Warum halten wir uns heute ein Haustier? Die wenigsten Hunde, Katzen oder Pferde haben im 21. Jahrhundert noch eine Aufgabe. Kaum ein Hund bewacht noch Haus und Hof, hütet Schafe oder begleitet Jäger auf der Pirsch. Welche Katze hält noch Haus und Hof mäusefrei? Auch die Zahl der Pferde, die in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden oder als Zug-, Last und Reittier arbeiten, sinkt stetig.
Die Industrialisierung und Urbanisierung haben dazu geführt, dass Haustiere einen anderen Stellenwert bekommen haben. Sie sind Freizeitpartner, Hobby und nicht selten Familienmitglieder geworden. Die enge soziale Bindung an den Vierbeiner führt dazu, dass Mensch und Tier viel eher in Resonanz zueinander treten, als es noch vor hundert Jahren der Fall war.
Das Spektrum der Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner recht von völligem Desinteresse (das Tier wird als Sache betrachtet und auch so behandelt), über eher Team orientiertes Zusammenleben (die Vierbeiner werden dabei so artgerecht wie möglich gehalten, ernährt und beschäftigt) bis hin zur distanzlosen Überhöhung und Sozialpartnerersatz (das Tier wird zum Schau- und Prestigeobjekt und/oder Partnerersatz). Die schlimmste Form dieser Beziehung manifestiert sich in Tierquälerei und Grausamkeit der Kreatur gegenüber, die vom Menschen abhängig ist.
Je belasteter der Mensch, desto kränker sind die Haustiere.
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