Selbstheilung beginnt im Kopf

Selbstheilung beginnt im Kopf

Vergleichbar mit einer Schaltzentrale, ist das Gehirn mit jedem Organ, jedem Nerv und jeder Zelle verbunden. Treten Störungen oder Blockaden auf, werden diese registriert und sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dies alles ohne unser Dazutun.

Vergleichbar mit einer Schaltzentrale, ist das Gehirn mit jedem Organ, jedem Nerv und jeder Zelle verbunden. Treten Störungen oder Blockaden auf, werden diese registriert und sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dies alles ohne unser Dazutun.

Autsch!“ Beim Kartoffelschälen rutscht das Messer ab. Aus der Schnittwunde im Finger tropft Blut. Kurz nach dem Missgeschick schickt das Gehirn einen Trupp weißer Blutkörperchen zur Unfallstelle. Ihre Aufgabe: eindringende Keime abwehren. Gleichzeitig veranlasst die Schaltzentrale, dass sich die Blutgefäße verengen, damit das Blut schnell gerinnen kann. Damit leitet das Gehirn gleich nach dem Unfall den Heilungsprozess ein.
Neben den Prozessen, die im Körper ganz automatisch ablaufen, übernehmen Gedanken und Einstellungen einen weiteren wichtigen Teil der Heilung.

Die Kraft der Gedanken

Die Therapeutin Brandon Bays ist fest davon überzeugt: „Negative Gedanken und Erinnerungen machen uns krank.“ Die Einstellung macht sehr viel aus, meint sie. Denn „wenn ich vom Arzt eine schlimme Diagnose bekomme und mich danach völlig aufgebe, dann sinkt die Chance auf Heilung auf einen Tiefpunkt.“ Brandon weiß, wovon sie spricht. 1992 erhielt sie die niederschmetternde Nachricht, dass sich ein Tumor in ihrem Bauch breit gemacht hat. Ihre Gynäkologin riet zur schnellst möglichen Operation. „Ich bat um einen Monat Zeit“, erinnert sich Bays. Sie wollte es auf ihre Art mit den Ansätzen versuchen, die sie als Therapeutin seit Jahren an ihre Klienten weitergab. Der Erfolg gab ihr Recht. Zwar war die Geschwulst nach einem Monat noch nicht verschwunden, aber merklich kleiner geworden. Die Ärzte sprachen von einem seltenen Fall von Spontanheilung. Brandon hingegen von der Kraft der Selbstheilung.

Das Gedächtnis der Zellen

The Journey – die Reise nennt die US-Amerikanerin eine Methode, die sie basierend auf ihren Erfahrungen entwickelte. Grundlage bildet die inzwischen durch wissenschaftliche Untersuchungen belegte Erkenntnis, dass die Zellen entscheidenden Anteil daran haben, ob wir körperlich und seelisch gesund bleiben. Mediziner wie Deepak Chopra vertreten die Auffassung, Zellen hätten ein Gedächtnis. Sie speichern positive wie negative Reize. Treten letztere zu häufig auf, wird der Prozess der Zellerneuerung empfindlich gestört. Sie bilden Klumpen und blockieren so die Vorgänge im Körper. Eine Vorstellung, die auch Moshe Feldenkrais auf seinen Therapie-Ansatz brachte und Linda Tellington-Jones den TTouch entwickeln ließ. Diese Zellansammlungen können zu Geschwülsten anwachsen, Blutgefäße verengen oder/und Schmerzen verursachen. Basierend auf dieser Vorstellung ist Brandon Bays davon überzeugt, dass es eine direkte Verbindung zwischen dem körperlichen und dem seelischen Selbst gibt. Negative Gedanken und Erlebnisse, schmerzliche Emotionen und Ärger können sich zu einer Erkrankung transformieren.

