VISIONEN fragte Professor Claus Eurich, wie sich die Chance dieser dunklen Zeit erkennen und nutzen lässt.
Unsere Kultur ist auf Machbarkeit hin konditioniert. Nur Erfolg ist „sexy“. Die Alltäglichkeit von Ohnmacht und Scheitern jedoch bedroht diese höchst fragile Konstruktion. Und so wird das Scheitern verdrängt, stigmatisiert und tabuisiert. Die zahllosen, oft so vordergründigen Ratgeberbücher „Wie werde ich glücklich und zwar sofort?“ setzen genau bei dieser Verdrängung an. Doch ich kann mich nur dem heilend und integrierend zuwenden, was ich zuvor erkannt, angenommen, durchlebt und durchlitten habe. Sonst laufe ich blind vor der Tiefe des Lebens davon und verfehle im Letzten mein Selbst – und damit alles.
Es gibt kein Licht ohne Dunkel und ohne Schatten. Natürlich ist das nicht nur eine gesellschaftliche Beobachtung oder eine philosophische Feststellung; es ist immanenter Teil meines eigenen Lebens. Insofern trägt das Buch gewiss auch persönliche Züge.
Heinrich von Kleist schrieb kurz vor seinem Freitod am 21.11.1811 an seine Schwester: „Meine Seele ist so wund...daß mir das Tageslicht weh tut... Die Wahrheit ist...daß mir auf Erden nicht zu helfen war.“ In der Selbsttötung sagt der Mensch aus tiefster Verwundung heraus Nein zu sich selbst. Er versucht sich zu entkommen und einem entmächtigten Lebensentwurf ...
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