Die Seele weiß, woran es krankt

Die Seele weiß, woran es krankt

Selbstheilung ist möglich, davon ist Filmemacher und Buchautor Clemens Kuby fest überzeugt. Nachdem er sich in seiner letzten Regiearbeit “Unterwegs in die nächste Dimension” und dem dazugehörigen Buch erstmals ausführlich mit der Thematik des geistigen Heilens befasst hat, veröffentlichte Kuby gerade ein weiteres Buch, in dem er ausführlicher auf das „Wunder der Heilung“ eingeht.

Selbstheilung ist möglich, davon ist Filmemacher und Buchautor Clemens Kuby fest überzeugt. Nachdem er sich in seiner letzten Regiearbeit “Unterwegs in die nächste Dimension” und dem dazugehörigen Buch erstmals ausführlich mit der Thematik des geistigen Heilens befasst hat, veröffentlichte Kuby gerade ein weiteres Buch, in dem er ausführlicher auf das „Wunder der Heilung“ eingeht.

Sie beschreiben in Ihrem neuen Buch, dass es ein stückweit belastend für Sie ist, wenn immer wieder Leser auf Sie zukommen und in Ihnen die Lösung für ihre Probleme sehen.

Ja – diesen Trend führe ich auf unser Krankensystem zurück. Wir haben darin institutionalisiert, dass wir die Verantwortung für Erkrankungen an einen anderen abgeben. Es ist erstaunlich, dass mehr als 80 % aller Menschen auf die Frage, was ihnen das Wichtigste im Leben sei, Gesundheit antworten. Aber zugleich ist der Bereich Gesundheit derjenige, in dem sie die geringste Kompetenz besitzen. Ist es nicht erschreckend, dass die Thematik, die mir am wichtigsten ist, so unselbständig angegangen wird? Ich muss wegen allem an meinen Arzneischrank und nachschauen, was die Entwickler da Schlaues für mich kreiert haben. Oder ich muss einen Heiler, Arzt oder Therapeuten aufsuchen. Wenn unsere Katze hingegen krank ist, legt die sich für einen Tag in die Ecke, und danach geht es ihr wieder besser. Mit meinem Wissen bin ich davon überzeugt, dass sie ihren Selbstheilungskräften vertraut.

Sie stellen die These auf, dass der Glaube an ein – wie Sie es genannt haben – Vehikel, also zum Beispiel ein Bonbon anstelle einer Schmerztablette, die gleiche Wirkung wie ein Medikament haben kann. Aber das trifft sicher nur auf kleinere Wehwehchen zu.

Im Gegenteil, das funktioniert immer! Das Glaubenssystem bestimmt alles. Ich glaube an die Chemotherapie, so habe ich gute Chancen, dass die anschlägt. Umgekehrt funktioniert es genauso, wenn ich Penicillin ablehne, dann kann man mir so viel davon reinpumpen wie man will, es wird nicht wirken. Dann stellt der Arzt fest, der Mann ist resistent. Unser Gehirn ist einfach so programmiert. Das Wort „Wirklichkeit“ hat ja nichts mit Wahrheit zu tun, vielmehr geht es darum, dass das was wirkt, die Wirklichkeit ist. Wenn ich dem Placebo eine Wirkung zuspreche, dann habe ich auch die entsprechende Erfahrung damit. Nehmen Sie dazu das Beispiel Kino: Obwohl die Leute wissen, dass alles, was da auf der Leinwand zu sehen ist, erstunken und erlogen ist, fiebern oder leiden sie mit. Die Leute kaufen sich die Illusion. Beim Schamanen geht das genauso. Wenn ich das Ticket für diesen Placebo, diese Scharlatanerie kaufe, dann wirkt sie, eben wie im Kino auch.

Im Kino werden einige sicher auch deshalb so ergriffen sein, weil sie Parallelen zum eigenen Leben erkennen.

Natürlich! Aber genau so kann es Ihnen auch beim Schamanen gehen: Der sagt: „Ich sehe bei Ihnen ein Geschwür und ich operiere das Ihnen jetzt raus“, dann lässt er Rauch aufsteigen und Trommeln ertönen. Ein Spiegel- Reporter sieht sich das an und sagt: „Das stimmt alles nicht, das ist nur ein Trick.“ Dann antworte ich: „Na und?“ Wenn ich daran glaube und wenn ich die Arbeit des Schamanen als Performance nehme, dann kann ich sagen, das hat er gut gemacht. Es hat auf mich gewirkt. Ich bin das Geschwür los und mir geht es wieder gut.

