Nur relativ wenig Menschen scheinen ihr Leben zu einem Abenteuer machen zu wollen. Selbst wenn wir 100.000 benennen könnten, die im Laufe der Geschichte als Forscher und Entdecker in allen nur denkbaren Bereichen des Lebens eine Spur hinterlassen haben – im Vergleich zu den Milliarden von Menschen sind es wenige.
Es geht hier nicht um Ruhm und Heldentum, und auch nicht in erster Linie um die Anerkennung von großartigen Leistungen. Die Frage lautet: Was treibt Menschen dazu, Neues zu erforschen und dabei womöglich sogar das eigene Leben aufs Spiel zu setzen? Und wir können uns selbst fragen: Gibt es da in uns einen inneren Drang nach Wahrheit, nach Entdeckung?
Ganz bestimmt gibt es den! Er ist uns Menschen angeboren. Und jeder kann diesen Drang in sich spüren und ihm folgen, unabhängig von irgendeinem besonderen Talent. Ich möchte einige Beispiele anführen von Menschen, die sich auf das Abenteuer der Erkenntnis eingelassen haben. Dabei können wir zwei Gruppen unterscheiden. Die eine erforscht die äußere Welt, die andere die innere, das eigene Bewusstsein. Zur ersten gehören berühmte Reisende wie Marco Polo und Seefahrer wie Christoph Columbus, Astronauten wie Neil Armstrong, Tiefseetaucher wie Jacques Cousteau, Physiker wie Galileo Galilei oder Stephen Hawking und andere Naturwissenschaftler. Zur zweiten Gruppe, den „Selbsterforschern“, können wir Yogis, Mystiker, Philosophen zählen – Patanjali, Buddha, Meister Eckhart, Sokrates, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Stanislav Grof.
Die Erforschung des Äußeren erfordert durchaus ähnliche Qualitäten wie die der Innenwelt. Dazu gehören eine starke Motivation, Leidenschaft, Durchhaltewillen, Disziplin, Geduld, Klarheit und Mut. Nicht selten haben Entdecker und Forscher auf ihren Reisen ins Ungewisse ihr Leben riskiert. Das betrifft nicht nur Seefahrer, Flieger und Taucher, sondern zum Beispiel auch Gelehrte, Künstler, Schriftsteller. Je nach Zeitepoche und Umgebung konnte selbst jemand, der sich kaum aus seinem Studierzimmer herausbewegte, beim Studium verbotener Schriften erwischt werden und dafür auf dem Scheiterhaufen landen. Wer sich von etwas gerufen oder herausgefordert fühlt, was hinter dem abgesteckten Bereich der jeweiligen gesellschaftlichen Normen liegt, lebt gefährlich. Ganz besonders, wenn er seine Einsichten auch noch mitteilen möchte.
Unter allen Entdeckern gehen die Selbsterforscher – unabhängig von der jeweiligen Gesellschaft – ein ganz besonderes Risiko ein. Was sie zu entdecken suchen, liegt nämlich jenseits aller Normen, jenseits von Raum und Zeit und jenseits der Person, des Ichs dessen, der forscht. Unzählige Hinweise aus spirituellen Traditionen scheinen einen Weg zu weisen: „Der Schatz ist in dir. Verborgen unter deinen Wünschen und Ängsten. Grabe tiefer!“ „Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher (einer, der sich an sein Ich klammert) ins Himmelreich!“ „Stirb, bevor du stirbst!“ Es gibt konkrete Anleitungen der Meditation. Wir können uns da immer tiefer hineinsteigern, 5-12 Stunden am Tag still sitzen, Yoga praktizieren, beten, fasten, psychedelische Drogen nehmen. All das erscheint wie Forschung. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zur Erforschung der äußeren Welt. Im Äußeren wird ein Objekt gesucht, im Inneren nicht. Wir mögen zunächst glauben, dass es um etwas Bestimmtes geht, etwa um inneren Frieden, um ein „Ja, jetzt weiß ich alles!“, doch nach und nach, auch nach ersten wonnevollen Momenten der tiefen Stille und ekstatischen „Aha-Erlebnissen“ wird klar, dass alles wieder vergeht und gleichsam in Nichts zerfließt. Das ist vielleicht zuerst sehr frustrierend. Wir können nichts greifen oder gar festhalten. Doch es führt zu einer tiefen Einsicht. Was wir uns zunächst tröstend eingeredet haben, „Der Weg ist das Ziel“, wird zur inneren Gewissheit.
Zum Großen Weg gibt es kein Tor. Da sind tausend verschiedene Zugänge. Wer diese Schranke durchschritten hat, wandelt in einsamer Freiheit im Weltall. Wu-men
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