Wie sind wir karmisch verbunden?
Schüler-Fragen, meisterhaft geklärt
VORGESTELLT.
Sant Kirpal Singh (1894- 1974) lehrte ab 1948 den Pfad des inneren Lichts und Klangs. In lebensnahen Briefen und Gesprächen „von Herz zu Herz“ unterstützte er seine Schüler auf ihrem spirituellen Weg.
FRAGE: Kommt es eigentlich oft vor, dass Paare, die in diesem Leben verheiratet sind, auch schon in früheren Lebensläufen verheiratet
waren?
ANTWORT: Das kann, muss aber nicht sein. Es ist so: Menschen werden nach dem Gesetz des Gebens und Nehmens zusammengeführt, weil sie als Folge ihrer früheren Handlungen noch etwas aneinander gut zu machen haben. Auf diese Weise kommen die einen als Mann und Frau zusammen, andere als Eltern und Kinder. Das dient lediglich dazu, ihr Geben und Nehmen ohne Rückstände auszugleichen.
Dass wir uns wiederverkörpern, ist allerdings eine Tatsache – auch wenn dies von verschiedenen Seite geleugnet wird. Ich kenne sogar Menschen, die sich an ihre letzte Geburt erinnern. Sie wussten Details aus ihrem früheren Leben zu berichten, die nachgeprüft und bestätigt werden konnten.
Es ist besser, nichts über unsere alten karmischen Bekannten zu wissen: Sonst würden wir sie meiden oder uns noch enger an sie binden.“
FRAGE: Erkennt man solche Zusammenhänge nicht erst, sobald man die Kausal-Ebene überschritten hat?
ANTWORT: Ja, eher nicht. Wüsste man vorher, mit wem man es zu tun hat, dann wäre das mit einem doppelten Risiko verbunden: Man würde versuchen, dem anderen ganz aus dem Weg zu gehen, oder aber dazu neigen, sich noch stärker an ihn zu binden. Solche ungelösten Beziehungen sind ja gerade die Ursache dafür, dass wir wieder hier unten auf dieser Welt gelandet sind. Darum ist es besser für uns, wenn wir keine näheren Hintergründe wissen und uns statt dessen darum kümmern, alles aus dem Weg zu räumen, was unserer Heimkehr zu Gott noch entgegen steht. Denn die Rückkehr zu Gott ist das höchste Ziel, das uns als Menschen aufgegeben ist.
FRAGE: Treffen wir – abgesehen von Ehepartnern, Eltern und Kindern – auch noch andere Menschen wieder, die wir schon aus früheren Lebensläufen kennen? Und falls ja, geschieht dies nur ein einziges Mal oder öfter? Gibt es vielleicht sogar ein festes Muster, nach dem wir immer wieder denselben „alten Bekannten“ begegnen?
ANTWORT: Nein, nicht notwendigerweise. Es kann allerdings sein, dass unser gegenseitiges Geben und Nehmen nach einem Leben noch nicht ausgeglichen ist. Dann müssen wir in einem anderen Gewand – einem neuen Körper – wiederkommen, um es zu Ende zu bringen.
Solche Verzögerungen können verschiedene Gründe haben. Der eine weigert sich zum Beispiel, eine karmische Schuld zu begleichen, bis er schließlich vom Schicksal dazu genötigt wird. Ein Zweiter will unbedingt einem Mitmenschen helfen. Doch so sehr er sich auch für ihn abmüht – er kann ihn doch nicht retten. Ein Dritter liebt einen anderen so, dass er ihm alles erdenkliche Gute angedeihen lässt, und trotzdem bleibt die Liebe, die er ihm entgegen bringt, unerwidert.
Das alles sind Komplikationen, die wir durch unsere eigenen früheren Handlungen selbst verursacht haben, und dann dauert es eben entsprechend länger, bis sie aufgelöst sind.
FRAGE: Auf welcher Ebene entscheidet sich denn überhaupt, welche karmische Rolle wir in einem bestimmten Leben zu spielen haben? Auf der Astral-Ebene? Oder wird das auf höchster Ebene direkt vom Meister bestimmt? Oder hat das mit den „Herren des Karmas“ („Lords of Karma“) zu tun, von denen Madame Blavatsky in diesem Zusammenhang immer spricht?