Ich kann mit Skepsis alle Ihre Erfahrungen kaputt machen. Um noch mal das Beispiel Kino zu nehmen: Ich kann mich neben Sie setzen und Ihnen den gesamten Film über die Tricks verraten. Dann würden Sie irgendwann sagen, „Du, ich möchte den Film genießen, so machst Du ihn mir nur kaputt.“

Wenn ich zulasse, dass Wunder möglich sind, dann passiert auch eine Heilung. Wenn ich der Sache aber nur mit Skepsis begegne, dann verbaue ich mir die Möglichkeit, dass sich in meinem Gehirn Synapsen bilden, die tatsächlich andere Botenstoffe aussenden.

Sie vertreten die Auffassung, je drastischer eine Krankheit verläuft, desto drastischer muss die für die Heilung erforderliche Lebensveränderung ausfallen. Was aber ist, wenn der Schock beispielsweise über einen Unfall so groß ist, dass der Mut zur Veränderung fehlt oder dass man gar nicht erkennt, dass sich etwas ändern muss?

Wahrscheinlich trifft es auf die meisten Menschen zu, dass sie immer auf der materiellen Ebene eine Erklärung suchen und sagen: „Ich bin jetzt in diesem Elend, weil beispielsweise meine Zellen das Insulin nicht mehr produzieren oder meine Blutkörperchen nicht stimmig sind.“ Die Leute wissen ja manchmal mehr als der Arzt. Sie gehen ins Internet, recherchieren und sagen, in Amerika wird gerade ein neues Mittel entwickelt, da warte ich jetzt drauf. Sie legen eine unglaubliche Energie hinein, um auf der materiellen Ebene ein komplettes Gebäude für ihren Zustand zu finden.

Wenn man ihnen dann aber sagt: „Dreh’ doch mal die Medaille um, jedes Phänomen hat zwei Seiten, eine materielle und eine geistige. Du hast ja die materielle nun ausführlich recherchiert, jetzt schau dir mal die geistige an!“, dann hören Sie: „Ja, ich war schon beim Psychologen, da ist nichts.“ Aber der Psychologe versucht nur über das Wachbewusstsein, über analytische Methoden Konflikte herauszuarbeiten.

Deshalb machen wir es so, dass das Gehirn, wenn es in eine niedrigere Frequenz kommt (14 Hertz), die Aktivität von der linken in die rechte Gehirnhälfte verlagert, also von der Ratio in die Intuition. Im intuitiven, seelischen Bereich bin ich frei von den Grenzen von Raum und Zeit. Über diese intuitive Schiene komme ich schneller an die Konflikte heran. Das erfordert natürlich Disziplin und Aufwand. Weil ich entweder am Tag die Zeit finden muss, um in diesen meditativen Zustand zu kommen, oder es nachts versuche. Wir empfehlen immer die Nacht, weil man da sowieso schon auf einer niedrigeren Frequenz ist, die unterhalb von 7 Hertz liegt. In diesem Zustand wird dann nicht nur meditiert, sondern auch reflektiert. Das heißt, ich muss mich vorbereiten, Papier und Bleistift am Bett haben, um dann assoziativ aufzuschreiben, was zu meiner Krankheit an Inhalten hoch kommt. Dazu gehört auch Wut, längst Verdrängtes und Ähnliches. Alles hat immer irgendwie mit Liebe zu tun – Verlust, enttäuschte Erwartungen...

Wenn all das mal auf einem Blatt Papier steht, bin ich in der Lage, nachträglich den Konflikt mit einem anderen Menschen aufzulösen, ganz gleich ob die Person, um die es dabei geht, noch lebt oder bereits verstorben ist. Es gibt da diesen wahren Spruch: Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät. In diesem Moment, in dem der Betroffene es schafft, den Konflikt in Frieden zu beenden, löst sich auch das Symptom auf. Die Erfolge geben uns Recht, dass wir auf diese Weise auf dem richtigen Weg sind.

Wenn ich Ihrer Ansicht bezüglich einer drastischen Veränderung beispielsweise nach einem Unfall folge, drängt sich die Frage auf, ob das auf jeden zutrifft?

