Buchtipps

Eckhart Tolle
Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung
- Mehr zum Buch

Kommt bald das Paradies auf Erden?

Kommt bald das Paradies auf Erden?

Spirituelle Fragen – meisterhaft geklärt

Das weihnachtliche Friedensfest gilt Christen als Vorgeschmack auf das ewige Friedensreich nach Christi Wiederkehr am Ende der Zeit. Kommt dieses Paradies schon 2012?

Die Geburt Jesu ist nach christlichem Verständnis auch ein Vorgeschmack auf die Wiederkehr Christi und „die neue Erde“ (vgl. Off 21,1), die danach kommen soll. Viele erwarten dieses Paradies schon für 2012, wenn nach dem Maya-Kalender die Zeitrechnung endet. Dürfen wir uns schon heute darauf freuen?

Wie schon (im letzten Heft, VISIONEN 11/2010 ) am Beispiel des Goldenen Zeitalters gezeigt, beziehen sich solche vermeintlichen Prophezeiungen gar nicht auf die Zukunft, sondern auf die Lebenswirklichkeit gottnaher Seelen. Nur wurden und werden solche rein spirituellen Aussagen immer wieder von Menschen missdeutet, die keinen Zugang nach innen haben.

Auch das Paradies gehört zu den verlockenden Aussichten, mit denen die organisierten Religionen ihre Anhänger gewöhnlich aufs Jenseits vertrösten, weil sich dort niemand vorstellen kann, dass man die Erlösung und die himmlischen Freuden des Paradieses bereits im Diesseits kosten und genießen kann.

WAS IST DAS PARADIES?

Der Zustand, in dem der Mensch mit Gott verbunden ist: Adam und Eva konnten Gott noch direkt sehen und seine Stimme hören. Erst als sie „vom Baum der Erkenntnis“ aßen und damit ihr Verstandeswissen einschalteten, fielen sie aus dieser ursprünglichen Einheit in die Welt der Zweiheit (Polarität), denn der Verstand gewinnt seine Erkenntnisse durch Unterscheidung, indem er alles in zwei entgegengesetzte Teile aufspaltet (Gut und Böse, Positiv und Negativ usf.). Nur mit Hilfe der re-ligio, der Wiederverbindung seiner Seele mit Gott, kann der Mensch unter Führung des Gottmenschen diese Trennung aufheben und in die verlorene Einheit zurückfinden.

Da die meisten Menschen nichts von spirituellen Dingen wissen, stellen sie sich das Paradies als einen idyllischen Ort vor, der irgendwo im Jenseits liegt und sich vor Urzeiten noch auf der Erde befand. In Wirklichkeit liegt das Paradies nur jenseits unseres Alltags-Bewusstseins, das sich nur auf die begrenzten Wahrnehmungen der äußeren fünf Sinne und auf die fehlbaren Schlussfolgerungen des Verstandes stützen kann statt auf unmittelbares göttliches Wissen.

WIE KOMMT MAN INS PARADIES?

Um über die Welt der Sinne hinaus zu gelangen, muss man normalerweise diese Welt verlassen, das heißt sterben. Im spirituellen Sinne besteht der Tod darin, das Bewusstsein vom „Diesseits“ der Sinne ins „Jenseits“ der spirituellen Bereiche zurückzuziehen. Die meisten Menschen machen diese Erfahrung erst am Ende ihres Lebens beim Vorgang des Sterbens. Schüler des spirituellen Pfades üben denselben Prozess schon in diesem Leben ein, und zwar auf dem Wege der Meditation.

Jesus Christus nannte sich selbst die „Tür“, durch die seine Jünger „aus und eingehen und Weide finden“ können (vgl. Jh 10,7) – die Fülle der spirituellen Früchte oder Freuden, die das Paradies zu schenken hat. Jesu Jünger konnten also unter seiner Führung schon mitten im Leben willentlich vom Diesseits ins Jenseits des Paradieses wechseln, um dort die Wonnen der göttlichen Offenbarungen zu genießen.

EIN BEISPIEL.

Das folgende Beispiel (2 Kor 12,2-4) belegt sehr klar die spirituelle Natur des Paradieses: „Ich kenne einen Menschen in Christus, der... – ob im Leibe, das weiß ich nicht, oder außer dem Leibe, das weiß ich nicht, Gott weiß es – ins Paradies entrückt wurde und unsagbare Worte vernahm...“ Wer sich über sein Körperbewusstsein erhebt (keine physischen Grenzen mehr wahrnimmt), empfängt jenseits davon übersinnliche („unsagbare“) göttliche Offenbarungen.

ANGEMERKT: DIE ANTWORT IM WORT.

Was bedeutet das Wort „Paradies“? Die griechische Übersetzung des sumerischen Ausdrucks Guan Eden, der zu unserem „Garten Eden“ umgelautet wurde, heißt wörtlich „Rand der himmlischen Steppe“. Eden allein bezeichnet die Steppe. Die Steppe ist eine Art Wüste. Im spirituellen Sprachgebrauch ist die Wüste, die gleichsam nur aus sich selbst besteht, der von äußeren Eindrücken „leere“ Ort der inneren Abgeschiedenheit, an dem die Seele Gott begegnet, der ebenso nur aus sich selbst besteht („Ich bin, der ich bin“). Auch Jesus zog sich regelmäßig an diesen inneren Ort zurück (vgl. z. B. Mt 4,1).

Fragen-Beantwortung: Soami Divyanand
www.dsforg.net

AGBCopyright & DatenschutzImpressumKleinanzeige aufgeben