HINDUISMUS

HINDUISMUS

AUS DEM EWIGEN KREISLAUF AUSSTEIGEN

In allen spirituellen Traditionen gibt es die Vorstellung von einem innersten Kern des Menschen, der nach dem Tod des Körpers weiter existiert. In dieser Serie geht es nicht um Himmel oder Hölle, sondern um die Wiederverkörperung auf dieser Erde. Was sagen die Weltreligionen dazu? Was glauben wir? Erstaunliche Zusammenhänge zwischen Religion und Wissenschaft ergeben ein ganz neues Bild.

BEWUSSTSEINSERWEITERUNG

Beim Thema Wiedergeburt denken wir womöglich zunächst an Indien, und das hat einen guten Grund. Zwar übermittelt jede alte Kultur die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod, und meist ist das ein Leben in einem neuen Körper auf dieser Erde. Doch in den für die Hindus heiligsten Schriften wird die (Wieder-) Verkörperung der Seele, lateinisch (Re-)Inkarnation, so ausführlich und geradezu wissenschaftlich dargestellt wie in kaum einer anderen spirituellen Tradition – abgesehen vom Buddhismus. Deshalb möchte ich diese Serie auch mit der Tradition der Rishis, der alten Seher in den Veden, beginnen.

Es ist durchaus möglich, einen Einblick in den Bereich jenseits von Raum und Zeit und damit auch jenseits der von uns Menschen gesetzten Grenze zwischen Leben und Tod zu bekommen. Ich selbst habe das als Jugendlicher durch Einnahme von geringen Mengen Haschisch bzw. Marihuana erfahren. Ich durchlebte in ca. 30 Minuten subjektiv die Ewigkeit, eine endlose Abfolge von Leben aller nur möglichen Wesen, die „ich war/bin“, gleichsam komprimiert in einem ständigen Auf und Ab von Glück und Verzweiflung. Der Eindruck für mich ist bis heute: Genau so ist das Leben! Alle individuellen Schicksale gleichen sich letztlich aus, sind im Zentrum des Koordinatenkreuzes vereint. Alles ist Nichts.

In Indien traf ich immer wieder auf Sadhus, die von der Hindugemeinschaft verehrten Wandermönche. Sie rauchen täglich etliche Chillums mit starkem Haschisch, sind also ständig high. Und das geht offensichtlich schon lange so, vermutlich seit Entstehung der Veden vor etwa 4000 Jahren. In den Veden ist von einer bewusstseinserweiternden Substanz die Rede, dem Soma. Es mag viel stärker gewirkt haben als Marihuana.

Doch egal, ob nun gewisse psychedelische Substanzen, bestimmte asketische Praktiken wie Fasten und Deprivation (Entzug von Sinnesreizen) oder einfach spontane Ekstase in jenen psychischen Raum der Transzendenz geführt haben: Es geht hier immer um eine authentische Erfahrung und nicht um eine philosophischtheologische Spekulation oder Ideologie. Die Überzeugung, dass der Mensch nach seinem Tod wiedergeboren wird, gründet sich in diesem Kontext nicht nur auf bloßes Hoffen (im Sinne von: „Mein Gott, lass mich weiter leben“), sondern auf die Erfahrung von Bewusstseinserweiterung.

„So wie sich ein Salzklumpen im Wasser auflöst und das Wasser überall gleich salzig schmeckt, so löst sich das individuelle Bewusstsein (Jiva) nach dem Tod des Körpers auf. Doch die reine Qualität von Intelligenz, die das Selbst ist, bleibt erhalten.“ Brihadaranyaka Upanishad

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