Seit drei Monaten wird Alfred P. das Bild nicht mehr los: die junge Frau mit weit aufgerissenen Augen, direkt vor ihm. Er zieht sofort die Bremse. Keine Chance. Der S-Bahnzug ruckelt, kommt zum Halt. Später, daran erinnert er sich, sind die Rettungskräfte da. Er steht unter Schock, wird ins Krankenhaus gebracht. „Nein, Sie haben wirklich keine Schuld!“ beteuern alle. Doch er kann seitdem kaum schlafen, hat häufig Alpträume, Kopf- und Bauchschmerzen. Der Arzt diagnostiziert: Posttraumatische Belastungsstörung (PTB). Er geht einmal wöchentlich zur Therapie.
Wir sehen es täglich im Fernsehen, wie Menschen schrecklichen Ereignissen ausgesetzt sind: sie erleben Naturkatastrophen wie Überschwemmung und Erdbeben, sie erleben Krieg, Folter und Vergewaltigung, sie erleben tragische Unfälle. Wir sind davon verschont – bis jetzt. Sicher fragen wir uns: wie werden diese armen Menschen mit ihren schrecklichen Erlebnissen fertig? Wie würde ich damit umgehen?
Doch womöglich haben wir alle bereits ein Trauma hinter uns, nämlich das der Geburt. Aus dem sicheren Uterus, wo wir als Embryo neun Monate geschützt und mit allem versorgt im „Urmeer“ schwebten, herausgepresst zu werden in eine lichtgrelle und laute Welt, das ist sicher ein Schock. Psychologen und Ärzte, aber auch spirituelle Lehrer sprechen hier von einem Geburtstrauma. Wir haben keine bewusste Erinnerung daran. Doch unterbewusst könnte der ungewollte abrupte Wechsel vom warmen, dunklen Mutterschoß in die kalte, unberechenbare „Welt“ zu einem undefinierbaren Unwohlsein, zur Angst in und vor dieser Existenz geführt haben.
Darüber hinaus können Ereignisse in der frühen Kindheit, die wir ebenfalls vergessen haben, ein „frühkindliches“ Trauma verursacht haben. Sexueller Missbrauch und Misshandlung von Kindern sind leider erschreckend häufig. Wenigstens 8% aller ...
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