Praktische Selbstanalyse

Praktische Selbstanalyse

Etwas zu analysieren bedeutet, es in seine Bestandteile zu zerlegen, um es besser zu verstehen. Auch die praktische Selbstanalyse dient dem Zweck, zu begreifen, wer wir wirklich sind. Dabei geht es jedoch nicht darum, unsere Gefühle und Gedankenregungen mental auseinander zu pflücken, sondern unmittelbar zu erfahren, was übrig bleibt, wenn wir uns vorübergehend von unseren materiellen, veränderlichen Anteilen trennen (Körper, Psyche, Verstand): die Seele, unser unvergängliches Bewusstsein. Diese Trennung ist möglich, wenn wir unsere Aufmerksamkeit in der Meditation von allen äußeren Dingen abziehen und nach innen konzentrieren.

Etwas zu analysieren bedeutet, es in seine Bestandteile zu zerlegen, um es besser zu verstehen. Auch die praktische Selbstanalyse dient dem Zweck, zu begreifen, wer wir wirklich sind. Dabei geht es jedoch nicht darum, unsere Gefühle und Gedankenregungen mental auseinander zu pflücken, sondern unmittelbar zu erfahren, was übrig bleibt, wenn wir uns vorübergehend von unseren materiellen, veränderlichen Anteilen trennen (Körper, Psyche, Verstand): die Seele, unser unvergängliches Bewusstsein. Diese Trennung ist möglich, wenn wir unsere Aufmerksamkeit in der Meditation von allen äußeren Dingen abziehen und nach innen konzentrieren.

Auf der Suche nach Glück

Das menschliche Leben spielt sich auf der körperlichen, psychischen und mentalen Ebene ab, obwohl wir selbst bewusste Wesen sind - wir sind die Seele. Als Menschen haben wir vor allem unseren Verstand gebraucht und, was äußeres Wissen betrifft, bemerkenswerte Fortschritte gemacht, die früher undenkbar schienen, und doch sind wir bei all dem nicht glücklich. Die ganze Welt sucht dauerhaftes Glück.Warum müht sich der Mensch ab, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Weil er nach Glück strebt. Warum wünscht er sich eine gute Gesundheit? Wieder um glücklich zu sein. Welchen Grund hat dieses ganze Weltgeschehen? Es entspringt der Hoffnung, durch all unser Handeln etwas Glück zu erlangen. Doch die traurige Tatsache ist, dass der Mensch nicht erkennt, dass dieses Glück nicht durch weltliche Dinge zustande kommt. Er sucht in der falschen Richtung, denn in Wirklichkeit liegt das wahre Glück in uns selbst. Tatsächlich ist unsere Seele vom selben Wesen wie die Überseele, die wir Gott nennen: immerwährend, der Inbegriff aller Weisheit, aller Freude und allen Glücks. Das heißt, wir haben in einem kleineren Maßstab dieselben Eigenschaften wie der Herr.

„Wer die erste Lektion der Spiritualität gelernt hat, schwingt sich wie ein Flugzeug zu den höheren Ebenen auf.“