ANTWORT: Der Ausdruck „Herren des Karmas“ ist eine Umschreibung für die Negative Kraft. Ihr ist das karmische Gesetz unterstellt, das für die Erhaltung der Schöpfung sorgt. Es muss ja schließlich eine Instanz geben, die das gerechte Zusammenspiel von Ursache und Wirkung überwacht. Und dieses Spiel folgt der Regel: „Wie du säst, so wirst du ernten.“
Und was die Frage angeht, wo über unser Karma entschieden wird, so geht sie am Kern der Sache vorbei. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Wie geht man mit seiner karmischen Rolle um? Angenommen, ein Mann bekommt aus Gründen, die in seiner karmischen Vergangenheit wurzeln, einen Sohn. Dann sollten beide Beteiligte, erst der Vater und dann auch der Sohn, diese Verbindung als von Gott gestiftet annehmen und sie gemeinsam im Geiste spiritueller Ergebenheit gestalten. Vor diesem Hintergrund werden beide Seiten dem Ziel nacheifern, Gott zu erkennen.
Wir werden durch Gottes Ratschluss zusammengeführt, und die Grundlagen dafür haben wir durch unser eigenes Verhalten in früheren Lebensläufen gelegt. Nun gilt es, das wechselseitige Geben und Nehmen restlos zum Ausgleich zu bringen.
Erntet also bereitwillig, was ihr früher einmal gesät habt, bis keine Saaten mehr übrig sind, die noch auskeimen könnten, und übt euch zugleich in beständiger Achtsamkeit, um keine neuen Saaten auszustreuen. Sonst müsst ihr zu einem späteren Zeitpunkt erneut die Früchte davon ernten.
FRAGE: Und was ist, wenn es trotz aller Umsicht passiert, dass wir neue Saaten säen?
ANTWORT: Um das mit Sicherheit auszuschließen, müsstet ihr genau unterscheiden können, ob eine Handlung, die ihr in der Gegenwart vollzieht, eine festgelegte Rückwirkung aus der Vergangenheit ist, oder ob ihr aus eurem freien Willen heraus im Begriff seid, eine ganz neue Handlung zu begehen. Das könnt ihr zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht auseinander halten. Diesen Unterschied erkennt man erst von der Kausal- Ebene aus – also auf einer sehr fortgeschrittenen Stufe der spirituellen Entwicklung.
Auf dieser Stufe wird einem bewusst, dass es nur eine einzige Kraft gibt, die das gesamte Schöpfungsgeschehen bewirkt und lenkt, und dass auch die Negative Kraft nur ein Teil von ihr ist. Bis dahin nimmt sich jeder Mensch aus seiner begrenzten Sichtweise heraus als Urheber seiner Handlungen wahr. Dann ist er es auch, und alles, was er tut, fällt auf ihn selbst zurück. Was er anderen getan hat, muss er irgendwann am eigenen Leib erleben oder erleiden.
Der Sufi-Heilige Sa’di sprach daher die folgende Warnung aus: „Verlass dich nie auf deine eigene Kraft, solange du in dieser Welt lebst und wirkst. Es ist der Unsichtbare, der deine Arme führt und dich jeden Augenblick stützt.“
Hat man aber einmal Gott als den „Einzigen Beweger“ erkannt, erkennt man auch, dass man selbst nur ein Werkzeug in seinen Händen ist, und wirkt von da an nach seinem Willen an der Erfüllung des göttlichen Planes mit. Dann ist kein Ich mehr da, das eigene Handlungen begehen könnte, und keiner, der die Rückwirkungen dafür ernten müsste.
FRAGE: Und wie sollen wir uns in der Zwischenzeit verhalten, bis wir zu dieser Stufe aufgestiegen sind?
ANTWORT: Haltet euch am besten an die Führung, die euch der Meister erteilt. Er wird euch raten: „Nehmt die Umstände so an, wie sie sind. Stellt euch bewusst auf die Gegebenheiten ein. Gestaltet euer Zusammenleben, so gut es geht, und überlasst alles Weitere Gott.“
Fragenklärung: Kirpal Singh

