Gesundheit: BLICK IN DIE ZUKUNFT TRICKST DAS AUGE AUS

August 2008

Unser Blick in die Zukunft ist kurz. Zwar dachte Nostradamus, er könne Vorhersagen für mehrere Jahre machen, aber der Mensch bringt es erwiesenermaßen nur auf eine Zehntelsekunde. Das allein hilft schon, dass ein Ball nicht ins Gesicht fliegt, sondern die Hände ihn gezielt auffangen und dass man sicher eine Treppe hinaufsteigen kann.

Doch genau diese hellseherischen Fähigkeiten des Menschen locken ihn immer wieder in eine Falle: Sie sind der Grund dafür, dass wir auf optische Täuschungen hereinfallen, sagt der US-Forscher Mark Changizi vom Rensselaer Polytechnic Institute in New York. Bislang konnten theoretische Modelle nur eine oder wenige optische Täuschungen erklären. Changizis Hypothese aber soll bis zu 50 verschiedene Illusionen begründen. Das Kernstück seiner Annahme ist der besagte kurze Blick in die Zukunft. Er kommt dadurch zustande, dass die menschliche Netzhaut Licht erst eine Zehntelsekunde nach seinem Auftreffen wahrnimmt. Das Gehirn versucht die zeitliche Lücke zu kompensieren, indem es anhand aller eintreffenden Informationen ein Bild entwirft, das genau eine Zehntelsekunde in der Zukunft liegt. „llusionen entstehen, wenn unser Gehirn versucht, die Zukunft zu erkennen, das Ergebnis aber nicht mit der Realität übereinstimmt“, erklärt Changizi.

Das Gleiche passiert bei zahlreichen optischen Täuschungen, wie sie z.B. ein symmetrisches Schachbrett auslösen kann. Lehnt man sich beim Ansehen nach vorne, scheint sich das Bild auszubeulen. Durch die Bewegung entwirft das Gehirn nach Changizis Theorie ein Bild, wie es in der Zukunft aussehen sollte. Da dieses nicht mit der Realität übereinstimmt, entsteht die optische Täuschung. Und wenn ein Golfball über den Rasen rollt und im Loch verschwindet, nimmt das Gehirn mitunter wahr, dass der Ball auf der anderen Seite des Loches weiterrollt. „Aber das passiert insgesamt ziemlich selten“, sagte Changizi zur „New York Times“. „Unser Gehirn ist normalerweise ganz gut darin, solche groben Fehler zu vertuschen.“

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