Paulus erfindet das Christentum

Paulus erfindet das Christentum

Teil 2: Von der Gottesschau zum blinden Glauben

Nicht Jesus begründete das Christentum, sondern Paulus. Seine Botschaft vom Erlösungstod Christi wurde zum Kern der neuen Religion. Wie schaffte es der selbst ernannte „Apostel“, Jesu Weg der direkten Gotteserfahrung zum blinden Glauben umzumünzen? So lautet die zweite Frage auf der spirituellen Spurensuche zum Paulus-Jahr 2009.

  • Während Jesu Jünger tatsächlich noch mehr Dinge sahen und hörten als viele Propheten und Gerechte (vgl. Mt 13,16-17), hat Paulus keinen Zugang zu inneren Offenbarungen mehr. Seine Botschaft stammt nur aus zweiter Hand (vgl. 1 Kor 15,3; 6). Die Offenbarungslehre Jesu wird damit zu einer bloßen Glaubenssache.
  • Die einzige Erlösungs-Chance der „auf seinen Tod Getauften“ (Röm 6,3) und mit ihm Begrabenen“ (Röm 6,4) besteht darin, an ihre Auferstehung nach dem Tod zu glauben, auf ewiges Leben nach dem Tod zu hoffen, und „auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus zu harren“ (1 Kor 1,7).

Blinder Glaube. „Glaube“, „Hoffnung“ und „Warten“ sind die Schlüs selbegriffe in Paulus‘ Terminologie. Sie hängen alle nur von seiner Verkündigung ab, die er als seine entscheidende Aufgabe betrachtet. Deren Gegenstand aber ist der gekreuzigte Christus (1 Kor 1,23). Bei Jesus diente die Unterweisung der Jünger noch der Vorbereitung auf die Taufe mit den inneren Offenbarungen und der Praxis begleitenden Führung auf dem Gottespfad.

Die ganze Lehre des Paulus hängt an einem einzigen großen Wenn – ohne jeden Beweis – und erinnert an Jesu Wort vom Blinden, der die Blinden führt.

Wie wenig Paulus vom eigentlichen Ziel des Gottespfades – der Gotterkenntnis – versteht, geht aus dem Philipper- Brief 3,10 hervor. Dort gesteht er, dass er Christus selbst noch gar nicht erkannt hat: „Ihn will ich erkennen“, aber bezeichnenderweise nicht durch innere Offenbarungen, sondern durch „die Leidensgemeinschaft mit ihm, indem ich gleichförmig werde mit seinem Tode“ (vgl. INFO 1). Häufig schließt er sich selbst in die Hoffnung auf künftige Segnungen mit ein, die er anderen ein flößen will. All dies liest sich wie Jesu Wort vom Blinden, der die Blinden führt, bis beide in die Grube fallen (vgl. Mt 15,14).

Der blinde Glaube, den Paulus von seinen Anhängern verlangt, führt schon alleine deshalb zu nichts, weil seine „Beweise“ stets von den eigenen Hypothesen abhängig sind. Die Argumente drehen sich um sich selbst – wie eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt –, ohne den geringsten Nachweis außerhalb ihrer eigenen Logik. Ein Beispiel dafür steht im 1. Korintherbrief 15,12-20, wo Paulus mit der von „etlichen unter euch“ geäußerten (durchaus berechtigten!) Kritik zu kämpfen hat: „Eine Auferstehung von den Toten gibt es nicht.“ Diesen Einwand sucht er mit folgender Beweiskette zu entkräften: „Wenn es keine Auferstehung von den Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist damit auch unsere Predigt nichtig, und ... euer Glaube unsinnig. ... Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als Erstling der Entschlafenen.“ (Vgl. INFO 2)

Die ganze Lehre des Paulus, sein ganzer Glaube, hängt an einem einzigen großen Wenn – ohne Beweis, Realität oder Autorität von seiner Seite. Er kann nicht wie Jesus mit der Vollmacht des Vaters sprechen, der ihm direkt eingibt, was jeweils zu sagen ist: „Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Jh 7,16). Paulus’ einzige „Inspirationsquelle“ ist der bloße Glaube und die Hoff nung. Als er unter Anklage gestellt wird und sich dazu äußern soll, erklärt er: „Dabei glaube ich alles, was im Gesetze und in den Propheten geschrieben steht, und ich hege zu Gott die Hoffnung, … dass es dereinst eine Auferstehung der Gerechten … gibt“ (Apg 24,14-15).

Leere Versprechungen. Da die paulinischen Lehren nur aus Spekulation und Hoffnung gespeist werden, sind sie so angelegt, dass sie jeden Anspruch auf Beweise oder erfahrbare Bestätigung während eines Menschenlebens von vorne herein ausschließen.

Denn für Paulus gibt es kein spirituelles Erwachen der Seele während des irdi schen Lebens, sondern erst nach dem Tode: „Gesät wird ein sinnenhafter Leib, auferweckt wird ein geistiger Leib. So gut es einen sinnenhaften Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen. … Aber nicht das Geistige kommt zuerst, sondern das Sinnenhafte, dann das Geistige. … Fleisch und Blut können das Gottesreich nicht erben, … wohl aber werden wir alle verwandelt werden … beim Schall der letzten Posaune… Es muss nämlich dieses Sterbliche (erst das Gewand der) Unsterblichkeit anziehen (1 Kor 15,44- 53). So geschah es angeblich mit Jesus, der nach Paulus’ Deutung erst nach seinem Tode (!) vergöttlicht wurde (vgl. Röm 1,3-4 bzw. 6,10) – und vorher also ein ganz gewöhnlicher Mensch und Sünder war! –, und wenn wir nur fest daran glauben, wird es auch mit uns geschehen. Und dieses verheißene post mortem-Recht auf Unsterblichkeit verdienen wir nur durch das Bekenntnis zum Glauben an Jesu Auferstehung.

Das Motto der paulinischen Lehren lau tet also: Glaub oder stirb! Denn wenn die Unsterblichkeit erst nach dem Tod zu erfahren ist, ist praktischerweise kein Mensch je in der Lage, sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen…

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