ge schaffene, durch ihn offenbarte Welt ist ebenfalls schön. Schönheit kommt von Schönheit und nicht von Hässlichkeit. Nur die Brille, die wir auf haben, lässt uns vieles in der Welt hässlich oder unschön erscheinen. Wenn ihre Glä ser rauchfarben sind, seht ihr nichts als Rauch. Wenn sie rot sind, erscheint euch alles rot. Sind sie schwarz, er scheint euch alles schwarz. Aber die Welt als solche ist weder schwarz noch rot noch rauchgrau – vergesst das bitte nicht!
Ein Gott in allen Herzen
Um das zu erkennen, müssen wir den Lauf unseres Ge müts und Herzens ändern und erkennen, dass Gott überall ist. Wenn wir wissen: Gott ist überall, wir sind in ihm, er ist in uns und um uns herum, er weiß alles, was wir im Herzen haben – wie können wir da überhaupt noch sündigen oder etwas Schlechtes tun? Unser Meister sagte oft: „Wenn ein fünfjähri - ges Kind bei euch ist, werdet ihr nicht wagen, et was Unrechtes zu tun.“
Das ist das A und O der Hingabe. Wenn ihr an diesem Grundsatz festhaltet, ergibt sich alles andere von selbst und die Welt wird schön. Wenn wir Gott lieben, werden wir auch ganz selbstverständlich unsere Mitmenschen achten und lieben und ihnen freu dig dienen, auch wenn sie über uns anders denken. Schließlich sind auch unsere Feinde verkörperte Seelen. Es gibt nur eine Kraft, die uns alle im Körper hält und dort über uns wacht.
Wenn uns jetzt jemand die Hölle heiß macht, denken wir nur daran, wie wir es ihm heimzahlen können – das heißt, wir haben genau die gleichen Gedanken in uns wie er. Wenn wir dagegen unsere schlechten Gedanken über andere in uns überwinden und ab legen, werden alle freundlich sein. Dann sehen wir, dass auch sie Offenbarungen Gottes sind. Und in diesem Licht betrachtet, sind natürlich alle Menschen schön, sogar unsere Feinde. Unsere verkehrte Ansicht kommt nur von unserer rauchgetönten Brille.
Die ganze Welt ist eine Offenbarung der Liebe. Wir sind alle Brüder und Schwestern in Gott. Gottes Liebe wird euch in Verzückung versetzen, in glückselige Verzückung, und wie eine liebende Mutter ihr schmutziges Kind zuerst wäscht und dann an ihr Herz drückt, so werden wir dann zwar die Sünde verabscheuen, den Sünder aber lieben. Das ergibt sich dann von ganz allein.
Es gibt nichts Schlechtes auf der Welt. Wenn sie euch schlecht erscheint, liegt das nur an der dunklen Brille, durch die ihr sie betrachtet.
Hinter die Erscheinungen blicken
Die Menschen flehen immer zu Gott: „Herr, sende uns einen Erlöser.“ Und Gott entgegnet: „Ich habe euch schon so viele Erlöser ge sandt, aber ihr hattet keine Achtung vor ihnen. Ich habe euch Heilige gesandt, die sagten, dass sie Gott sind, aber ihr hattet keine Achtung für sie. Ich habe euch auch solche gesandt, die sag ten: Ich bin ein Mensch wie ihr; es ist alles Gottes Gnade. Und was sagt ihr dann? Ihr sagt: Wenn er ein Mensch ist wie wir, wie kann er uns dann er lösen? Es kamen schon so viele Heilige in die Welt, aber wie habt ihr sie behandelt? Die einen habt ihr ans Kreuz geschlagen, andere bei lebendigem Leib verbrannt. Sie kamen, um euch das richtige Verstehen des großen Ganzen zu leh ren – dass die ganze Schöpfung die Offenbarung Got tes ist, dass ihr alle meine Kinder seid, Tropfen aus dem Meer aller Bewusstheit, dass ich die Kraft bin, die in euch wohnt und über euch wacht. Ihr lebt in mir und ich lebe in euch. Ihr habt es nur vergessen.“
Das zu vergessen, ist Illusion oder Maya (s. Infos in Printausgabe). Wenn ihr zu jemandem geht, dessen inneres Auge ge öffnet ist, wird er versuchen, euch aus dem Ab grund der Unwissenheit herauszuholen, selbst wenn ihr schlecht über ihn sprecht. Wenn er euch eine innere Erfahrung von Gott gibt, solltet ihr sie weiterentwickeln. Wenn ihr dann nach innen schauen könnt, wird sich eure ganze Einstellung än dern. Dann erkennt ihr auch die äußere Welt als Offenbarung Gottes.