Reise nach innen

Die Erklärung für dieses Phänomen entlehnt sie aus der Chemie: „Auf rein chemischer Ebene haben Ereignisse und Erlebnisse Einfluss auf unsere Zellen. The Journey ist nichts anderes als Heilung auf zellulärer Ebene. Wir stoßen zur Wurzel der seelischen Verletzung oder körperlichen Blockade vor, decken sie auf, lassen sie zu und schließlich los.“

Aus der Luft gegriffen ist ihr Ansatz nicht. Jeder weiß, dass Stress und Ärger den Blutdruck steigen lassen und weitere chemische Vorgänge im Körper in Gang setzen (etwa die erhöhte Ausschüttung bestimmter Hormone). Muss der Organismus ständig auf Hochtouren laufen und kommen noch Risikofaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum oder ein Schlafdefizit hinzu, können Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge sein. „Wer zu seinem Inneren vordringt, kann dort den wahren Frieden finden“, doziert Bays. Soll heißen, wer in sich ruht und ausgeglichen ist, kann sich den Anforderungen im Alltag gelassener stellen.

Bays Technik bietet zwei Problemlösungen an:

1. Heilung auf seelischer Ebene: „Auf der emotionalen Reise erhalten wir Zugang zu einer Quelle des Friedens, indem wir Schritt für Schritt immer tiefer in unsere Innenwelt hinabsteigen. Wir beleuchten gezielt verschüttete Emotionen und Verletzungen, lassen sie zu und dann für immer los“, beschreibt Brandon Bays den Vorgang.

2. Heilung auf körperlicher Ebene: „Die körperliche Reise ist vergleichbar mit einem Abenteuertrip durch unseren Organismus. Ganz gezielt nehmen wir dabei Kontakt zu dem Organ auf, an dem sich die Erinnerungen der Zellen verdichtet haben. Um die dort feststeckenden Emotionen zu befreien, müssen wir uns dem Grund dafür stellen. Der Körper kann nur heilen, wenn ihm vergeben wird und wir seine Ganzheit wiederherstellen.“

Die Methode

Was sich in der Theorie einfach anhört, ist mit Vertrauen und der Stärke verbunden, sich dem, was kommt, auch wirklich zu stellen. In ihren Seminaren bittet Brandon die Teilnehmer, Paare zu bilden, die sich gegenseitig durch diesen Prozess begleiten. Nicht selten fließen Tränen, brechen sich Trauer, Angst oder Wut Bahn. „Wir lassen niemanden mit seinen Emotionen allein“, versichert Bays. Nach den Seminaren könnten sich die Gruppen immer wieder zum Austausch treffen. „Natürlich kann man auch allein arbeiten. Ich habe dafür eigens Kassetten besprochen und führe durch die Übungen“, so Brandon. „Ich weiß aber auch, wie trickreich unsere Gedanken sind. Das Gehirn spielt einem gern Streiche und lenkt uns ab. Ist aber jemand dabei, kann er dafür sorgen, dass wir konzentriert dabei bleiben.“

Sie selbst gehe mindestens einmal im Monat auf eine Reise durch Körper und Seele. „The Journey ist keine einmalige Sache, die man durchführt, und schon ist man von allem geheilt“, stellt die Therapeutin klar. „Es ist ein lebenslanger Prozess, in dem immer wieder emotionale Themen verarbeitet werden müssen.“

Keine falschen Hoffnungen Mit der Kritik, durch ihre Geschichte der wundersamen Heilung von einem Tumor mache sie möglicherweise unheilbar Kranken falsche Hoffnungen, geht die Amerikanerin souverän um: „Das kann passieren. Wir gehen gezielt in Krankenhäuser und Hospize, um solchen Patienten beizustehen. Die Journey-Arbeit soll die Suche nach dem inneren Frieden unterstützen. Ein weiterer Aspekt ist es, wirkliche Vergebung zu finden. Wir tun nichts, was jemanden glauben ließe, wir würden hier ein Wunder vollbringen. Ganz besonders nicht bei Menschen, die dem Tode nahe sind. Auch ein Therapeut kann dann nicht mehr helfen.“

