Meister und ihr Tod

Meister und ihr Tod

Spirituelle Einblicke, meisterhaft gewährt

Wir kennen aus der Geschichte berühmte Beispiele für die ergebene Gelassenheit, mit der gottverwirklichte Menschheitslehrer wie Jesus dem Tod ins Auge sahen. Ihr übermenschliches Verhalten offenbart uns tiefe Einblicke in ihre göttliche Natur.

VORGESTELLT. Soami Divyanand , geboren 1932, lehrt seit fast 40 Jahren den spirituellen Pfad des inneren Lichts und Klangs, der in allen heiligen Schriften bezeugten Offenbarungsformen Gottes.

GRENZENLOS IM KÖRPERKLEID. Gott kleidet sich in das Fleisch des Menschen, um für den Menschen zugänglich zu sein. Um die Liebe derer zu gewinnen, die er zu ihrem Ursprung zurückführen soll, unterwirft er sich freiwillig den natürlichen Begrenzungen der physischen Existenz, wird er „einer von uns“. Er zeigt nicht, dass er

  • jenseits der Bedingungen von Raum und Zeit als Geist jederzeit überall weilen kann. Dennoch erfährt dies der Schüler, dem er sich – physisch durch Kontinente getrennt – in der Vision offenbart.
  • nicht mehr dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterworfen ist, sondern allein den göttlichen Willen ausführt. Dennoch kann ein aufmerksamer Beobachter feststellen, dass er bei allem, was er tut, selbstlos handelt.
  • jeden Augenblick von göttlicher Seligkeit erfüllt ist. Dennoch sieht eine empfängliche Seele diese Trunkenheit in seinen Augen.
  • in Wort und Tat unmittelbar von Gottes Weisheit geleitet wird. Dennoch erfährt jeder Schüler in seinem eigenen Leben, dass der Meister „ins Verborgene sieht“, wenn er ihm einen Rat gibt oder etwas für ihn tut.

Das Außergewöhnliche am Tod der Meister offenbart sich nur ganz empfänglichen Seelen. Ein Schüler sah in der Vision zu seinem Erstaunen, wie sein zu Tode gemarterter Meister lächelnd in glückseliger Versenkung saß, während Rosen auf ihn niederregneten.

UNABHÄNGIG VON KRANKHEIT UND VERFALL. Auch seinen Körper unterwirft der Gottmensch den natürlichen Zeichen des Verfalls, obwohl er jenseits des Gesetzes von Ursache und Wirkung steht und folglich nicht dem Alterungsprozess zu unterliegen bräuchte. Dennoch können wachsame Schüler beobachten, dass er scheinbare Erschöpfung oder körperliche Schwäche von einem Augenblick zum anderen überwinden kann.

Dasselbe gilt für Krankheiten: Die Meister leiden generell nicht an chronischen Krankheiten, denen andere Menschen oft im Tod erliegen. Aber sie unterziehen sich gelegentlich und vorübergehend einer Krankheit oder Verletzung, wenn es damit eine besondere spirituelle Bewandtnis hat, etwa um einem Schüler zu zeigen, dass ihre Liebe zu ihm sogar die Bereitschaft einschließt, einen Teil seines Leidens auf sich zu nehmen.

Dabei offenbaren sie zugleich, dass diese Krankheit nicht wirklich Besitz von ihnen ergreifen kann, zum Beispiel indem sie – um einen Vortrag zu halten oder anderen zu dienen – ganz plötzlich wieder vollkommen genesen und Leistungen vollbringen, die einem Gesunden alle Ehre einbringen würden.

Und obwohl die Meister alle auf natürliche Weise sterben, also ihren physischen Körper aufgeben und als Leiche der Verwesung überlassen, ist dennoch etwas Außergewöhnliches an ihrem Tod – das wiederum nur für denjenigen sichtbar ist, dem es bestimmt ist, dies wahrzunehmen.

FURCHTLOS VOR DEM TOD. Wir kennen aus der Geschichte einige berühmte Beispiele für die Gelassenheit, mit der solche Menschheitslehrer dem Tod ins Auge sehen.

Sokrates war eingesperrt worden, weil er mit seiner Lehrtätigkeit angeblich die Jugend verdarb. Er hatte jede Möglichkeit, aus dem Gefängnis zu entkommen. Doch er widerstand dem Drängen seiner Schüler, davon Gebrauch zu machen: Er wollte durch seinen Tod bis zur letzten Konsequenz vorleben, was er ein Leben lang gelehrt hatte. Vor den Augen seiner hilflos bestürzten Anhänger trank er voller Heiterkeit den Schierlingsbecher, nachdem er ihnen versichert hatte, dass der Tod für ihn das Tor zu einer höheren Existenz sei, die ihm bereits bekannt war.

