Tarot für Frauen

Tarot für Frauen

Motherpeace und Daughters of the Moon

Anfang der 1980er Jahre entstanden zwei Tarot-Kartendecks, die sich vor allem an Frauen wendeten, weil deren Schöpferinnen sich einfach zu wenig wiederfanden in den Klassikern von Crowley, Waite oder Visconti. Neben Ffiona Morgans Daughters of the Moon, das in Motiven und Ausrichtung einen ganz neuen Weg einschlug, entschieden sich Karen Vogel und Vicky Noble für ein Karten-Set, das sich zwar eng an das klassische System des Tarots anlehnte, in Symbolik und in seiner runden Form jedoch femininer ausgerichtet war.

Ende der Siebziger bis Mitte der Achtziger Jahre war die spirituelle Frauenbewegung in den Vereinigten Staaten auf dem Höhepunkt. In dieser Zeit erschienen unzählige Publikationen zu den Themen Göttinnen- Verehrung, Matriarchat und weibliche Spiritualität. Die Akademikerin Vicky Noble und die Anthropologin Karen Vogel recherchierten schon eine ganze Weile für ein Buchprojekt über das „Göttinnen-Phänomen“, wie Vicky Noble es nennt. Die beiden zogen zusammen nach Berkeley/Kalifornien, eins der Zentren der Göttinnen-Bewegung, zu denen neben Starhawk und Zsuzsanna Budapest auch Ffiona Morgan gehörte, die nur wenige Jahre später das Daughters of the Moon Tarot-Deck veröffentlichen sollte. „Das war eine sehr bewegte Zeit, in der viel Neues entdeckt wurde, besonders im Bereich der alternativen Heilmethoden. Wir lernten viel über Heilenergien und Schamanismus“, erinnert sich Karen Vogel.

Über einen Bekannten entdeckten die beiden das Tarot. „Ich hatte nie zuvor so ein Kartendeck gesehen und war erst einmal begeistert“, resümiert Vicky Noble. „Ein halbes Jahr oder so haben wir uns sehr intensiv damit beschäftigt. Ich las alles, was ich über das Tarot in die Finger bekommen konnte, darunter sehr viele Bücher aus Europa. Sie waren in dieser altmodischen Sprache geschrieben, wie sie typisch für die westliche magische Tradition ist.“

Hatte sie zunächst ihre Freundin Karen damit angesteckt, ebbte das anfängliche Interesse nach einer Weile jedoch ab. „Wir waren enttäuscht“, so Karen. „Wir wussten natürlich von der tieferen Bedeutung und wie kraftvoll das Tarot als solches sein kann. Aber sowohl das Crowley- als auch das Waite-Deck waren sehr maskulin. Hinzu kam, dass die Symbolik der Karten sehr europäisch war und Wurzeln im Mittelalter hatte.“ Kurz gesagt, den beiden fehlte „einfach der weibliche Aspekt im klassischen Tarot, ebenso wie die Bezüge zu indigenen Völkern“.

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