Loslassen lernen

„Man muss Grenzen akzeptieren“, sagt auch Anna Elisabeth Röcker. Die Münchner Therapeutin kennt solche Situationen nur zu gut aus ihrer Praxis: „Ich habe in den letzten Jahren immer wieder sehr junge Menschen sterben sehen, die aber durch ihre Einstellung zu ihrem unabwendbaren Schicksal anders gestorben sind. Eines meiner schwersten und traumatischsten Erlebnisse als Therapeutin hatte ich mit einer Patientin, die ich leider gehen lassen musste, obwohl wir alle so dagegen angekämpft hatten. Wir mussten ihren Tod akzeptieren und dann auch loslassen. Da wurden mir zwei Dinge klar: Die Patientin hatte eine ungeheure Entwicklung während ihrer Krankheit erfahren. Für uns als Therapeuten war es die Lehre, wir sind nicht der liebe Gott. Wir müssen lernen loszulassen.“ (Siehe hierzu auch Beitrag in Visionen 1/04)

Was uns gut tut

Ob es sich um eine vergleichsweise harmlose Verletzung wie den eingangs beschriebenen Schnitt in den Finger oder eine niederschmetternde Diagnose wie bei Brandon Bays handelt, ein wesentlicher Bestandteil zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte ist neben der Kraft der Gedanken die Sensibilisierung für unser Innenleben. Die Medizinerin Dr. Gabi Hoffbauer stellt klar: „Der Körper weiß, was ihm gut tut.“ Und das signalisiert er auch, nur haben wir verlernt, auf eben diese Hinweise zu achten.

Ändern lässt sich das, so die Münchnerin, indem man dem Körper wieder etwas mehr Raum gibt und auf seine Bedürfnisse eingeht. „Das kann so aussehen, dass Sie schlafen gehen, wenn Sie müde sind, und essen, wenn Sie Hunger haben. Natürlich geht das nicht immer, aber schon die kleinen Momente machen viel aus. Im Frühjahr beispielsweise trainieren sehr viele Menschen gegen ihre Müdigkeit an. Warum nicht einfach mal etwas mehr schlafen? Das tut dem Körper extrem gut.“

Body IQ

Dieses Körperwissen nennt Dr. Gabi Hoffbauer Body IQ. Da drängt sich der Gedanke an den EQ – die Emotionale Intelligenz auf. „Die Emotionale Intelligenz ist etwas ganz Spezifisches verglichen mit dem Body IQ, der natürlicher, erspürbarer und einfacher wieder erlangbar ist“, erklärt die Ärztin. „Ich bin davon überzeugt, dass der Körper allein durch seinen Wunsch zu überleben seine Bedürfnisse zeigt. Und es ist einfacher und wichtiger, sich darauf zu besinnen als auf die Emotionale Intelligenz.“

Die Balance finden Jeder kennt solche Situationen aus dem Alltag, der Stress ist so groß, dass nicht nur das Essen zu kurz kommt. Das Bauchgefühl meldet erste Bedenken an, aber der Verstand blockt noch ab, schließlich muss Geld verdient werden. Body und Mind sind nicht einer Meinung. Eine Balance ist aber wichtig, um die Situation nicht irgendwann eskalieren zu lassen. „Da gilt es abzuwägen“, so die Expertin. „Man sollte sich Zeit nehmen, hinsitzen, zur Ruhe kommen und mal in sich hineinhorchen. Als Faustregel kann man sagen, wo es mehr in Richtung Vernunft geht, sollte man den Body IQ befragen, und wenn die Wünsche mit einem durchgehen, muss man sich mehr auf den Verstand besinnen.“

Wichtige Verbündete

Gedanken und Einstellungen sind unsere wichtigsten inneren Verbündeten. Zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte sind jedoch noch andere Faktoren enorm wichtig. Dazu zählen Musik, Farben, Düfte, Wärme und der Genuss mit allen Sinnen. Denn sie fördern unsere Imagination und die Visualisierung, die uns das Ziel der Heilung vor Augen führen und dabei helfen, es zu erreichen. Allein durch Handauflegen für einige Minuten kann man Wärme und Energie empfangen und weitergeben. Musik beruhigt und entspannt. Manchen Menschen helfen Meditation und Gebet, um sich einen friedlichen Raum zu schaffen, in den sie sich jederzeit zurückziehen können. Wichtig ist bei allem, auf die eigene Stimme zu hören. Was tut mir gut? Das ist die wichtigste Frage, die dabei zu stellen ist.

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