Der Weg zum Glück

Wie findet man also wahres Glück? Indem die bewusste Seele sich wieder mit der Überseele verbindet, denn sie ist das Abbild des Herrn – ein Tropfen aus dem Meer aller Bewusstheit, das die ganze Schöpfung aufrecht erhält und in allen Wesen gegenwärtig ist. In den Upanischaden wird gefragt: „Wer ist der große Künstler, der diesen Menschenkörper erschaffen hat?“ Habt ihr jemals ein Haus mit so vielen Öffnungen (Augen, Nase, Mund usw.) gesehen, aus dem der Bewohner dennoch nicht entkommen kann? Er wird dort vom Erbauer des Hauses überwacht, denn dieser bewohnt es gemeinsam mit unserer Seele. Doch obwohl wir Tag für Tag mit ihm zusammen leben, sind wir uns dessen nicht bewusst, weil unsere Aufmerksamkeit immer nach außen gerichtet ist. Während wir im Körper weilen, erscheint er uns sehr wertvoll, und trotzdem sind wir darin gefangen und bleiben es so lange, bis wir von der Kraft, die ihn kontrolliert, daraus befreit werden.
Wie kann man diese Kraft erfahren? Sie lässt sich nicht durch die Sinne erkennen, denn solange die Sinne, das Gemüt und der Verstand aktiv sind, ist diese Erfahrung nicht möglich. Man kann Gott nur durch die Seele erfahren, wenn sie durch praktische Selbstanalyse zur Selbsterkenntnis gelangt. Indem wir die Materie (unseren Körper mit Sinnen, Gemüt und Verstand) vom Bewusstsein (unserer Seele) trennen, können wir lernen, was es ist, das all unsere Kräfte kontrolliert.

Schlüsselfunktion Aufmerksamkeit

Man kann auch sagen, dass wir bei diesem Vorgang die Aufmerksamkeit kennen lernen, denn ohne die Aufmerksamkeit arbeiten nicht einmal die Sinne. Ihr habt zum Beispiel sicher schon bemerkt, dass ihr jemanden, der euch anspricht, gar nicht hört, wenn eure Aufmerksamkeit vollständig auf etwas anderes konzentriert ist. Wenn sich der Betreffende über eure fehlende Reaktion beklagt, erklärt ihr ihm normalerweise: „Oh, ich habe dich gar nicht gehört – ich war mit meiner Aufmerksamkeit woanders.“ Wenn die Aufmerksamkeit nicht beim Gehörsinn ist, nimmt das Ohr von außen nichts auf. Oft laufen wir auch mit offenen Augen an jemandem vorbei, ohne ihn zu bemerken, weil unsere Aufmerksamkeit mit etwas anderem beschäftigt ist.

Manchmal stellen wir auch fest, dass wir die Worte, die jemand zu uns gesagt hat, nicht ganz verstanden haben, obwohl sie vielleicht ganz einleuchtend waren – und zwar deshalb, weil unsere Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet war. Das beweist, dass auch der Verstand ohne die Aufmerksamkeit nicht funktioniert.

Dieser Körper, in dem wir als Seele leben, ist eine wunderbare Maschine. Er funktioniert so ähnlich wie eine Fabrik, die aus einem nahe gelegenen Kraftwerk (der Seele oder dem Bewusstsein) mit Strom (der Aufmerksamkeit) versorgt wird. Alle Abteilungen funktionieren nur, wenn sie mit diesem Strom verbunden sind. Wenn irgendein Gerät davon abgeschnitten wird, hört es zu arbeiten auf. Wenn der Hauptschalter betätigt wird, ist sogar die ganze Fabrik außer Betrieb.

Die Aufmerksamkeit bewusst lenken

Eigentlich sollten wir fähig sein, durch den Körper zu wirken, ihn zu verlassen oder uns darüber zu erheben, wie es uns gefällt oder wie es gerade erforderlich ist. Wie kann eine Seele sonst glücklich sein? Ohne diese Fähigkeit ist sie im Körper gefangen: in einer Sekunde kann der Gehörsinn von einem bezaubernden äußeren Klang angezogen werden oder die Augen von etwas Schönem; und ähnlich ist es mit den anderen Sinnen des Geruchs, der Berührung und des Geschmacks. Die Aufmerksamkeit wird fortwährend hilflos von einem Ort zum anderen gezogen. Unsere erste Aufgabe ist es also, diese Sinne zu beherrschen und auch das Gemüt und den Verstand zur Ruhe zu bringen.

