Wirken Meister Wundertaten?
Schüler-Fragen, meisterhaft geklärt
Wirken die vollendeten Meister Wunder, um ihrer Botschaft Nachdruck zu verleihen oder ihre Schüler zu überzeugen?
Nein, die Meister zeigen niemals Wunder, nicht einmal, um ihre Schüler zu überzeugen. Wunder zu zeigen gilt als ein Zeichen von Ego. Wird die Tat eines Meisters dennoch von anderen als Wunder wahrgenommen, dann verhält er sich so, dass es von den übrigen Anwesenden nicht als solches betrachtet wird. So sagt zum Beispiel Jesus, als er die Tochter eines Gemeindevorstehers auferweckt, zu den Umstehenden: „Das Mädchen schläft nur“ (vgl. Mt 9,24). Solche Wunder stehen immer im Einklang mit dem Willen Gottes bzw. mit dem karmischen Gesetz. Sie dienen nicht dazu, die Macht des Wundertätigen zu zeigen, sondern dienen dem Heil des Menschen, dem sie widerfahren.
Wunder zur Schau zu stellen führt Menschen spirituell auf Abwege und bringt sie zu Fall. Die Meister würden nicht einmal Wunder tun, um ihren Schülern Leib und Leben zu retten, geschweige denn, um sie zu überzeugen. Es geht ihnen nur um das ewige Leben der Seele.
Sind Wunder nicht auch eine Möglichkeit, um Menschen auf die Meister aufmerksam zu machen und zu ihnen zu führen?
Äußere Zeichen oder Wunder sind von vorn herein ein falscher Maßstab zum Erkennen eines von Gott gesandten Meisters. Es ist ein unverbrüchliches spirituelles Gesetz, dass Meister nur auf zwei Arten und Weisen wirken dürfen: durch ihre Lehre und durch die praktische innere Gottes- Erfahrung, die sie ihren Jüngern vermitteln.
Niemand kann einem Meister glauben oder gar nachfolgen, nur weil er bei ihm irgendwelche staunenswerten Phänomene gesehen hat, die seinen Verstand übersteigen. Allein die Offenbarungen, die seiner Seele Nahrung geben, können ihn von der Kraft des Meisters und der Gnade und Barmherzigkeit Gottes überzeugen. In diesem Sinne weist Jesus die Menschen, die sich ihm nach der Brotvermehrung anschließen wollen, mit den Worten ab: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird“ (Jh 6,26-27).
Außerdem kommt jeder Meister nur für bestimmte Seelen, die ihm von Anfang an zugewiesen sind (vgl. Mt 15,24): Sie tragen sein „Siegel“ und stehen in seinem „Lebensbuch“ (vgl. Off 7,3 bzw. 21,27). Sie werden ihm von Gott zugeführt, ohne dass er sie eigens suchen muss. Jesu erste Jünger folgten seinem Ruf zum Beispiel auf der Stelle (vgl. Mt 4,19-20). Sie benötigten keinerlei äußere Zeichen, denn: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ (vgl. Jh 10,14).
Wie kommt es dann aber, dass von Meistern wie Jesus so viele Wunder berichtet werden?
Auch Jesus hat keine Wunder gezeigt, sein Wirken war lediglich von solcher Art, dass es wie ein Wunder erschien.
Das Wirken der Meister ist immer wunderbar, aber sie tun nichts mit der Absicht, sich zur Schau zu stellen. Wenn sich im Zuge ihres spirituellen Wirkens auch Wunder ereignen, so geschieht dies nicht zu dem Zweck, äußere Demonstrationen für ihre göttliche Macht abzugeben. Nur wer Empfänglichkeit besitzt, kann ihre Wunder sehen, andere nicht. Die Meister wiederholen solche Handlungen auch nicht, wenn man sie darum bittet – wie Zauberkünstler, die ihre Kunststücke vorführen.
Sie verhalten sich in allem ganz natürlich. Selbst wenn sie jemand auf irgendein Wunder hinweist, das durch sie geschehen ist, nehmen sie es nicht als ihr Verdienst, sondern schreiben es ihrem Meister oder Gott zu bzw. dem Glauben und dem Gottvertrauen des Begünstigten.
Als eine Frau bei Jesus mit der Überzeugung Heilung sucht: „Wenn ich nur die Quaste seines Mantels anfassen kann, werde ich gesund“ (vgl. Mt 9,20), fühlt er „eine Kraft von sich ausgehen“, und fragt: „Wer hat meine Kleider berührt?“ (Vgl. Mk 5,30) Und dann sagt er ihr, wie auch schon bei ähnlichen Gelegenheiten: „Dein Glaube hat dir geholfen“ (Mt 9,20). Anderen schärft er zusätzlich „aufs strengste“ ein: „Nehmt euch in Acht, niemand soll es erfahren.“ Doch ohne Erfolg: „Sie aber gingen hinaus und verbreiteten die Kunde von ihm in jener ganzen Gegend“ (Mt 9,30).

