Was ist Autorität?

Was ist Autorität?

Serie: Werte und Tugenden (Teil 5)

Die Studenten der 68er-Bewegung gingen gegen überholte Vorstellungen von Autorität an – antiautoritäre Bewegungen entstanden. Doch Autorität hat positive und negative Aspekte und ist nicht so einfach in ihrem Wesen zu durchschauen.

Ist Autorität ein Wert?

Wir hören nach dem Auftritt eines bekannten Politikers, Wissenschaftlers oder auch spirituellen Lehrers manchmal begeisterte Kommentare von Zuhörern wie: „Wunderbar, mit welcher Autorität der (oder die) gesprochen hat.“ Gemeint sind Eigenschaften wie Charisma, Überzeugungskraft, Kompetenz oder Authentizität. Autorität ist hier streng genommen nicht der richtige Begriff.

Autorität leitet sich zwar ursprünglich von einem Wertbegriff her, nämlich dem lateinischen auctoritas, was Einfluss, Geltung, Ansehen, Würde, würdevolle Haltung, sittlicher Ernst (einer Person oder eines Gremiums/Senats) bedeutet. Im römischen Recht wurde die auctoritas herangezogen, wenn formale Begründungen eines Urteils nicht ausreichten. Dann galt der Rat einer Autorität. Der römische Kaiser Augustus schrieb in seiner Res Gestae (über die Grundlagen seiner Macht): „Nach dieser Zeit (27 v. Chr.) überragte ich an Ansehen/Einfluss (auctoritas) alle, an formaler Gewalt besaß ich jedoch nicht mehr als die anderen, die jeweils meine Kollegen im Amt waren.“

Heute bezeichnet Autorität vor allem eine gesellschaftliche Positionierung und nicht die Eigenschaft oder Qualität einer Person oder Gruppe. So gesehen ist sie ebenso wenig ein Wert oder eine Tugend wie etwa Macht. Sie beschreibt eher eine Beziehung, oft ein Machtverhältnis, zwischen Menschen. Doch der Begriff ist vielschichtig und missverständlich. Es werden verschiedene Arten von Autorität unterschieden, je nachdem, worauf sich die Autorität gründet und wie sie eingesetzt wird. Die Autorität eines absolutistischen Herrschers hat andere Merkmale als die eines verantwortungsbewussten Richters, Politikers oder Lehrers in einer heutigen Demokratie.

Autorität: ohne sie kann der Mensch nicht existieren, und doch bringt sie eben soviel Irrtum als Wahrheit mit sich. Johann Wolfgang von Goethe

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