Ich habe weit über 400 Stunden Heilungen gefilmt und ich muss immer wieder feststellen, dass es keine erfolgreiche Heilung ohne eine erfolgreiche Lebensveränderung gibt. Alle anderen Geschichten haben sich bei der Recherche als nicht richtig herausgestellt. Denn immer wenn ich nachgeforscht habe, stellte sich am Ende heraus, dass die Person dann doch etwas im Leben geändert hat. Es wird ja immer gern kolportiert: „Geh zu diesem oder jenen Heiler, der legt dir die Hand auf und deine Schmerzen, unter denen du so lange gelitten hast, sind weg.“ Sozusagen Hokuspokus. Es läuft so nicht!

Wenn ich dann nachfrage: „Was ist denn passiert, nachdem der Heiler die Hand aufgelegt hat?“, höre ich verschiedenste Geschichten. Zum Beispiel, dass die Person danach eine halbe Stunde geweint hat. Ich frage, wieso? Antwort: „Weiß ich nicht, ich war wohl so ergriffen.“ Aha! Das ist ja schon mal interessant. Weinen ist eine Art der Lösung. Frage ich dann weiter, erfahre ich zum Beispiel, dass die Person wieder nach Hause geflogen ist und ihren Job gekündigt hat. Ich frage dann immer: „Und hat das alles nichts mit der Heilung zu tun?“

Man muss einfach den Zusammenhang sehen. Hätte die Person nichts verändert, hätte sich der Schmerz sicher bald wieder eingestellt. Aber durch die enormen Veränderungen hatte der Schmerz keinen Grund mehr wiederzukommen.

Das heißt, frei nach Rüdiger Dahlkes These „Krankheit als Chance“, die wahre Bestimmung im Leben zu finden?

Immer. Sie ist ein Wegweiser für unsere Entwicklung. Wenn ich die Krankheit ernst nehme, dann verbirgt sich dahinter immer eine Geschichte, und in dem Moment, in dem mir diese Geschichte bewusst wird, weiß ich, was ich zu ändern habe.

Sie erwähnen im Buch die Körperwelten- Ausstellung, die einen ganz neuen Blick auf uns eröffnet. Ist es eine Voraussetzung, die Anatomie zu kennen, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren?

Mir hat der Besuch dort gut getan. Es war interessant, die Leute in der Ausstellung zu beobachten. Jeder hat ja immer irgendwas, was zwickt und zwackt. Da kann man erleben, wie jemand auf Krücken reinkommt und genau das Hüftgelenk anschaut, um exakt zu wissen, wie das alles aussieht. Dadurch, dass es präparierte Leichen und keine Plastikmodelle waren, hatte die Beschäftigung damit noch einen ganz anderen, ernsten Touch bekommen.

Sie kritisieren unser Medizinsystem und beklagen, dass die Schulmedizin gern mit Ängsten arbeitet. Muss der Patient mündiger werden, um sich dagegen zu wappnen?

Ich muss den Bewusstseinsstand des Arztes einschätzen. Wenn der nur auf der materiellen Ebene argumentiert, sozusagen mich als Maschine oder meine Zellen als Labor sieht, und nur über Input/Output redet, mag das alles stimmen. Aufgrund seiner Messwerte erzählt er bestimmt das Richtige. Als Diagnose kann ich das annehmen. Aber Therapie ist noch mal was ganz anderes. Da muss ich mich als ganzheitlichen Menschen sehen. Und dieses Bewusstsein haben viele Ärzte nicht. Weil sie allein schon durch ihre Fachausbildung darauf trainiert worden sind, den Menschen in Einzelteile zu zerlegen und immer nur dieses einzelne Teil zu bearbeiten. Aber sie sehen nie den gesamten Menschen mit all seinen seelischen und psychischen Aspekten. Wir sind aber nun mal ganzheitliche Wesen.

Sie plädieren für ein Umdenken, ein Problem nicht mehr als Problem, sondern vielmehr als Projekt zu betrachten. Betrifft das alle Lebensbereiche oder nur die Gesundheit?

Nein, alle Bereiche. Wir sind ja nicht allein auf die körperlichen Aspekte fixiert. Wobei man es da natürlich am meisten spürt. Aber wenn jemand zum Beispiel nicht in der Lage ist, die richtige Wohnung für sich zu finden oder seine Finanzprobleme oder den Konflikt mit seinen Kindern zu lösen, kann er das auch als neues Projekt angehen. Diese Seele weiß, woran es krankt. Sie weiß, warum man seinen Schreibtisch nie aufräumen kann und was für ein Muster dahinter steht. Wenn mir das Muster bewusst wird, kann ich auch etwas ändern.

