Weise zu sein ist gut. Weisheit ist wertvoll, ein Wert. In der herkömmlichen Definition gilt Weisheit allerdings nicht so sehr als Wert, sondern vielmehr als eine Tugend. Tugenden und Werte hängen eng zusammen. Die Würde des Menschen (siehe VISIONEN, Serie Werte, Teil 1) ist ein zu schützender Wert in sich, auf den jeder Mensch mit seiner Geburt Anspruch hat. Weisheit hat – so sagt jedenfalls die philosophische Tradition und der Volksmund – nicht jeder. Sie muss erworben werden. Bei Plato zählt Weisheit neben Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung zu den vier Grund- bzw. Kardinaltugenden. (Die katholische Kirche hat diese Auffassung im Mittelalter übernommen, setzt allerdings den Begriff Klugheit an die Stelle von Weisheit). Insgesamt gelten sehr viel mehr Eigenschaften als Tugenden (siehe Kasten).
Wir wünschen uns Weisheit, für uns selbst, aber auch und gerade für Menschen, die Einfluss haben und mit ihren Entscheidungen unser Leben mitbestimmen. Immer wieder hat sich Enttäuschung darüber breit gemacht, dass anscheinend gerade die regierenden Politiker ganz und gar nicht weise handeln. In jüngster Zeit hat sich diese Enttäuschung auch auf Banker ausgeweitet, die wir für Experten hielten und denen wir unser Geld anvertrauten. Und das Vertrauen in die allgewaltigen Manager großer Firmen ist auch längst geschwunden. Sie haben nicht umsichtig und verantwortungsvoll, sondern oft vorschnell und getrieben von Gier und Eigennutz gehandelt.
„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr, 1892-1971, deutsch-amerikanischer Theologe)
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