Wir sind ineinander verwoben
Warum das tantrische Bewusstsein in unserer Zeit so wichtig ist
Wie definieren Sie Tantra?
Meines Erachtens ist es schwierig, einen Begriff aus dem Sanskrit in die westlichen Sprachen zu übersetzen. Vom philosophischen Hintergrund des Tantra her betrachtet bedeutet es, dass es eine Einheit von und zwischen allem gibt, was existiert. Die Schwierigkeit mit den westlichen Sprachen besteht genau darin, dass die Worte immer den analytischen Aspekt und die Dualität beinhalten. Der indische philosophische Hintergrund ist ja schließlich ein ganz anderer als der abendländische. Deshalb übersetze ich den Begriff Tantra so ungerne.
Was ich aber benennen kann, sind drei Punkte, die für mich verdeutlichen, was Tantra bedeutet. Generell bedeutet es „weben“, „verweben“. Dann steht es für „Expansion“, „sich ausdehnen“. Das heißt, dass wir, wenn wir sensibel sind, Schwingungen aus dem Universum wahrnehmen können. Wenn wir dazu in der Lage sind, dann sind wir nicht mehr so identifiziert mit unserem Kopf, sondern haben uns in der Gänze ausgedehnt. Dann heißt Tantra auch Vereinigung, Einheit –hier insbesondere bezogen auf die biologische Einheit zwischen Männlich und Weiblich. Dieser Punkt – die Sexualität – wird im Westen irrtümlicherweise oft mit Tantra gleichgesetzt. Im ursprünglichen Tantra selbst hingegen ist die Sexualität ein Teil des gesamten Lebens. Natürlich ein maßgeblicher Teil, denn sonst würden wir alle nicht existieren. Aber alles im Tantra ist eingebunden in eine Wahrnehmung von Leben als Ganzem, nicht getrennt, nicht gespalten. Diese Tendenz, alles aufzuspalten und voneinander zu trennen, fällt mir in der westlichen Welt immer besonders auf. Meines Erachtens brauchen wir wieder eine Synthese. Und da kann Tantra helfen, auch für unseren persönlichen Lebensweg.
Dass meine Haut mich abgrenzt von den anderen, ist nichts anderes als eine materielle Illusion. (Monika Müller)
Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.

