Religion in der modernen  Welt

Religion in der modernen Welt

Wahrheit oder Meinung?

Als Weltanschauung unter vielen schien die Religion in der modernen Welt gut untergebracht zu sein. Nun hat sie sich unerwartet als einflussreiche öffentliche Kraft zurückgemeldet, die anhaltend für Konflikte sorgt (Stichwort: Fundamentalismus). Um diese zu entschärfen, brauchen wir ein neues Verständnis von Religion, das sich statt an orthodoxen Positionen an ihrem ureigenen spirituellen Ziel orientiert – der transzendenten Verbindung mit dem Ursprung der eigenen Seele.

Unsere heutige Kultur kennt keine religiösen Wahrheiten – sie kennt nur Meinungen, die im Rahmen der Meinungsfreiheit toleriert werden und gesetzlich abgesichert sind.

In unserer heutigen postaufklärerischen Kultur wird die Religion üblicherweise als Summe bestimmter Meinungen verstanden. Entsprechend diskutiert man Religion meist im Kontext der Forderung nach gesetzlich garantierter Meinungsfreiheit. Als Meinung wird eine Religion nämlich toleriert, solange sie selbst tolerant bleibt und die Freiheit der anderen Meinungen nicht in Frage stellt und keinen ausschließlichen, fundamentalistischen Anspruch auf ihre eigene Wahrheit erhebt. Damit scheint die Religion gut aufgehoben zu sein. Sie wird nicht mehr, wie in den finsteren Zeiten der radikalen Aufklärung, im Namen der wissenschaftlichen Wahrheit kritisiert, ironisiert und sogar bekämpft. Vielmehr hat die wissenschaftliche Wahrheit selbst inzwischen den Status einer bloßen Meinung bekommen.- ...

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