Die Mitte stärken

Die Mitte stärken

Chinesische Ernährung als Weg zur Harmonie

Erschöpfung, Gewichtsschwankungen, Schlafstörungen – solche Befindlichkeitsstörungen betrachtet die chinesische Medizin als ernsten Ausdruck einer Mitte-Störung. Eine sorgfältige Nahrungsmittel-Auswahl bringt yin und yang wieder ins Gleichgewicht.

Die Mitte des Menschen

Haarausfall, chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Gewichtsschwankungen, Schlafstörungen: ein Großteil meiner Patienten klagt neben „echten“ Beschwerden über solche Befindlichkeitsstörungen. In der chinesischen Medizin betrachten wir sie als ernstzunehmenden Ausdruck einer Störung in der Balance der energetischen Mitte des Menschen, seiner energetischen Wurzel im Verhältnis von yin und yang.

Das chinesische Medizinsystem beschreibt den Menschen als Achse zwischen Himmel (yang) und Erde (yin). Er selbst stellt die Mitte dar und vereint beide Energien in sich. Da in der chinesischen Medizinphilosophie der Mensch selbst als Abbild des Kosmos gilt, also ebenfalls yin- und yang-Aspekte in sich trägt, besitzt auch er eine Mitte, die für die Verbindung zwischen den Energien des Himmels und der Erde sorgt. Wie die beiden Pole yin und yang sich im Körper auswirken, hängt im Weitesten von einer dritten, „feinstofflichen“ Kraft ab, dem Qi.

Atmungs- und Nahrungs-Qi

Der energetische Anteil des Himmels in uns ist das Atmungs-Qi. Das feine Himmels-Qi durchströmt und belebt uns mit jedem Atemzug. Steht der Atem still, verlieren wir die Verbindung zum Himmel, unser Leben endet. Die Atem-Pflege ist daher in vielen Traditionen ein wesentlicher Aspekt der Verbindung des Menschen mit seinem Schicksal. Das Atmungs-Qi befächelt wie ein Blasebalg das Feuer im Menschen, das Stoffwechselvorgänge wie die Körpertemperatur, aber auch unsere soziale „Umgebungstemperatur“ reguliert, das so genannte ming men-Feuer. Ming entspricht einem Schicksalsbegriff, men bedeutet Tor. Man könnte dieses Feuer als Voraussetzung für ein Leben betrachten, in dem wir unser volles Schicksals-Potential erfüllen. Brennt es zu heiß oder zu gering, sehen wir Menschen, die scheinbar „neben sich leben”. Menschliche Wärme oder Kühle sind ebenso wie warme oder kalte Füße ein energetischer „Temperaturfühler“ für das ming men-Feuer.

Die Verbindung zur Erde, die Nahrung des ming men-Feuers, erfolgt über das, was die Erde substanziell hervorbringt, das „Nahrungs-Qi“. Die Erde bildet unser Blut, sie bestimmt über unsere Nahrungsaufnahme, Körper-Erscheinung und -Kraft. Sie ermöglicht die Integration sämtlicher Belange in unser Bewusstsein. Eine sorgfältige Nahrungsmittel-Auswahl befestigt uns in unserer Achse zwischen Himmel und Erde. Daher auch die einfache Regel, die Ernährung an den Energien der Jahreszeiten zu orientieren. Die Mitte reguliert neben der Stoffwechseltätigkeit emotionale wie psycho-soziale Belange und bildet die Basis für die spirituelle Entwicklung. Ihre Transformationskraft ermöglicht es, äußere Einflüsse zu integrieren und gegebenenfalls zu einem Teil von uns werden zu lassen.

Harmonie zwischen Himmel und Erde

Die Mitte ist im Grunde recht robuster Natur. Erst fortdauernde Belastung stört sie. Nach chinesischer Medizinphilosophie weilt im Blut unser Geist, unser höheres, spirituelles Sein. Gerät es in einen Mangelzustand, so irrt der Geist umher. Schlaf und Konzentration sind gestört, auch Vergesslichkeit zeigt, dass wir nicht mit unserer ungeteilten Aufmerksamkeit anwesend waren. Wird hingegen das Blut träge, da nicht genug Qi aufgenommen wird, das es bewegen könnte, sitzt der Geist förmlich fest und beginnt sich ausweglos im Kreis zu drehen.

Die Mitte bestimmt auch unsere körperliche Erscheinung. Sie balanciert unsere ererbten Energien, mithin unsere grundsätzliche Ähnlichkeit mit den Eltern, mit dem, was wir nach der Geburt zu uns nehmen. Stören wir diese Balance, indem wir uns mehr nehmen, als angemessen ist, schlägt auch die Waage aus. Die Übereinstimmung unserer Herzens-Bedürfnisse mit den Anforderungen der Welt ist ins Wanken geraten. Dies geschieht auch, wenn man sich das Angemessene versagt. Fehl- und Unterernährung sind somit ein Zeichen der Unkenntnis oder auch Verachtung der eigenen Herzenswünsche, der Kommunikation mit den himmlischen Aspekten unseres Seins und der Wahrnehmung unserer irdischen Existenz. Unsere körperliche Erscheinung, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit, Unter- oder Übergewicht spiegeln auch unser Verständnis für uns selbst und unsere eigenen Belange wider.

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