Kennen Sie den Witz: „Was ist langweiliger als Angeln? – Beim Angeln zuschauen!“ – Leicht abgewandelt ließe sich fragen: Was ist „outer“ als Romantik? – Über Romantik schreiben! Noch vor einem guten Jahr hätte dieser Satz Geltung gehabt: Unter dem Diktat einer Weltsicht, die nur noch ehrte, was cool ist, erschien so etwas wie Romantik als antiquiertes Relikt einer gefühlsduseligen Vergangenheit, der allenfalls noch ein bescheidenes Auskommen in musealen Welten gewährt werden dürfe. Denn Romantik ist uncool. Romantik ist unzeitgemäß. Und genau deshalb ist Romantik aktuell. Sie ist ein Gegengift zu jener Oberflächenkultur des Cool, die dem Leben alle Tiefe und der Welt alle Hoffnung nimmt.
So gesehen darf man sich freuen, dass die Romantik eine heimliche Renaissance erfährt. Ob nun in Folge der Feierlichkeiten zum 150. Todestag Josef von Eichendorffs oder des Erscheinens von Rüdiger Safranskis Buch „Romantik. Eine deutsche Affäre“ im vergangenen Jahr – man setzt sich nicht mehr sofort dem Verdacht kitschiger Vergangenheitsseligkeit aus, wenn man über Romantik schreibt.
Das hat verschiedene Gründe. Einer dürfte damit zusammenhängen, dass in Folge der Entwicklung eines ökologischen – grünen – Bewusstseins, gerade in Deutschland, ein neues Verständnis für die Natureuphorie der romantischen Dichter, Denker und Künstler gewachsen ist. Es geht uns nicht mehr gar so schwer über die Zunge, mit Hölderlin von der „heiligen Natur, die älter ist als alle Zeiten“ zu sprechen. Hier – nicht anders als in Eichendorffs rauschenden Wäldern – findet die neue, grüne deutsche Seele des 21. Jahrhunderts geistige Nahrung. Und mehr.
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