Die nun vorgestellte Weltreligion ist vielleicht noch vielschichtiger und komplexer als die bisher vier beschriebenen. In vielen Aspekten gibt es Übereinstimmungen mit der vedischen Tradition. Mit den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hat der Buddhismus auf den ersten Blick wenig gemein. Er kennt weder einen Schöpfergott noch einen Gottessohn oder Propheten Gottes. Dennoch haben sich bedeutende spirituelle Lehrer unserer Zeit, die in einer jüdischen oder christlichen Tradition aufgewachsen sind, zum Buddhismus bekannt und dabei eine Brücke zwischen dem Glauben (an Gott) und der Selbsterforschung Buddhas geschlagen.
Die Lehre Buddhas ist im Kern eher wissenschaftlich-empirisch als auf Glauben und Anbetung gebaut. Ist Buddhismus dann überhaupt eine Religion? Ihr Begründer würde womöglich den Kopf schütteln. Er suchte nach einer unbezweifelbaren Wahrheit und Wirklichkeit, in sich selbst, und erwachte schließlich aus dem Traum des Lebens. Als „Erwachter“, das bedeutet der Begriff Buddha, lehrte er über 40 Jahre, wie andere erwachen könnten.
Ähnlich wie Jesus im Christentum ist Buddha die zentrale Gestalt der von ihm begründeten Religion. Er selbst betonte, dass er weder ein Gott noch ein Gesandter Gottes sei. Er wollte keine Anbetung und keinen Personenkult. Doch ausgerechnet Buddha wurde neben Jesus zum meistabgebildeten Menschen aller Zeiten.
Gautama Buddha ist zugleich die erste bedeutende historische Gestalt Indiens, deren Lebensdaten überliefert sind. Er wurde um 563 v. Chr. in Lumbini im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, heute Teil von Nepal, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren. Daher wird Buddha auch Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause
Shakya“ genannt. Heutige Forscher nehmen allerdings an, dass er bis zu 150 Jahre später geboren wurde als in den Überlieferungen angegeben ist.
Maya, die Frau von König Suddhodana, später als Göttin Maya Devi verehrt, gebar ihren ersten Sohn der Legende nach in einem Wald und nannte ihn Siddharta. Deepak Chopra schildert das wunderbar in seinem gerade auf Deutsch erschienenen Buddha-Roman:
„In diesem Augenblick glaubte Maya in ihrem Herzen, dass alle ihre Wünsche in Erfüllung gegangen waren. In Sanskrit gibt es einen Namen, der dieses Gefühl ausdrückt. Sie hielt das Kind höher. „Siddhartha“, sagte sie. Er, der alle Sehnsüchte erfüllt sieht.“
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