In jeder normalen Arztpraxis gibt es Beispiele für Heilungsprozesse, die man sich nicht allein durch die angewandte Medizin erklären kann. Nicht selten machen schwere Krankheitsverläufe eine unerwartete Kehrtwendung, ohne dass man genau einschätzen kann, wodurch sie zustande kam. Je nach Einstellung und Welt- und Menschenbild heißt es dann, es würde sich um Spontanheilung handeln, jemand hätte nur simuliert, oder es wäre ein Wunder.
Bei näherer Betrachtung finden sich jedoch immer wieder Hinweise auf bedeutsame Einschnitte. Zum Beispiel kann die als Krise empfundene Krankheit zu Änderungen der Lebenseinstellung führen, oder eine Überzeugung, wieder gesund zu werden, gewinnt an Boden, oder jemand wird durch seinen Glauben an Heilung getragen.
Selbst Menschen mit fortgeschrittenen metastasierenden Krebserkrankungen sind wieder gesund geworden, allein dadurch, dass sie neue Lebenskräfte entwickeln und ihrem Leben eine neue, erfüllende Orientierung geben konnten. Und es sind immer nur wenige, denn man kann Heilung nicht machen. Es gibt keine Garantie, wieder gesund zu werden, auch wenn man in aller Konsequenz das Leben nach seinen wirklichen und tieferen Bedürfnissen zu gestalten beginnt.
Die beste innere Haltung für einen Heilungsprozess ist: Alles ist möglich – wenn auch nicht willentlich machbar.
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