Mit Kindern kreativ sein

Mit Kindern kreativ sein

Gemeinsam das Leben feiern

Kreatives Tun ist der natürliche Selbstausdruck unserer Kinder. Dabei spüren sie etwas von ihrem wahren Wesen und entwickeln ein natürliches, gesundes Selbstwertgefühl. Wenn wir aus unserem eigenen Selbst heraus auf sie antworten, werden Kinderzimmer und Küche zu Orten lebendiger Begegnung.

Das Wesen kreativen Tuns

Kreatives Tun ist der natürliche Selbstausdruck unserer Kinder. Schöpferisch zu sein ist seit jeher die urmenschliche Eigenschaft. Der gesamte menschliche Fortschritt und die Kulturentwicklung sind daraus entstanden.
Im schöpferischen Tun sind wir verbunden mit einer Art Kraft, die alles aus dem Unsichtbaren (dem schöpferischen Urgrund) in die Erscheinung bringt. Es ist dieselbe Kraft, die sowohl auf biologischer als auch auf geistiger Ebene wirkt.
Im schöpferischen Tun (wenn es nicht bewertet und beurteilt wird) können Kinder sich in einem inneren Freiraum bewegen, der ihnen den lebendigen Kontakt mit ihrem inneren Selbst erlaubt. In ihren Schöpfungen und im kreativen Tun an sich können sie Aspekte von sich selbst erkennen – sie spüren etwas von ihrem wahren Wesen, von ihren inneren Kräften und Fähigkeiten und können so ein natürliches, gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entwickeln – was ihnen helfen wird, in der immer komplexer und manchmal auch wirrer werdenden Außenwelt zu bestehen, wo sie oft mit erniedrigenden Forderungen nach Anpassung, Stillhalten und „Funktionieren“ konfrontiert werden.

Im freien schöpferischen Tun fühlen sich Kinder getragen und ins Leben eingebettet. Diese Erfahrung hilft ihnen, äußeren Glücksverlockungen standzuhalten.

Glücksquelle Kreativität

Schöpferisches Tun erfasst den ganzen Menschen mit einer Begeisterung und Ergriffenheit und führt zu einer inneren Bewegung und einer Art energetischem Fluss, der in der Kreativitätsforschung auch „Flow“ genannt wird: ein Glücksgefühl, das uns durch die Mitte unseres Seins erfasst und trägt. Wir fühlen uns eingebettet ins Leben, mit allem verbunden und getragen. Diese Erfahrung ist besonders für Kinder wichtig, da sie ja allen möglichen Glücks- und Unterhaltungsverlockungen ausgesetzt sind, denen sie nicht standhalten können, wenn sie nicht eine wirkliche eigene Erfahrung in sich selbst dagegen halten können – eine Erfahrung von dem, was zu wahrer innerer Freude, Erfüllung und Glück führt.
Die Wahrnehmung der kleinen Kinder orientiert sich nicht an den festgefügten Bildern und Definitionen, wie sie die Erwachsenen üblicherweise bestimmen (siehe auch Säuglingsforschung, D. Stern). Wenn Kindern frühzeitig ermöglicht wird, in freiem schöpferischen Ausdruck zu gestalten, können sie ihre innere Wahrnehmungsfähigkeit flüssiger und ungebundener und die Tür zu der inneren Realität offen halten. Sie brauchen den Zugang zu subtileren und komplexeren Wirklichkeiten gar nicht erst aufzugeben, mit denen sie ganz selbstverständlicherweise Kontakt haben.

Fenster zur Transzendenz

Viele Künstler und Musiker sprechen immer wieder von dieser Erfahrungsmöglichkeit in Kunst und Musik, z.B. K. Haring: „Wenn ich male, ist das für mich eine Erfahrung, die in den besten Momenten die Realität transzendiert. Man geht dann völlig in eine andere Welt über, man dringt in etwas vor, das völlig umfassend ist, es ist das totale Bewusstsein, man ist völlig außerhalb des Ego, des eigenen Ichs. Einzig und allein darum geht es...“
Kreativ zu sein meint aber nicht, dass wir immer malen und basteln müssten – vielmehr beinhaltet es eine innere Grundhaltung dem Leben gegenüber. Das heißt, dass wir aus der Verbindung mit unserer inneren schöpferischen Kraft heraus auf das, was jeder Moment von uns fordert und was er uns an Erfahrungsmöglichkeiten bietet, antworten – dass wir aus dem bunten Reichtum des Lebens mit Kindern genährt werden, dass wir etwas zum beständig weiterlaufenden Schöpfungsprozess beitragen, dass wir gerufen sind und aus unserem Selbst heraus antworten. Der Tempel und das Atelier sind zwischen uns und unseren Kindern, in unserer Küche und in unserem Kinderzimmer, in jedem lebendigen Moment der Begegnung erfahrbar.