Ich kann zum Beispiel meine Uhr abnehmen und vor mich hinlegen; ich kann meine Schuhe ausziehen und neben mich stellen; ich kann meinen Mantel ablegen und dann wieder anziehen – und genau so legen die Menschen, die sich ins Jenseits erheben können, ihren Körper ab und wieder an, wirken durch jeden beliebigen Sinn und hören dann willentlich wieder damit auf. Sie sehen mit offenen Augen – oder auch nicht, ganz wie sie wollen, und genauso ist es mit den anderen Sinnen.

Erst wenn ihr diese Stufe erreicht habt, könnt ihr sagen, dass ihr euch selbst erkannt habt. Das ist eine Sache der Selbstanalyse. Bis wir diese Fähigkeit erlangen, haben wir kein Bewusstsein von unserem wahren Selbst, geschweige denn von der Art und Weise, wie das wahre Selbst den Körper und alle seine Energien bewegt.

Die erste Lektion der Spiritualität

Diese Kraft, die eigentlich wir selber sind, muss an einem Zentrum, dem Dritten Auge, gesammelt werden – dann hört sie auf, durch den Körper zu wirken. In diesem Zustand könnte man euch jeden Körperteil abschneiden, und ihr würdet keinen Schmerz empfinden. Das habt ihr sicher in einem kleineren Maßstab schon erfahren. Wenn ihr zum Beispiel eure Aufmerksamkeit vollkommen abwendet, spürt ihr den Einstich nicht, wenn der Arzt euch eine Spritze gibt. Für dieses Phänomen gibt es noch viele andere Beispiele.

Das Sammeln und Ablösen der Aufmerksamkeit vom Körper und der äußeren Welt ist eine praktische Wissenschaft. Durch den Verstand können wir nur die Theorie lernen, aber der praktische Vorgang der Selbstanalyse beginnt mit einer praktischen Demonstration; und wer immer diese Wissenschaft gemeistert hat, kann anderen diesen praktischen Beweis geben.

Wenn ihr auf diesem Wege die körperliche Ebene hinter euch lasst, habt ihr die erste Lektion der Spiritualität gelernt. Von da aus werdet ihr euch wie ein Flugzeug zu den höheren Ebenen aufschwingen. Wo die Philosophien der Welt enden, dort beginnt die wahre Religion. Das Wort „Religion“ bezeichnet seiner wahren Bedeutung nach die Wiederverbindung der Seele mit Gott, denn re heißt „zurück“ und ligio „Verbindung“. Wir müssen wieder mit unserer eigenen Wirklichkeit verbunden werden – mit unserem eigenen Ursprung; das ist wahre Religion. Die äußeren Gruppierungen, die wir Religionen nennen, sind lediglich soziale Gemeinschaften.

Aufbruch nach innen

Äußere Sinnesreize ziehen unser Bewusstsein bald hierhin, bald dorthin, aber wer will sie schon freiwillig aufgeben? Wir können von einer Sache, die uns fesselt, erst dann ablassen, wenn uns dafür etwas noch Schöneres geboten wird. Das einzige, was mehr Anziehungskraft besitzt als alle Freuden dieser Welt, ist als Brot, Nektar oder Perle des Lebens bekannt: göttliche Seligkeit. Denn Gott ist vollkommene Seligkeit, und an dieser Seligkeit kann sich auch unsere Seele erfreuen, wenn sie wieder mit Ihm verbunden ist.

Dazu müssen wir unsere Aufmerksamkeit vollständig von allen äußeren Dingen zurückziehen und uns über die Sinne, das Gemüt und den Verstand erheben. Wir haben diese Kräfte bekommen, aber wir sind sie nicht. Genau genommen versorgen wir sie erst mit „Strom“ oder Energie. Der erste praktische Schritt, um dies zu erkennen, besteht darin, sich über das körperliche Bewusstsein zu erheben, indem wir eine Zeitlang bewusst aufhören, durch den Körper zu wirken. Hier beginnt das ABC der Spiritualität.