Jesus gab ein ebenso leuchtendes Beispiel vollkommener Ergebenheit in den Willen Gottes, denn da er sämtliche Ereignisse, die zu seiner Kreuzigung führen würden, bereits lange vorher voraus wusste, wäre es ihm ein Leichtes gewesen, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Er aß sogar das letzte Mahl zusammen mit demjenigen seiner Jünger, von dem er wusste, dass er ihn verraten würde. Er betete zu Gott um Vergebung für seine Folterknechte und befahl seinen Geist in Gottes Hände, als sein Martyrium „vollbracht“ war.

Guru Arjan Dev, der fünfte Guru in der Geschichte der Sikhs, vergab der Überlieferung nach ebenfalls seinen Mördern. Er wurde gezwungen, auf glühenden Kohlen zu sitzen, was er still und ohne Anzeichen von Schmerzen tat, während man ihn mit siedendem Öl übergoss. Als einer seiner Schüler diesen Anblick nicht ertragen konnte und mit dem Schwert eingreifen wollte, hielt ihn der Meister zurück. Er befähigte ihn, sich im Geist zu sammeln und über das Körperbewusstsein zu erheben. In der Meditation sah der Schüler zu seinem Erstaunen, wie sein Meister lächelnd in glückseliger Versenkung saß, während es Rosen auf ihn herabregnete.

JENSEITS ALLER BINDUNGEN. Diese Beispiele zeigen:

  • Die Gottessöhne können ihren Geist vollkommen beherrschen und ihr Bewusstsein nach Belieben vom Körper zurückziehen, dessen Torturen sie daher nicht empfinden.
  • Auch angesichts des größten Unrechts, das ihnen geschieht, werden sie nie von Hass bewegt, sondern empfinden selbst für ihre Feinde nur Liebe.
  • Sie sind dem Willen Gottes vollkommen ergeben und fürchten den Tod nicht im Mindesten, da sie wissen, wohin er sie führt.
  • Sie kennen – wie Jesus – die Zukunft und folglich auch den Zeitpunkt ihres Todes.
  • Mehr noch: Sie können diesen Zeitpunkt sogar nach Belieben selbst bestimmen.

Sant Kirpal Singh, meinem Meister, wurde einmal von einem berühmten Handleser mitgeteilt: „Deine Hand weist eine Linie auf, die ich nie zuvor gesehen habe. Ich weiß nur aus der Literatur, dass sie jemanden als einen Menschen ausweist, der den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmen kann.“

Radha Soami (bzw. Soami Shiv Dayal Singh) erklärte Berichten zufolge seinen Schülern einen Tag vor seinem Tod, er werde am nächsten Nachmittag um die und die Uhrzeit sterben, und tatsächlich starb er genau zu diesem Zeitpunkt.

„Baba“ Jaimal Singh, der Nachfolger Soamijis von Agra, hatte ebenfalls vorausgesagt, wann er sterben würde, und alle seine Angelegenheiten geordnet. Dennoch berichten seine Schüler, er sei an jenem Tag auf und ab gegangen, so als warte er noch auf jemanden oder etwas. Schlussendlich kam ein junger Mann, der ihn um die Initiation auf den inneren Weg bat. Jaimal Singh wies ihn in die Meditation ein, legte sich hin und starb mit den Worten, dies sei die letzte Seele gewesen, die Gott seiner Führung anvertraut habe, und nachdem er sie in seine Herde aufgenommen habe, könne er nun gehen.

ÜBERMENSCHLICH MENSCHLICH. Die spirituellen Meister sprengen also die Begrenzungen des Kreatürlichen, denen alle gewöhnlichen Sterblichen unterliegen, da ihr Geist mit dem allbewussten Gott verschmolzen ist. Sie haben sich über die bindende Kraft aller Karmas erhoben und leben nur noch, um ihren göttlichen Auftrag zu erfüllen: suchende Menschen mit der geistigen Rettungsleine des göttlichen Licht- und Klangstroms zu verbinden. Äußerlich leben sie wie gewöhnliche Menschen – während ihr Geist jederzeit Zugang zu den höchsten Offenbarungen Gottes hat. Sie sind wie der hansa – der mythische Schwan, der im Wasser schwimmt und sich doch jederzeit in die Lüfte erheben kann.

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