Praktische Tipps
Gemeinsam die Natur erleben

Stellen Sie einen kleinen Kasten mit Erde an eine lichte Stelle; machen Sie mit Ihrem Kind zusammen einen Miniaturgarten: Gras, Gänseblümchen, ein kleines Bäumchen, eine Bank für kleine Püppchen, Kieswege. Spieltiere und -figuren können darin spazieren gehen, auf der Bank sitzen, ein Vogel singt...
Diese Art von Naturerlebnis geht auch in der Stadt. Das Kind kann in die Welt im Kleinen einsteigen und sich darin bewegen, vieles ausdrücken und auch nach seinem eigenen Wunsch gestalten. (Ein Gestalt-Gesetz besagt, dass auf allen Ebenen dieselben Strukturen wirken, egal ob wir wirklich laufen oder dies uns vorstellen. Wegen dieses Prinzips ist auch Heilung im Spiel – auf symbolischer Ebene – möglich.) Pflanzen Sie in verschiedenen Blumentöpfen Kresse, Bohnen, Avocado-Kerne etc. Die Natur hat eine eigene Kreativität. Sie lässt wachsen.
So oft Sie können, besuchen Sie Gärten, Wiesen, Wald, Parks.

In andere Länder „reisen“

Erzählen Sie Ihrem Kind von anderen Kindern in anderen Ländern. Sehen Sie sich zusammen Bilder von diesen Kindern an. Kochen Sie verschiedene einfache Speisen aus diesen Ländern. Laden Sie vielleicht ein Kind ein aus Ihrer Umgebung, das aus einem fremden Land kommt. Lernen Sie zusammen ein kleines Lied aus dem anderen Land.

Die Sterne grüßen

Betrachten Sie abends vor dem Schlafengehen mit Ihrem Kind den Nachthimmel, verabschieden Sie sich vom Mond und den Sternen für diesen Tag.
Wenn Sie mögen, können Sie einem anderen Wesen winken, was vielleicht auf einem anderen Stern lebt (für etwas ältere Kinder).
Erfinden Sie zusammen eine kleine Gruppe von Außerirdischen. Sie können sie auch aus Knetwachs darstellen. Erfinden Sie Geschichten; zeichnen Sie kleine Szenen.

Zusammen kochen

Wenn Sie kochen, beteiligen Sie Ihre Kinder. Sie können auch Teig kneten, Figuren backen, Sterne, Tiere ausstechen. Schneiden Sie Blumen aus Karottenscheiben, Blätter aus Gurken. Machen Sie ein Bild aus Gemüse auf den Teller. Essen Sie es mit dem Kind zusammen auf. Viele schöne Spiele kann man zusammen kochen. (Dies tut übrigens auch der beliebte englische Koch-Star Jamie Oliver mit seinen Kindern, wie er kürzlich in einem Interview in einer Frauenzeitschrift erzählte.)

Mit neuen Augen sehen

Versuchen Sie einmal für eine Viertelstunde Ihre Sorgen, Pflichten und was Sie zu erledigen haben für Ihr Kind beiseite zu lassen, und betrachten Sie einfach nur Ihr Kind. Versuchen Sie einfach nur, mit ihm da zu sein, und betrachten Sie es, als wenn Sie neue Augen hätten und es zum ersten Mal sehen würden.

Raum für schöpferische Freiheit lassen

Die Gedanken sind frei... – die Bilder auch! Verzichten Sie darauf, die Bilder Ihrer Kinder zu bewerten oder an der von Ihnen als objektiv betrachteten Wirklichkeit zu messen (das wäre ein „Kreativitätsminderer”), z. B. „Das Haus braucht noch eine Tür“, „Sonnenblumen sind nicht blau...“ usw. – schöpferische Freiheit!

Mit-Freude kultivieren

Zeigen Sie Ihrem Kind die Freude, die Sie im Zusammensein mit ihm empfinden, oder wenn Ihr Kind etwas hergestellt hat, das Ihnen gefällt. Lassen Sie in sich die Mit-Freude zu, wenn Ihr Kind sich über etwas freut – erlauben Sie die Resonanz in Ihrem Innern und drücken Sie diese aus. Also: Mitschwingen statt loben (oder tadeln). Lassen Sie sich von Ihrem Kind bewegen, halten Sie sich nicht unbeteiligt aus allem heraus. Mitfreude macht glücklich!

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