Jenseits des physischen Bewusstseins bewegen wir uns nicht mehr im physischen Körper und in der physischen Welt, sondern zuerst im Astralleib und in der Astralwelt, und als nächstes im Kausalkörper auf der Kausalebene, in dieser Reihenfolge. Schon auf der ersten Stufe beginnt man zu erkennen, dass alle Dinge von einer höheren Macht durchdrungen werden. Das Einzelauge beginnt sich zu entwickeln, durch das man in der ganzen Schöpfung die Offenbarung Gottes sieht. „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein.“ Wann öffnet sich dieses Auge? Wenn man seine Aufmerksamkeit und damit seine Sinne kontrolliert – dann offenbart sich das innere Licht.

Das ABC der Spiritualität beginnt, wenn man eine Zeitlang bewusst aufhört, durch den Körper zu wirken. Erst so bekommt man ein Beusstsein von seinem wahren Selbst.

Rückkehr zur Quelle

Gott ist wortlos, namenlos, tonlos, formlos. Er ist etwas, das aus sich selbst heraus besteht und das niemand kennt. Aber als Er sich zum Ausdruck brachte, offenbarte sich zuerst das heilige Licht, und daraus der göttliche Klang. Beide sind in jedem Wesen und können direkt wahrgenommen werden. Die meisten Gottsucher folgen nur dem Hörensagen – sie haben nichts gesehen. Man muss eine praktische innere Erfahrung erhalten, die man sein eigen nennen kann. Selbsterkenntnis kann nur durch Erfahrung zustande kommen.

Jeder hat Gott in sich. Ihr alle habt dieses Licht in euch, nutzt aber seine Möglichkeiten nicht. Wenn man in sich geht, findet man dort große Seligkeit, immerwährende Wonne. Sie ist ganz anders als weltliches Glück, das nur solange währt, wie unsere Aufmerksamkeit darauf konzentriert ist. Wenn man im Innern bleibt, ist man für immer voller Seligkeit.

Diese Seligkeit ist die Nahrung der Seele, das Brot und Wasser des Lebens. Wenn sie von diesem Nektar trinkt, vergeht jeder andere Geschmack. Wenn ihr davon bereits gekostet habt, und sei es noch so wenig, dann nehmt täglich mehr davon. Im Moment hindert euch euer Gemüt vielleicht daran, nach innen zu gehen, aber wenn ihr diese Fähigkeit erlangt, wird es euch nicht mehr erlauben, nach außen zu gehen! Wenn man eine brennende Kerze umdreht, steigt ihre Flamme weiterhin nach oben, denn ihre Quelle ist die Quelle allen irdischen Lichts: die Sonne. Genauso strebt die Seele, die mit dem göttlichen Licht verbunden ist, unaufhaltsam ihrem Ursprung entgegen: Gott. Wer dagegen unter dem Einfluss des Gemüts und der Sinne steht, ist wie Lehm – ganz gleich, wie hoch ihr einen Lehmklumpen in die Luft werft, er kehrt immer wieder zu seinem Ursprung, der Erde, zurück.

Wahres Glück erlangen

Wahres Glück zu erlangen ist wirklich und wahrhaftig der Zweck des menschlichen Lebens. Und das Brot des Lebens zu erhalten und den göttlichen Nektar zu kosten ist der größte Segen, der einem im Leben zuteil werden kann. Wer bereits ein Quäntchen dieses Reichtums erhalten hat, sollte sein Möglichstes dafür tun, um ihn zu vermehren. Der Schatz, den ihr auf diese Weise anhäuft, wird am Ende mit euch gehen, wenn alle anderen Dinge hier bleiben: Reichtum, Besitz – sogar den Körper müsst ihr zurück lassen.

Ich wünsche, dass ihr aus diesem unschätzbaren Juwel vollen Nutzen zieht. Widmet euch deshalb euren Meditationsübungen, denn dort findet ihr das wahre Gut, das niemals seinen Wert verliert.

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