Wenn dieses richtige Ver stehen in uns aufkommt, dann ergeben sich daraus die richtigen Gedanken. Aus richtigen Gedanken entstehen rich tige Worte, und daraus wieder die richtigen Taten. Gott ist überall. Das ist eine Tatsache. Wir müssen nur unser inneres Auge entwickeln und öffnen, um selbst zu sehen, dass es stimmt. Es wird aber nur geöffnet, wenn ihr jemanden findet, der es in euch auftut. Mit diesem Dritten oder Einzelauge werdet ihr allmählich sehen, dass alles die Offenbarung Gottes ist.
Das Gute im Bösen erkennen
Es gibt nichts Böses auf der Welt. Wenn sie euch böse erscheint, dann liegt das nur an der getrübten oder verfärbten Brille vor eurem Herzen oder Ge müt, durch die ihr sie betrachtet. Wenn ihr durch richtiges Verstehen alles Negative aus eurem Gemüt hinauswerft, wird alles schön.
Was immer uns zustößt, sei es gut oder gar nicht nach unserem Geschmack, ist nur eine Folge unseres vergangenen Karmas. Nicht Gott hat Schuld daran, sondern wir selbst. Was wir gesät haben, müssen wir ernten. Was immer uns widerfährt, ist eine Folge unserer eigenen Vergangenheit und wird uns als Schicksal oder Los von oben zugeteilt.
Wir sollten deshalb allem, was uns geschehen mag, offen und voller Freude begegnen. Manchmal begegnet uns etwas, das uns nicht gefällt, aber gerade diese Dinge sollen uns weiterhelfen, Höhe res zu erreichen. Der Mensch lernt im Wasser schwim men, nicht auf dem Trockenen. Wenn ihr diese Ein stellung entwikkelt, wird euer Auge geöffnet und ihr sieht die Dinge im rechten Licht – dass alles die Offenbarung Gottes ist. Das wird euch stärker machen. Dieser Grundsatz ist eine Tatsache, und nicht etwa von Menschen erdacht.
Liebe für alle(s) empfinden
Der zehnte Guru der Sikhs sagte einmal über Gott: „Die ganze Welt ist Dein. Alle Flüsse und Berge sind Dein. Du bist es, der sich in allem offen bart.“ (Weitere Mystiker-Zitate: s. Infos in Printausgabe)
Gott ist überall. Alles ist seine Offen barung. Nur merkt die ganze Welt nicht, dass alles andere Täuschung oder Maya (s. Infos in Printausgabe) ist. Ihr müsst euch über das Kör perbewusstsein erheben, euer inneres Auge öffnen und selbst sehen. Dafür habt ihr eine erste innere Erfahrung als Anfangs kapital (s. Infos in Printausgabe) bekommen. Wenn ihr nach diesen Grundsätzen lebt, bringt eure Hingabe volle Frucht und ihr seht Gott in euch.
Was ist letztlich das Ergebnis aller spirituellen Übungen und eines guten Lebenswandels? Gotterkenntnis. Bleibt, wo ihr seid. Welcher Glaubensrichtung ihr auch an gehört, ihr braucht ihre äußere Formen, Rituale oder Symbole auf keinen Fall zu ändern. Ihr müsst nur Gott lieben.
Wir sind in Gott und er in uns. Es gibt keinen Ort, wo er nicht ist. Er ist hier, in mir, innen, außen, überall. Euer inneres Auge, das Einzelauge oder Dritte Auge ist nur noch nicht geöffnet. Jemand, dessen inneres Auge geöffnet ist, wird euch eine Erfahrung von ihm geben. Wenn ihr seine An weisungen genau befolgt, seht ihr es eines Tages selbst.