Aber damit uns das bewusst wird, sollte man schon die Hilfe eines Experten in Anspruch nehmen.

Ja – aber die Hilfe ist im Grunde nur eine Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn ich Klavierspielen lernen möchte, dann lerne ich das nicht dadurch, dass ich dem Klavierlehrer dauernd zuschaue, wie er spielt, um mich irgendwann hinzusetzen und es genauso zu machen. Der Lehrer hat die Funktion, mir zu sagen: „Du schaffst es! Mach, üb!“ Im Grunde muss er mir in den Hintern treten, damit ich zu dieser Selbstdisziplin komme, meine Fähigkeiten zu entwickeln. Die kann mir der Heiler nicht abnehmen. Der Heiler ist nur dazu da, meinen Glauben an meine Selbstheilungskräfte zu stärken. Er darf nicht sagen: „Ich heile dich“ und mich dann in dieser Passivität zurücklassen.

Wir haben schon über Krankheit als Chance gesprochen. Provokant gefragt, welche Veränderung ist denn zum Beispiel bei einem Baby angezeigt, dass schon krank geboren wird, oder einem Menschen, der von Kindesbeinen an eine Behinderung hat?

Ich habe so einen Fall gefilmt. Es ging um ein Mädchen, bei der festgestellt wurde als sie ins Krabbelalter kam, dass ihr Knie nicht mehr richtig funktioniert. Sie wurde operiert, es wurde nicht besser. Es folgten weitere Eingriffe, die nichts brachten. Als sie eingeschult werden sollte, wollten die Ärzte ihr Bein amputieren. Da fragt man sich natürlich: Was sagt man so einem Mädchen?

In ihrer Verzweiflung waren die Eltern bereit, unorthodoxe Methoden anzuwenden. Das Kind war noch zu klein, um alles aufzuschreiben, wie ich es im Buch beschreibe. Also bekam sie Papier und Stifte. Sie sollte ihr Knie malen und was sie damit verbindet. Im Laufe der Therapiestunden kam heraus, dass sie mit dem kranken Knie ein Erlebnis offenbar aus einem Vorleben verband. Man ließ sie dieses Erlebnis nochmals durchleben und ins Positive umkehren. Langsam stellten sich Verbesserungen bei ihr ein. Heute ist das Mädchen ein Teenager und sie konnte ihr Bein behalten.

Wenn man mit dem Bewusstsein allerdings nur auf der materiellen Ebene annimmt, dass man diesen Körper nur so lange hat, wie man lebt, und auch die Seele nicht in Betracht zieht, dann kommt man nie hinter solche Geschichten, die hinter Krankheiten verborgen liegen können. Wenn ich aber erkenne, dass ich ein geistiges Kontinuum bin, ohne Anfang und ohne Ende, das sich in seiner Zwischenform so verdichtet, dass daraus ein Körper entsteht, dann habe ich einen ganz andern Zugang. Ich muss mit einem Kind keine ideologische Diskussion führen – „Glaubst du an Wiedergeburt, ja oder nein?“ –, sondern ich nehme einfach das, was kommt.

Sie berichten im Buch von einem so genannten Zellen-Talk. Was halten Sie von der Theorie des Gedächtnisses der Zellen?

Zellen sind lebendige Wesen und kein Labor! Also muss ich mit ihnen genauso sprechen wie mit meiner Katze oder meinem Hund. Sie sind Wesen wie du und ich. Wir bestehen aus vier oder fünf Milliarden Zellen, die sich immer wieder erneuern. Ich habe irgendwo gehört, keine Zelle lebt länger als sieben Jahre. Das heißt, alle sieben Jahre sind wir komplett neu entstanden. Wenn ich im Zellen-Talk am Tag ihrer Geburt ihnen schon sage: „Ihr seid chronisch krank, ihr bekommt ein Medikament, weil ihr genauso seid wie eure Eltern“, dann programmiere ich in diese Wesen genau diesen Zustand. Also brauche ich mich über eine Fortsetzung meiner Krankheit nicht wundern. Dabei ist jederzeit eine Umkehr möglich, indem ich ein anderes Programm aufbaue.

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